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Wer eine Aktie kauft, hofft meist auf Kursgewinne oder Dividenden. Bei manchen Unternehmen bleibt es allerdings nicht dabei. Aktionäre erhalten Rabatte, exklusiven Zugang oder sogar ein Geschenk nach Hause. Von einer eigens aufgelegten Uhr bis zum Koffer voller Schokolade. Das klingt vielleicht aus der Zeit gefallen, doch solche besonderen Vorteile gibt es noch immer.

Aktionärsgeschenke haben eine lange Tradition. Die ältesten bekannten Beispiele stammen aus Japan, wo Eisenbahngesellschaften um 1899 bereits kostenlose Fahrkarten an Aktionäre ausgaben. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts griffen auch andere Unternehmen die Idee auf. Das war nicht nur nett gemeint. Aktionäre waren häufig treue Kunden, und ein Geschenk konnte die Bindung an das Unternehmen weiter stärken. Zugleich sorgten neue Produkte und Präsente für Mundpropaganda.

Das hatte auch eine amüsante Kehrseite. Manche Menschen kauften nur ein kleines Aktienpaket, um zur Hauptversammlung zu kommen – wegen des kostenlosen Kaffees, des Mittagessens und des jährlichen Geschenks. In der Börsenwelt bekamen solche Anleger sogar einen Spitznamen: „Kaffeeläufer“. Sie waren formal Miteigentümer des Unternehmens, interessierten sich aber kaum für Strategie oder Geschäftszahlen.

Ab den neunziger Jahren verschwanden viele dieser traditionellen Geschenkpakete. Die Zahl der Privatanleger nahm zu, dadurch wurde die Verteilung teurer und aufwendiger. Später machten digitale und hybride Hauptversammlungen die Praxis noch unpraktischer. Ganz verschwunden sind die Geschenke aber nicht. Diese fünf börsennotierten Unternehmen halten die Tradition auf ihre eigene Weise am Leben.

1. Swatch beschenkt Aktionäre mit einer exklusiven Uhr

Eine Aktie von Swatch kann neben Kursgewinnen und Dividenden noch etwas ganz anderes bringen. Die Schweizer Swatch Group, einer der größten Uhrenhersteller der Welt, legt jedes Jahr für bestimmte Aktionäre eine Sonderuhr auf. Dieses Modell liegt nicht einfach beim Juwelier und ist daher auch für Sammler interessant.

Dafür müssen Anleger allerdings einige Bedingungen erfüllen. Aktionäre müssen im Schweizer Aktienregister eingetragen sein, ihr Stimmrecht ausüben und eine Lieferadresse in der Schweiz angeben. Vor allem der erste Punkt kann schwierig sein, weil nicht jeder Broker die Eintragung im Schweizer Register unterstützt. Zudem verschickt Swatch die Uhr nicht direkt ins Ausland.

Wie viel die Uhr genau wert ist, lässt sich schwer sagen. Das dürfte auch nicht der wichtigste Grund sein, warum Anleger mitmachen. Der Reiz liegt vor allem in der Exklusivität. Man erhält etwas, das eigens für Aktionäre hergestellt wird und regulär nicht erhältlich ist. Die Regelung bleibt allerdings freiwillig. Swatch kann die Bedingungen ändern oder eines Tages beschließen, das Geschenk ganz einzustellen.

2. Sixt gewährt Anlegern bis zu zwanzig Prozent Rabatt

Beim deutschen Autovermieter Sixt geht es nicht um ein Geschenk für die Vitrine, sondern um einen durchaus praktischen Vorteil. Wer nachweisen kann, mindestens eine Aktie zu besitzen, kann einen besonderen Aktionärstarif beantragen. Je nach Land, Fahrzeugklasse und Verfügbarkeit kann dieser Tarif bis zu zwanzig Prozent günstiger sein.

Bei einem Mietpreis von 400 Euro entspräche das einer Ersparnis von bis zu 80 Euro. Das ist ungefähr so viel wie der Preis einer Aktie, wie er im Ausgangsartikel genannt wird. Für jemanden, der regelmäßig bei Sixt ein Auto mietet, kann sich eine einzelne Aktie auf bemerkenswerte Weise bezahlt machen.

Trotzdem sollte man vor allem das Wort „bis“ nicht übersehen. Es gibt nicht automatisch bei jeder Buchung zwanzig Prozent Rabatt. Außerdem muss der Aktionärstarif nicht immer die günstigste Option sein. Ein befristetes Angebot, eine Aktion oder ein Paketpreis kann am Ende günstiger ausfallen. Für treue Sixt-Kunden kann sich der Vorteil deutlich summieren, wer nie ein Auto mietet, hat davon naturgemäß wenig.

3. LVMH öffnet Türen, die sonst verschlossen bleiben

Beim Luxuskonzern LVMH wird es etwas exklusiver. Eine kostenlose Louis-Vuitton-Tasche oder Flasche Champagner bekommt man beim Kauf einer Aktie zwar nicht. Eine Aktie kann jedoch bereits reichen, um Zugang zum exklusiven Aktionärsclub des Konzerns zu erhalten. Bei dem im Ausgangsartikel genannten Kurs entspricht das einer Investition von rund 450 Euro.

LVMH steht hinter einer großen Zahl von Luxusmarken. Mitglieder des Aktionärsclubs können an Besichtigungen teilnehmen, die normalen Kunden nicht ohne Weiteres offenstehen. Dazu zählen Ateliers von Louis Vuitton, Dior an der Avenue Montaigne sowie Weinkeller von Hennessy, Moët & Chandon, Ruinart und Veuve Clicquot. Hinzu kommen Sonderangebote unter anderem für Weine, Spirituosen, Publikationen und Veranstaltungen.

