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Ein Beitrag von Donald Trump auf Truth Social kann die Finanzmärkte binnen Sekunden bewegen. Eine neue Analyse des Wall Street Journal zeigt, dass professionelle Handelssysteme nahezu in Echtzeit auf Äußerungen des US-Präsidenten reagieren.
Vor allem Beiträge zu geopolitischen Spannungen lösen eine Welle an Handelsaktivität aus, noch bevor viele Privatanleger die Nachricht überhaupt gesehen haben.
Die Zeitung analysierte Handelsdaten rund um mehrere Truth-Social-Beiträge Trumps zum Konflikt mit Iran. Die Reaktion setzte demnach nahezu sofort ein.
Als Trump am 9. Juni schrieb, die Vereinigten Staaten müssten auf einen iranischen Angriff in der Straße von Hormus reagieren, zog der Handel mit Energiewerten unmittelbar an. In den ersten Sekunden nach der Veröffentlichung wurden zehntausende Aktien von Unternehmen wie ConocoPhillips, Chevron und EOG Resources gehandelt.

Zwei Tage später zeigte sich das Gegenteil. Trump teilte mit, geplante Angriffe würden abgesagt, weil die Verhandlungen mit Iran vorankämen. Energie- und Rüstungswerte gaben daraufhin nahezu sofort nach. Auch hier zeigen die Handelsdaten einen massiven Anstieg des Handelsvolumens unmittelbar nach Erscheinen des Beitrags.
Laut der Analyse wurden in der ersten Minute nach zwei Iran-bezogenen Beiträgen zusammen mehr als zwei Millionen Aktien gehandelt. Bei fast zwanzig Energie- und Industrieunternehmen kam es dadurch zu Kursschwankungen von mehr als zwei Prozent.

Auch frühere Beiträge Trumps hatten bereits unmittelbare Auswirkungen. Als er Anfang Januar ankündigte, großen institutionellen Investoren den weiteren Aufkauf von Einfamilienhäusern verbieten zu wollen, fielen Aktien von Unternehmen wie Blackstone und Invitation Homes nahezu sofort.
Händlern zufolge beobachten große Investmentgesellschaften Trumps Account seit Längerem mit automatisierten Systemen. Die Software scannt neue Beiträge nach Begriffen wie „Iran“, „Waffenruhe“ oder Unternehmensnamen und entscheidet binnen Sekundenbruchteilen, ob Aktien, Ölkontrakte oder andere Anlagen gekauft oder verkauft werden sollen.
Immer häufiger kommen dabei auch KI-Systeme zum Einsatz, die nicht nur nach Schlagwörtern suchen, sondern unmittelbar einschätzen, welche Wirkung ein Beitrag voraussichtlich auf den Markt haben wird.
Für Hochfrequenzhändler zählt dabei vor allem Geschwindigkeit. Schon ein minimaler Vorsprung kann ausreichen, um Transaktionen auszuführen, bevor Wettbewerber dieselbe Nachricht verarbeitet haben.
Genau deshalb führt Trump Media nun die kostenpflichtige Truth API ein. Darüber können professionelle Marktteilnehmer Trumps Beiträge unmittelbar empfangen, sobald sie öffentlich gemacht werden.
Laut Wall Street Journal kostet der Dienst 100.000 Dollar pro Monat, bei einem mehrjährigen Vertrag 60.000 Dollar monatlich. Mindestens fünf Hochfrequenzhändler sollen sich inzwischen angemeldet haben.
Trump Media betont, dass die API keinen früheren Zugang zu Beiträgen ermögliche. Kunden erhielten die Informationen nach Angaben des Unternehmens exakt in dem Moment, in dem sie für alle öffentlich werden, allerdings über eine deutlich schnellere technische Verbindung.
Kritiker sehen das anders. Senator Mark Warner warnt, ein kostenpflichtiger, ultraschneller Datenstrom vergrößere die Kluft zwischen professionellen Investoren und Privatanlegern weiter und könne zu einem Markt führen, in dem nicht alle den gleichen Zugang zu kursrelevanten Informationen haben.
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