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Der weltweite Ölhandel steht vor einem neuen Problem. Es sind so wenige Supertanker verfügbar, dass die Kosten für den Öltransport auf Rekordniveau gestiegen sind. Auf einigen Routen droht es sich sogar nicht mehr zu lohnen, Öl über große Entfernungen zu verschiffen.
Besonders Asien spürt die Folgen. Der Transport von US-Öl von Houston nach Asien kostet inzwischen rund 26 Dollar je Barrel zusätzlich. Für eine große Ladung entspricht das Transportkosten von 52 Millionen Dollar. Vor dem Krieg machte der Transport nur einen kleinen Teil des gesamten Ölpreises aus.
Die extremen Frachtraten sind zum Teil eine Folge des Kriegs zwischen den Vereinigten Staaten und Iran. Schiffe sind länger unterwegs, alternative Routen binden zusätzliche Kapazität. Zugleich war das Angebot an großen Öltankern schon vor dem Krieg knapp.
Am größten sind die Probleme bei den sogenannten Very Large Crude Carriers. Diese Supertanker können rund 2 Millionen Barrel Öl auf einmal transportieren und sind etwa so lang wie drei Fußballfelder.
Auf der wichtigen Route zwischen dem Persischen Golf und China bringen diese Schiffe inzwischen mehr als 1,2 Millionen Dollar pro Tag ein. Mehrere erfahrene Schiffsmakler und Manager aus der Branche sprechen von einer außergewöhnlich niedrigen Verfügbarkeit. In einigen Regionen gibt es kaum noch Schiffe für neue Aufträge.
Auch die Aktien großer Tankerreedereien profitieren. Der gemeinsame Börsenwert der größten Öltankerunternehmen der Welt stieg in dieser Woche auf ein Rekordniveau von knapp 70 Milliarden Dollar.
Für Raffinerien werden die hohen Transportkosten zugleich zu einem immer größeren Problem. Sie müssen nicht nur hohe Preise für Rohöl zahlen, sondern auch immer mehr dafür aufwenden, das Öl überhaupt zu ihren Anlagen zu bringen.
Saad Rahim, Chefökonom des Rohstoffhändlers Trafigura, sagt, der weltweite Öltransport sei noch nie so teuer gewesen. Der Transport mache damit einen deutlich größeren Anteil am endgültigen Ölpreis aus als üblich.
Die Folgen sind im internationalen Ölhandel bereits sichtbar. Daten von Vortexa zufolge ist die Menge an US-Öl, die nach Asien verschifft wird, in den vergangenen Wochen gesunken. Die Transportkosten auf dieser Route haben sich etwa verdreifacht.
Raffinerien suchen deshalb zunehmend nach Öl, das näher verfügbar ist. Eine japanische Raffinerie kaufte zuletzt etwa Öl aus Alaska. Diese Sorte passt normalerweise weniger gut zu japanischen Raffinerien, hat nun aber einen entscheidenden Vorteil: Der Transportweg ist deutlich kürzer.
Auch Öl aus Angola findet schwerer Käufer. Normalerweise geht ein großer Teil davon über Tausende Kilometer nach China, doch wegen der hohen Transportkosten laufen die Verkäufe derzeit schleppend.
Nach Einschätzung von Sumit Ritolia vom Analysehaus Kpler können die hohen Raten sich letztlich selbst bremsen. Wird der Transport zu teuer, verschwinden bestimmte Handelsrouten schlicht, weil es sich für Raffinerien nicht mehr lohnt, Öl aus so großer Entfernung zu beziehen.
In Europa entsteht unterdessen ein Wettbewerb um Öl, das vergleichsweise nahe verfügbar ist. Dieser Unterschied zeigt sich deutlich in den Preisen.
Während Brent-Futures in dieser Woche auf fast 110 Dollar je Barrel stiegen, kletterte der Preis für physisches Dated-Brent-Öl auf mehr als 131 Dollar. Europäische Raffinerien sind bereit, mehr für Öl zu zahlen, das schnell und ohne extrem hohe Transportkosten verfügbar ist.
Hinzu kommt, dass Europa weniger Öl aus dem Nahen Osten erhält. Saudi-Arabien hat europäischen Kunden für den kommenden Monat keine Mengen im Rahmen langfristiger Verträge zugeteilt. Raffinerien müssen sich daher nach alternativen Lieferungen umsehen.
Die Probleme greifen inzwischen auch auf kleinere Tanker über. Asiatische Raffinerien nutzen für einzelne US-Käufe etwa Aframax-Tanker mit einer Kapazität von rund 700.000 Barrel, während normalerweise größere Supertanker eingesetzt werden.
Für Öl unter anderem aus Brasilien werden teils zwei Suezmax-Schiffe mit jeweils rund 1 Million Barrel Kapazität eingesetzt statt eines Supertankers mit 2 Millionen Barrel. Dadurch steigt auch die Nachfrage nach kleineren Schiffen. Suezmax-Tanker erzielen inzwischen im Schnitt mehr als 300.000 Dollar pro Tag.
Die extreme Knappheit hat mehrere Ursachen. Ein wichtiger Faktor ist der Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Iran, der bestehende Handelsströme gestört hat.
Tanker, die Öl durch die Straße von Hormus transportieren, sind länger gebunden, weil Ladungen in der Nähe von Oman umgeschlagen werden. Andere Schiffe fahren Tausende Kilometer um Afrika herum, um Öl aus dem Mittelmeerraum aufzunehmen.
Zugleich versuchten asiatische Käufer, den Ausfall von Öl aus dem Nahen Osten mit Lieferungen aus Nord- und Südamerika auszugleichen. Auch diese Fahrten sind deutlich länger und binden Tanker entsprechend länger.
All das bedeutet, dass dieselbe globale Tankerflotte weniger Fahrten leisten kann. Solange Schiffe länger unterwegs sind, bleibt die verfügbare Kapazität begrenzt und die Frachtraten können hoch bleiben.
Für den Ölmarkt wird nun vor allem entscheidend, wann diese Grenze erreicht ist. Europäische Diesel-Futures notieren nahe 200 Dollar je Barrel, was darauf hindeutet, dass Raffinerien weiterhin großen Bedarf an Öl zur Kraftstoffproduktion haben. Je höher die Transportkosten aber steigen, desto weniger attraktiv wird Öl aus weiter entfernten Regionen.
Damit verändert sich nicht nur der Preis des Transports. Raffinerien entscheiden sich zunehmend für Öl, das näher verfügbar ist, selbst wenn es normalerweise nicht ihre erste Wahl wäre.
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