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Die Kryptobörse Gemini hat ihren Umsatz im zweiten Quartal deutlich gesteigert, konnte einen hohen Verlust aber nicht verhindern. Unter dem Strich fehlten dem Unternehmen 107,7 Millionen Dollar. Vor allem der eingebrochene Kryptohandel und hohe Kosten belasteten die Ergebnisse.
Dennoch gibt es in den Zahlen einen auffälligen Lichtblick. Gemini wird zunehmend weniger abhängig von Handelserlösen. Vor allem die Kreditkarte wächst rasant und brachte inzwischen mehr ein als der klassische Kryptohandel.
Gemini erzielte im zweiten Quartal einen Umsatz von 45,5 Millionen Dollar, 37 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bemerkenswert ist, dass dieses Wachstum nicht aus der wichtigsten traditionellen Einnahmequelle einer Kryptobörse kam.
Die Handelserlöse sanken nämlich um 38 Prozent auf 12,5 Millionen Dollar. Noch stärker traf es das Handelsvolumen. Vor einem Jahr wurden über Gemini digitale Coins im Wert von 11,3 Milliarden Dollar gehandelt. Im vergangenen Quartal waren es nur noch 3,8 Milliarden Dollar, ein Rückgang um rund zwei Drittel.
Für Gemini ist das schmerzhaft, weil Kryptobörsen traditionell einen großen Teil ihrer Einnahmen über Transaktionsgebühren erzielen. Weniger Handel bedeutet daher weniger Einnahmen aus dem Kauf und Verkauf von Kryptowährungen.
Während diese Einnahmequelle schrumpft, wächst ein anderer Bereich von Gemini auffallend schnell.
Die Erlöse aus Aktivitäten außerhalb des Kryptohandels stiegen um 149 Prozent auf 23,5 Millionen Dollar. Der größte Wachstumstreiber war dabei die Kreditkarte von Gemini.
Dieser Bereich erzielte 16,2 Millionen Dollar, satte 231 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Damit lagen die Kreditkartenerlöse im vergangenen Quartal sogar über den 12,5 Millionen Dollar, die Gemini mit dem Kryptohandel verdiente.
Auch Staking legte zu. Dabei können Kunden ihre digitalen Coins einsetzen, um ein Blockchain-Netzwerk zu unterstützen und dafür eine Belohnung zu erhalten. Geminis Erlöse aus dem Staking stiegen um 50 Prozent auf 4 Millionen Dollar.
Das starke Wachstum des Kreditkartengeschäfts hat allerdings auch eine Kehrseite. Die Transaktionsverluste stiegen von 3,6 Millionen auf 20,1 Millionen Dollar. Davon entfielen 16,1 Millionen Dollar auf eine Rückstellung für mögliche Kreditverluste infolge von Identitätsbetrug.
Gemini zufolge konzentrierten sich diese Probleme vor allem auf die betroffenen Konten. Von einer breiteren Verschlechterung des Kreditkartenportfolios sei nicht auszugehen.
Die größte Herausforderung bleibt die enorme Kostenbasis. Gemini gab im zweiten Quartal 122,4 Millionen Dollar für Betriebskosten aus, 24 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Damit lagen die Kosten bei mehr als dem Zweieinhalbfachen des Gesamtumsatzes von 45,5 Millionen Dollar.
Erste Anzeichen einer Verbesserung gibt es dennoch. Gegenüber dem ersten Quartal sanken die Kosten um 15 Prozent, nachdem Gemini Anfang des Jahres mehrere Sparmaßnahmen angekündigt hatte.
Für Anleger reichte das nicht aus. Die Aktie legte am Donnerstag im regulären Handel zunächst noch um rund drei Prozent zu, nach den Quartalszahlen drehte jedoch die Stimmung. Vor der Eröffnung der Wall Street am Freitag lag Gemini laut Yahoo Finance fast fünf Prozent im Minus.
Die Zahlen zeigen vor allem, wie sich das Geschäftsmodell von Gemini verschiebt. Die Kreditkarte bringt inzwischen mehr ein als der Kryptohandel, und auch andere Dienste wachsen schnell. Vorerst wird dieses Wachstum jedoch von den hohen Kosten und dem Quartalsverlust von mehr als 100 Millionen Dollar überschattet.
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