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Die polnische Staatsanwaltschaft weitet ihre Ermittlungen gegen die zusammengebrochene Kryptoplattform Zondacrypto aus. Polnische Kunden könnten Ersparnisse von bis zu 100 Millionen Dollar verloren haben.
Der Fall sorgt inzwischen auch politisch für Unruhe. Zondacrypto soll Verbindungen zur nationalistischen Opposition gehabt haben, der Ministerpräsident Donald Tusk vorwirft, strengere Krypto-Regeln blockiert zu haben.
Am Donnerstag nahm die Polizei den Präsidenten des Polnischen Olympischen Komitees fest. Die Justiz prüft, ob er von Geldern profitiert hat, die von Kunden von Zondacrypto stammten.
Der Präsident des Olympischen Komitees wurde von der früheren polnischen Regierung unterstützt und schloss einen umfangreichen Marketingvertrag mit Zondacrypto. Die Kooperation ging auffallend weit. Der Sitz des Komitees wurde sogar in John Paul II Zondacrypto Olympic Center umbenannt.
Nach Angaben des polnischen Justizministeriums ist seine Festnahme Teil umfassenderer Ermittlungen gegen Personen, die möglicherweise von Geldern profitiert haben, die Zondacrypto von polnischen Kunden erhalten hatte.
Die Kryptoplattform soll Ersparnisse von bis zu 100 Millionen Dollar verloren haben. Die Probleme verschärften sich Anfang des Jahres rasch, nachdem Ministerpräsident Donald Tusk Zondacrypto mit Geldern aus der russischen organisierten Kriminalität in Verbindung gebracht hatte. Öffentliche Belege legte er dafür nicht vor.
Nach seinen Äußerungen versuchten Kunden in großem Umfang, ihr Geld von der Plattform abzuziehen. Der Zondacrypto-Chef Przemyslaw Kral verschwand anschließend für mehrere Monate aus der Öffentlichkeit.
Die Probleme rund um Zondacrypto haben sich inzwischen zu einem politischen Konflikt ausgeweitet. Ministerpräsident Donald Tusk wirft der nationalistischen Opposition vor, strengere Krypto-Regeln wegen ihrer Verbindungen zur Plattform verhindert zu haben.
„Jetzt wissen wir endlich, warum Karol Nawrocki und Recht und Gerechtigkeit die Krypto-Gesetzgebung so hartnäckig blockiert haben“, schrieb Tusk am Mittwoch auf X. Die „Zonda-Saga“ habe seiner Ansicht nach gerade erst begonnen.
Die Opposition macht dagegen Tusk verantwortlich. Sie argumentiert, der Ministerpräsident habe selbst zum Zusammenbruch von Zondacrypto beigetragen, indem er die Plattform zuvor mit Geldern aus der russischen organisierten Kriminalität in Verbindung gebracht habe. Öffentliche Belege hat Tusk dafür nicht vorgelegt.
Zondacrypto hatte zugleich sichtbare Verbindungen in konservative Kreise. Die Plattform war im vergangenen Jahr mit einer Veranstaltung der Conservative Political Action Conference verbunden. Dort sprach ein Gesandter von Donald Trump Karol Nawrocki seine Unterstützung aus; wenige Tage später gewann Nawrocki die Präsidentschaftswahl.
Politisch ist der Fall besonders heikel, weil Polen im kommenden Jahr ein neues Parlament wählt. Tusks Regierungskoalition gerät dabei zunehmend unter Druck nationalistischer Parteien, darunter Recht und Gerechtigkeit.
Auch Zondacrypto-Chef Przemyslaw Kral spielt inzwischen eine wichtige Rolle in den Ermittlungen. Er hat Roman Giertych als Anwalt eingeschaltet, einen Abgeordneten aus dem Regierungslager von Tusk.
Nach Angaben Giertychs kooperiert Kral mit der polnischen Staatsanwaltschaft. Seine Aussagen könnten mehr Klarheit über die Verbindungen zwischen Zondacrypto und Politikern sowie weiteren Personen aus dem Umfeld von Recht und Gerechtigkeit bringen.
Die Wahl Giertychs schürt zugleich Misstrauen in der Opposition. Kritiker befürchten, dass die Ermittlungen genutzt werden, um politische Gegner Tusks zu beschädigen. Bislang ist jedoch nicht festgestellt worden, dass Politiker von Recht und Gerechtigkeit Straftaten begangen haben.
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