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Die kommende Woche steht vor allem im Zeichen der US-Zwischenwahlen. Am Dienstag entscheiden die Wähler, wer in den nächsten zwei Jahren den Kongress kontrolliert. Das Ergebnis könnte Donald Trumps wirtschaftspolitischen Spielraum erheblich verändern.

Die Republikaner verfügen derzeit sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat über eine knappe Mehrheit. Schon wenige Sitze können daher den Ausschlag geben. Für Anleger geht es unter anderem um Steuern, Staatsausgaben und neue Haushaltskonflikte.

Die Wahl fällt zudem in eine angespannte Marktphase. Technologieaktien mussten vergangene Woche deutliche Verluste hinnehmen, und die Federal Reserve ließ die Zinsen unverändert. Nach den Wahlen folgt am Freitag der US-Arbeitsmarktbericht, der die Erwartungen an den nächsten Zinsentscheid verändern könnte.

Angeschlagene Börsen vor politisch entscheidender Woche

Die Wall Street startet nach einer heftigen Verkaufswelle bei Technologieaktien in die Woche. Anleger zweifeln daran, dass die enormen Investitionen in künstliche Intelligenz schnell genug Gewinne abwerfen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an Unternehmen, die diese Woche ihre Zahlen vorlegen.

Am Montagabend legt Palantir seine Ergebnisse vor, am Dienstag folgt der Chiphersteller AMD. Ihre Zahlen stehen zwar nicht im Mittelpunkt der Woche, dürften aber zeigen, wie viel Vertrauen Anleger noch in KI-Aktien haben. Ein überzeugender Ausblick könnte eine Erholung auslösen. Weitere Enttäuschungen könnten den Druck auf die Nasdaq erhöhen und auch europäische Chipaktien belasten.

Diese Unternehmenszahlen prägen damit die Stimmung, mit der Anleger in den Wahlabend gehen. Nach den heftigen Kursbewegungen der vergangenen Woche könnten Aktien besonders empfindlich auf politische Überraschungen reagieren.

Am Dienstag geht es um die Macht in Washington

Bei den Wahlen werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus neu vergeben. Auch rund ein Drittel der Senatssitze steht zur Wahl, insgesamt 35. Um die republikanische Mehrheit im Senat abzulösen, müssen die Demokraten unter dem Strich vier Sitze hinzugewinnen. Im Repräsentantenhaus reichen etwa drei zusätzliche Sitze.

Vor allem die Mehrheit im Repräsentantenhaus scheint für die Demokraten erreichbar. Im Senat ist das Rennen offener. Trump rechnete am vergangenen Wochenende bereits mit einer Niederlage und kündigte an, in diesem Fall häufiger von seinem Vetorecht Gebrauch zu machen.

Gewinnen die Demokraten eine oder beide Kammern, wird es für Trump schwieriger, neue Steuer- und Ausgabengesetze durch den Kongress zu bringen. Die Opposition hätte dann auch mehr Möglichkeiten, Untersuchungen einzuleiten und Ernennungen oder Vorhaben zu verzögern. Das könnte die Unsicherheit über den Haushalt und die Schuldenobergrenze im Jahr 2027 erhöhen.

Verteidigen die Republikaner ihre Mehrheiten in beiden Kammern, bleiben die politischen Voraussetzungen für Trumps Vorhaben günstiger. Für die Märkte wäre das allerdings nicht durchweg positiv. Weitere Steuersenkungen oder höhere Ausgaben könnten Sorgen über die Staatsverschuldung verstärken und die Renditen von US-Staatsanleihen steigen lassen.

Unterschiedliche Mehrheiten im Weißen Haus und im Kongress werden an der Börse mitunter begrüßt, weil sie weitreichende politische Kurswechsel erschweren. Diesmal ist die Lage weniger eindeutig. In Bereichen wie Handel und Einfuhrzöllen kann Trump weiterhin vieles über seine Exekutivbefugnisse regeln. Ein Machtwechsel im Kongress würde diese Unsicherheit daher nicht unmittelbar beseitigen.

Die ersten Ergebnisse werden in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch erwartet. Bei knappen Abständen könnte es länger dauern, bis die Mehrheitsverhältnisse feststehen. Aktien, Dollar und Staatsanleihen könnten deshalb nach und nach auf die eintreffenden Ergebnisse reagieren.

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US-Arbeitsmarktbericht als zweite Bewährungsprobe

Nach den Wahlen richtet sich der Blick auf den US-Arbeitsmarkt. Bereits am Dienstag werden die Zahlen zu den offenen Stellen veröffentlicht. Am Freitag folgt der vollständige Arbeitsmarktbericht für Oktober.

Im September entstanden lediglich 29.000 neue Stellen, die Arbeitslosenquote blieb bei 4,2 Prozent. Für Oktober rechnen Ökonomen erneut mit einem moderaten Beschäftigungszuwachs. Besonders wichtig ist die Lohnentwicklung, denn kräftig steigende Löhne können die Inflation länger auf hohem Niveau halten.

Die Federal Reserve ließ den Leitzins vergangene Woche unverändert bei 3,75 bis 4 Prozent. Zwei Mitglieder des Führungsgremiums sprachen sich allerdings für eine Zinserhöhung aus. Ein starker Arbeitsmarktbericht könnte ihre Position stärken und eine Zinserhöhung im Dezember wahrscheinlicher machen.

Höhere Zinsen machen US-Anleihen attraktiver. Das kann den Dollar stützen und Wachstumsaktien, Gold sowie andere Anlagen ohne feste Verzinsung unter Druck setzen. Auch Bitcoin und andere risikoreiche Anlagen könnten darauf reagieren. Ein schwacher Arbeitsmarktbericht könnte die Marktzinsen dagegen sinken lassen, würde allerdings zugleich die Konjunktursorgen verstärken.

Zum Wochenschluss steht damit eine andere Frage im Mittelpunkt als zu Beginn. Nach der politischen Entscheidung am Dienstag müssen Anleger am Freitag beurteilen, welchen geldpolitischen Spielraum die US-Wirtschaft der Federal Reserve noch lässt. Sollte das Wahlergebnis bis dahin nicht vollständig feststehen, könnten politische und wirtschaftliche Unsicherheit die Märkte gleichzeitig belasten.

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