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Jurrien Timmer von Fidelity erkennt ein Warnsignal, das bereits 2018 und 2022 zu beobachten war. Seine sogenannte Investment Clock zeigt an, dass sich die Marktbedingungen inzwischen verschlechtert haben.
Die Finanzierungsbedingungen werden restriktiver. Zugleich lässt die stützende Wirkung kräftiger Unternehmensgewinne allmählich nach.
Die Investment Clock setzt das Gewinnwachstum ins Verhältnis zu den Finanzierungsbedingungen. Diese sind derzeit zwar nur etwas restriktiver als üblich. Doch schon das kann ausreichen, um die Bewertungen unter Druck zu setzen.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg Anfang Oktober auf rund 5,34 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2002. Zugleich erhöhte die Fed im September erneut den Leitzins. Dadurch verteuert sich die Finanzierung, und die Bereitschaft der Anleger, hohe Kurs-Gewinn-Verhältnisse zu akzeptieren, sinkt.
Das zeigte sich deutlich im Jahr 2022. Die erwarteten Unternehmensgewinne stiegen damals noch um rund 6,2 Prozent. Die Bewertung, die Anleger diesen Gewinnen zugestanden, sank jedoch um etwa 30 Prozent.
Der S&P 500 verlor dadurch letztlich mehr als 25 Prozent. Im Jahr 2018 war eine ähnliche Entwicklung zu beobachten. Von seinem Höchststand im September fiel der Index bis kurz vor Weihnachten um fast 20 Prozent.
Allerdings gibt es einen wesentlichen Unterschied. Analysten erwarten für die Unternehmen im S&P 500 im dritten Quartal derzeit ein Gewinnwachstum von rund 30,6 Prozent. Damit kann der Markt sinkende Bewertungen deutlich besser abfedern als 2022.
Timmer rechnet deshalb nicht zwangsläufig mit einem erneuten Rückgang in derselben Größenordnung. Entscheidend ist, ob das hohe Gewinnwachstum anhält und ausreicht, um sinkende Bewertungen auszugleichen.
Nun stehen zwei wichtige Bewährungsproben an. Zum einen müssen die Unternehmen in der laufenden Berichtssaison zeigen, dass das erwartete Gewinnwachstum von rund 30 Prozent tatsächlich erreichbar ist.
Zum anderen steht am 28. Oktober die nächste Fed-Sitzung an. Bleiben die Zinsen hoch und sinken die Bewertungen weiter, müssen die Unternehmensgewinne die hohen Erwartungen nahezu vollständig erfüllen, um die Aktienkurse zu stützen. Genau deshalb signalisiert Timmers Investment Clock inzwischen eine kritischere Marktphase.
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