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Anleger verlieren angesichts der Milliardeninvestitionen der Techkonzerne in künstliche Intelligenz (KI) die Geduld. Techaktien geraten deshalb stark unter Druck. Alphabet erlebte gestern den schwärzesten Börsentag seiner Geschichte, heute trifft es Amazon. Doch nicht alle Techkonzerne kommen gleichermaßen schlecht davon.

Milliardenschwere KI-Wetten belasten Techaktien

Die Aktie der Google-Mutter Alphabet brach gestern um 12,6 Prozent ein. Das war der größte Kursverlust seit dem Börsengang 2004. Rund 500 Milliarden Dollar an Börsenwert gingen verloren.

Auslöser war das Suchmaschinengeschäft, die wichtigste Ertragsquelle des Konzerns. Dessen Umsatz wuchs nur noch um zwölf Prozent, nach 19 Prozent zu Jahresbeginn. Anleger befürchten, dass KI-Chatbots Google zunehmend Suchanfragen abnehmen.

Gleichzeitig gab Alphabet in einem einzigen Quartal 51,4 Milliarden Dollar unter anderem für Rechenzentren aus – mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Der freie Cashflow war dadurch das zweite Quartal in Folge negativ.

Der freie Cashflow bezeichnet die Mittel, die einem Unternehmen nach seinen Investitionen verbleiben. Die Situation ähnelt der einer Familie, die zwar gut verdient, aber noch mehr für einen Umbau ausgibt: Am Monatsende ist das Konto im Minus.

Bei Amazon zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Cloudsparte Amazon Web Services (AWS) wuchs mit 39 Prozent so stark wie seit fast fünf Jahren nicht mehr. Der freie Cashflow sank über einen Zeitraum von zwölf Monaten jedoch auf minus 42,4 Milliarden Dollar.

Ein Jahr zuvor hatte Amazon noch einen Überschuss von 14,8 Milliarden Dollar erzielt. Das entspricht einer Verschlechterung um rund 57 Milliarden Dollar. Konzernchef Andy Jassy konnte die Anleger mit seiner Ankündigung, 2027 spürbar mehr auszugeben, nicht beruhigen. Die Aktie notierte heute rund vier Prozent im Minus.

Chris Zaccarelli, Investmentchef von Northlight Asset Management, hält den Markt derzeit für deutlich empfindlicher als üblich. Anleger verkauften seiner Einschätzung nach lieber frühzeitig, als weitere Verluste zu riskieren.

Warum hält sich Microsoft besser?

Microsoft zeigt, dass sich seine milliardenschweren KI-Investitionen bereits auszahlen. Der Clouddienst Azure wuchs mit 48 Prozent stärker als von Analysten erwartet. Nach sämtlichen Investitionen verblieb dem Konzern ein freier Cashflow von 18,6 Milliarden Dollar.

Alphabet und Amazon finanzieren ihre Rechenzentren zum Teil mit Fremdkapital. Alphabet nahm durch die Ausgabe neuer Aktien und Anleihen rund 41 Milliarden Dollar auf. Amazons Schulden sind seit Ende vergangenen Jahres auf mehr als das Zweieinhalbfache gestiegen.

Die Microsoft-Aktie legte nach der Zahlenvorlage zunächst um rund vier Prozent zu, gab anschließend aber mit den übrigen Techaktien nach. Dennoch notiert sie weniger als fünf Prozent unter ihrem Rekordhoch. Alphabet und Meta liegen dagegen jeweils mehr als 20 Prozent unter ihren Höchstständen.

Meta meldete vergangene Woche sogar erstmals seit 2012 einen negativen freien Cashflow. Neil Wilson, Stratege bei Saxo Markets, beschreibt die Stimmung so: Anleger wollten nicht nur Investitionen sehen, sondern bereits deren Erträge.

Die Geduld schwindet auch, weil sich das Gewinnwachstum abschwächt. Nach Angaben von Bloomberg Intelligence sinkt es bei Technologieunternehmen in diesem Quartal von knapp 77 auf 65 Prozent. Beim S&P 500, dem Index der 500 größten börsennotierten US-Unternehmen, geht es von 32 auf rund 26 Prozent zurück.

Keith Lerner, Investmentchef von Truist Advisory Services, erklärt, weshalb das so stark ins Gewicht fällt: Wenn zwei Sektoren 50 Prozent des Marktes ausmachten, verlangten Anleger zusätzliche Belege dafür, dass die bisherige Anlagestrategie weiterhin trage.

Jeff Schulze, Leiter Anlagestrategie beim Franklin Templeton Institute, sieht noch Spielraum. Seiner Einschätzung nach müssen die Gewinne nach einem Wachstumshöhepunkt weiter um mindestens zehn Prozent zulegen, damit die Börse weiter steigen kann. Bloomberg Intelligence rechnet bis Anfang 2028 noch mit rund 20 Prozent.

Zaccarelli erwartet allerdings, dass enttäuschende Ergebnisse nicht auf ein einzelnes Unternehmen begrenzt bleiben. Verfehlten die Gewinne in einem Bereich die Erwartungen, dürfte es seiner Einschätzung nach auch in allen verwandten Bereichen rasch zu einer Neubewertung kommen.

Die nächste Bewährungsprobe folgt am 17. November, wenn der Chiphersteller Nvidia seine Zahlen vorlegt.

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