Das passt zum Geschäftsmodell. LVMH verkauft nicht nur Taschen, Kleidung, Champagner und andere Luxusprodukte. Ein wesentlicher Teil der Anziehungskraft liegt in Exklusivität und Markenerlebnis. Genau das versucht der Konzern auch seinen Aktionären zu bieten.

Der finanzielle Wert lässt sich schwer beziffern. Für Liebhaber der Marken kann eine besondere Führung viel wert sein, während ein anderer Anleger die Mitgliedschaft vielleicht nie nutzt. Und wer für einen Besuch extra nach Frankreich reist, muss die Reise natürlich selbst bezahlen.

4. Carnival gewährt Aktionären Bordguthaben

Wer gern auf Kreuzfahrt geht, kann bei Carnival einen auffälligen Aktionärsvorteil erhalten. Anleger, die mindestens 100 Aktien besitzen, können bei ihrer Buchung Bordguthaben beantragen. Bei einem Aktienkurs von etwa 28 Dollar entspricht das einer Investition von rund 2.800 Dollar.

Auf längeren Kreuzfahrten kann der Vorteil beträchtlich ausfallen. Bei Reisen von 14 Tagen oder länger in Nordamerika geht es um 250 Dollar pro Kabine. Für europäische Kreuzfahrten gleicher Länge beträgt das Bordguthaben 200 Euro. Bei kürzeren Reisen sinkt der Betrag je nach Dauer der Kreuzfahrt und Reederei auf 100 oder 50 Dollar beziehungsweise auf 75 oder 40 Euro.

Ein europäisches Bordguthaben von 200 Euro entspricht gut sieben Prozent der Investition, die für die erforderlichen 100 Aktien nötig ist. Wer mehrmals im Jahr mit Carnival, Costa oder AIDA reist, kann also spürbar profitieren.

Ganz kostenloses Geld ist es natürlich nicht. Um das Guthaben zu nutzen, muss man zunächst eine Kreuzfahrt buchen, die schnell mehrere Tausend Euro kostet. Zudem ist der Vorteil nicht übertragbar, gilt nur einmal pro Kabine und kann nicht für alle Ausgaben an Bord eingesetzt werden. Auch Carnival kann die Regelung künftig ändern oder beenden.

5. Lindt belohnt Anleger mit Schokolade

Wer Geldanlage und Schokolade mag, landet früher oder später bei Lindt & Sprüngli. Das Schweizer Schokoladenunternehmen hat vermutlich das bekannteste und schmackhafteste Aktionärsgeschenk in dieser Liste. Aktionäre, die ihr Stimmrecht ausüben, erhalten rund um die jährliche Hauptversammlung einen prall gefüllten Koffer mit Schokolade.

Damit gehört Lindt zu den wenigen Unternehmen, bei denen eine Hauptversammlung indirekt mit einem großen Vorrat Schokolade zu Hause enden kann. Der Koffer wird allerdings nur in der Schweiz ausgegeben oder zugestellt. Ausländische Aktionäre können aber eine Schweizer Lieferadresse angeben.

Es gibt allerdings einen erheblichen Haken. Die Aktie, mit der man Stimmrecht erhält, kostet laut Ausgangsartikel rund 96.000 Schweizer Franken. Selbst wenn der Schokoladenkoffer einen Wert von 300 Franken hätte, läge die „Schokoladenrendite“ bei etwa 0,3 Prozent. Ein Kursrückgang von 0,3 Prozent reicht damit bereits aus, um den gesamten Wert des Geschenks zunichtezumachen.

Lindt hat auch deutlich günstigere Partizipationsscheine, diese verleihen jedoch kein Stimmrecht. Damit gibt es auch keinen Schokoladenkoffer. Wer es wirklich auf das jährliche Süßwarenpaket abgesehen hat, muss die sehr teure Aktie besitzen. Für bestehende Aktionäre ist es vor allem ein nettes Ritual, für Lindt selbst natürlich hervorragendes Marketing.

Warum machen niederländische Unternehmen das eigentlich nicht?

Nach einer solchen Liste drängt sich die Frage auf: Warum bekommen niederländische und belgische Aktionäre eigentlich so selten Geschenke? Es wäre durchaus naheliegend, wenn Shell-Aktionäre günstiger tanken könnten, Besitzer von Ahold Delhaize zusätzliche Vorteile im Supermarkt erhielten oder Lotus Bakeries jedes Jahr eine Kiste Kekse verschickte.

Formelle Geschenke und Kundenrabatte für Privatanleger sind in den Niederlanden und Belgien jedoch kaum üblich. Verboten ist das deshalb nicht. LVMH zeigt im selben europäischen Markt, dass ein ausgebauter Aktionärsclub durchaus möglich ist. Der Unterschied liegt vor allem darin, wie Unternehmen ihre Anleger ansprechen.

Niederländische und belgische börsennotierte Unternehmen sehen Aktionäre vor allem als Kapitalgeber. Unternehmen wie Swatch, Sixt, LVMH, Carnival und Lindt versuchen dagegen, aus denselben Anlegern auch treue Kunden und Markenbotschafter zu machen. Dafür geben sie etwas her, erhalten im Gegenzug aber womöglich zusätzliche Aufmerksamkeit und stärkere Kundenbindung.

Für Anleger bleibt wichtig, ein solches Extra nicht mit Rendite zu verwechseln. Ein Schokoladenkoffer, Mietrabatt oder eine exklusive Uhr macht aus einer schwachen Aktie nicht plötzlich eine gute Anlage. Wer die Aktien ohnehin besitzt, dürfte ein solches Extra aber durchaus zu schätzen wissen.

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