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Indien will, dass die BRICS-Staaten digitale Zentralbankwährungen (CBDCs) häufiger für internationale Zahlungen nutzen. Dadurch könnten die Länder untereinander schneller und günstiger handeln und ihre Abhängigkeit von klassischen Banken sowie vom US-Dollar verringern.
Gleichzeitig will Premierminister Narendra Modi verhindern, dass BRICS ein gemeinsames Zahlungssystem entwickelt, das direkt mit dem westlichen SWIFT-Netzwerk konkurriert. Indien fürchtet, ein solcher Schritt könnte BRICS zu deutlich als gegen den Dollar und den Westen gerichteten Machtblock positionieren.
Indien hat in diesem Jahr den BRICS-Vorsitz inne und will beim kommenden Gipfel in Neu-Delhi vorschlagen, die digitalen Zentralbankwährungen der Mitgliedstaaten, sogenannte CBDCs, miteinander zu vernetzen.
Eine CBDC ist digitales Geld, das von einer Zentralbank ausgegeben und abgesichert wird. Indien testet derzeit bereits eine digitale Rupie. Auch China und Russland experimentieren mit eigenen digitalen Staatswährungen.
Durch eine Verknüpfung dieser Systeme könnten BRICS-Staaten gegenseitige Zahlungen direkt in ihren digitalen Währungen abwickeln. Aus Sicht Indiens ließen sich internationale Transaktionen dadurch günstiger gestalten und die Abhängigkeit von klassischen Banken verringern.
Zugleich drängt Indien darauf, dass BRICS-Staaten im Handel untereinander häufiger ihre eigenen Währungen nutzen. Indien und Russland könnten etwa direkt in Rupien und Rubel abrechnen, ohne zuvor auf US-Dollar zurückgreifen zu müssen.
Diese Verschiebung ist bereits deutlich sichtbar. Nach Angaben der Sberbank werden inzwischen rund 96 Prozent des Handels zwischen Indien und Russland über bestehende Rupie-Rubel-Strukturen abgewickelt. Auch Russland und China nutzen den Dollar im bilateralen Handel kaum noch. Laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax wird mittlerweile nahezu alles in Yuan und Rubel bezahlt.
BRICS arbeitet schon länger daran, die nationalen Zahlungssysteme der Mitgliedstaaten enger miteinander zu verbinden. Damit ließe sich die Abhängigkeit von SWIFT verringern. Das internationale Netzwerk spielt eine zentrale Rolle bei Zahlungen zwischen Banken weltweit.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt die Debatte, nachdem mehrere russische Banken nach der Invasion der Ukraine 2022 von SWIFT ausgeschlossen worden waren.
Indien bleibt jedoch vorsichtig. Kreisen zufolge, die mit den Gesprächen vertraut sind, will Neu-Delhi kein gemeinsames BRICS-Zahlungssystem, das als direkter Konkurrent zu SWIFT wahrgenommen werden könnte. Ein solches System könnte aus indischer Sicht den Eindruck erwecken, BRICS richte sich ausdrücklich gegen den Dollar und den Westen.
Eine Einigung auf ein gemeinsames Zahlungssystem beim BRICS-Gipfel an diesem Wochenende gilt daher als unwahrscheinlich.
Stattdessen setzt Indien auf die Zusammenarbeit bestehender nationaler Systeme. Neben CBDCs könnten die BRICS-Staats- und Regierungschefs auch darüber beraten, wie mobile Zahlungssysteme für kleinere Transaktionen miteinander verbunden werden können.
Indien verfolgt diese Strategie auch außerhalb von BRICS. Das Land hat sein populäres Zahlungssystem UPI bereits mit PayNow in Singapur verbunden, wodurch Geld einfacher zwischen beiden Ländern überwiesen werden kann.
Darüber hinaus hat Indien Vereinbarungen mit Zentralbanken unter anderem in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Mauritius, den Malediven und Indonesien geschlossen, um lokale Währungen im Handel häufiger einzusetzen. Mit weiteren Ländern laufen ähnliche Gespräche.
„Wir werden weiter daran arbeiten, die Rupie international stärker zu verankern und den Einsatz lokaler Währungen im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr und Handel auszubauen“, sagte Sanjay Malhotra, Gouverneur der Reserve Bank of India, kürzlich.
Für Länder wie Indien kann das auch finanzielle Vorteile bringen. Nach Einschätzung der Nomura-Ökonomin Sonal Varma müssen Staaten bei mehr Handel in lokalen Währungen weniger Dollar für alltägliche Transaktionen einsetzen. Dadurch können sie ihre Dollarreserven stärker für strategisch wichtige Importgüter vorhalten.
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