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Im vergangenen Jahr schien vieles für Bitcoin (BTC) zu sprechen. In den USA arbeitet der Kongress an Gesetzen, die der Kryptobranche mehr Klarheit und eine tragfähigere rechtliche Grundlage geben sollen.
Zugleich blieb der Markt von den großen Skandalen, Insolvenzen und Zwangsliquidationen verschont, die in früheren Zyklen starke Kursverluste ausgelöst hatten.
Dennoch hat der Bitcoin-Kurs seit seinem Hoch von mehr als 126.000 Dollar im Oktober etwa die Hälfte seines Werts verloren. Damit fiel BTC auf Niveaus zurück, die zuletzt im September 2024 erreicht worden waren.
Frühere Kryptowinter fielen mit Verlusten von bis zu 80 Prozent zwar deutlich heftiger aus. Für viele Anleger fühlt sich diese Korrektur dennoch anders an. Diesmal gab es keinen großen Schock und keine unerwartete Krise. Das Interesse an Bitcoin ließ schlicht Monat für Monat nach.
Analysten sehen dafür drei wesentliche Gründe.

Als Bitcoin (BTC) 2009 an den Start ging, galt der Coin als Alternative zum traditionellen Finanzsystem. In der Praxis erwiesen sich Transaktionen jedoch als vergleichsweise langsam und teuer, während der Kurs zu volatil war, um als verlässliches Zahlungsmittel zu dienen.
Damit verschob sich die Erzählung. Bitcoin wurde immer häufiger als digitales Gold dargestellt: als knapper Wertspeicher, der vor Inflation schützen soll, weil es nie mehr als 21 Millionen BTC geben wird.
Die Erholung nach dem Kryptowinter 2022 wurde vor allem von institutionellen Anlegern getragen, die über Spot-Bitcoin-ETFs einstiegen. Dadurch wurde der Bitcoin-Kurs zugleich immer stärker von den Entscheidungen professioneller Vermögensverwalter abhängig. Gerade bei dieser Anlegergruppe konnte Bitcoin seine Rolle als sicherer Hafen in diesem Jahr nicht erfüllen.
Während der Spannungen rund um den Krieg zwischen Israel und Iran bot Bitcoin etwa keinen Schutz vor den Turbulenzen an den Finanzmärkten. Stattdessen fiel der Coin gemeinsam mit Aktien. Hinzu kommt, dass höhere Zinsen Bitcoin weniger attraktiv machen, weil die Kryptowährung weder Zinsen noch Dividenden abwirft.
Damit verhält sich BTC zunehmend wie ein klassisches Risikoasset und muss mit anderen spekulativen Anlagen konkurrieren, etwa KI-Aktien, Perpetual Futures und Prognosemärkten wie Polymarket und Kalshi.
Anfang Juni überraschte Strategy, der größte börsennotierte Bitcoin-Besitzer, den Markt mit dem Verkauf von 32 BTC im Wert von rund 2,5 Millionen Dollar. Es war das erste Mal seit Dezember 2022, während des vorherigen Kryptowinters, dass das Unternehmen einen Teil seiner Bestände veräußerte.
Die Reaktion folgte prompt. Binnen einer Woche verlor der Bitcoin-Kurs mehr als 10.000 Dollar und fiel erstmals seit fast zwei Jahren unter die Marke von 60.000 Dollar.
Nicht das Volumen des Verkaufs sorgte für Aufsehen, sondern seine Symbolkraft. Konzernchef Michael Saylor hatte seit 2020 eine Position von mehr als vier Prozent aller im Umlauf befindlichen Bitcoins aufgebaut und jahrelang eine einzige Strategie vertreten: niemals verkaufen, sondern weiter zukaufen. Analysten zufolge zeigte dieser Schritt, dass selbst der profilierteste Bitcoin-Verfechter bereit ist, seine Strategie an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen.
Zugleich gerät auch das Geschäftsmodell von Strategy zunehmend unter Druck. Das Unternehmen finanziert seine Bitcoin-Käufe teilweise über Vorzugsaktien, auf die hohe Dividenden gezahlt werden müssen, während Bitcoin selbst keine laufenden Erträge generiert.
Zudem ist der Aufschlag, mit dem die Aktie jahrelang über dem Wert der zugrunde liegenden Bitcoin-Bestände gehandelt wurde, nahezu verschwunden. Damit steigt der Druck auf das Geschäftsmodell weiter.
Nach der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus hatten viele Anleger auf eine schnelle und eindeutige Kryptogesetzgebung in den USA gesetzt. Diese Erwartungen haben sich bislang nicht erfüllt. Die Debatte über den Digital Asset Market Clarity Act zieht sich hin, sodass unklar ist, ob das Gesetz in seiner aktuellen Form jemals verabschiedet wird.
Das Gesetz soll auf dem Genius Act aufbauen, der zuvor Regeln für Stablecoins eingeführt hatte. Außerdem soll die neue Regulierung klar festlegen, welche Aufsichtsbehörde für verschiedene Kryptowährungen zuständig ist. Die Aufgaben sollen dabei zwischen der Securities and Exchange Commission (SEC) und der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) aufgeteilt werden.
Die Verhandlungen verlaufen jedoch schleppend. Banken stemmen sich gegen verzinste Stablecoins, während Demokraten zögern, Gesetze zu unterstützen, die den Kryptoaktivitäten von Trump und anderen Regierungsvertretern möglicherweise finanziell zugutekommen könnten. Dieses Misstrauen nahm weiter zu, nachdem Trump bekannt gegeben hatte, im vergangenen Jahr rund 1,4 Milliarden Dollar mit Kryptoaktivitäten verdient zu haben.
Auch aus der Justiz kommt Kritik. Besonders Artikel 604 steht unter Beschuss. Die Bestimmung soll Blockchain-Entwickler davor schützen, als Zahlungsdienstleister eingestuft zu werden. Nach Ansicht von Ermittlungsbehörden könnte die Regelung Kriminellen jedoch mehr Spielraum für illegale Transaktionen verschaffen.
Der starke Rückgang von Bitcoin ist diesmal nicht die Folge einer einzelnen großen Krise oder einer spektakulären Implosion innerhalb der Kryptobranche. Stattdessen scheinen mehrere Entwicklungen gleichzeitig das Vertrauen der Anleger zu untergraben.
Bitcoin verhält sich in einem Umfeld hoher Zinsen zunehmend wie ein Risikoasset, selbst der wichtigste Fürsprecher des Coins war bereit, einen Teil seiner Bestände zu verkaufen, und die lange erwartete Klarheit über die US-Kryptoregulierung lässt weiter auf sich warten.
Für Anleger ist das ein wichtiges Signal. Die Erzählung von Bitcoin als digitalem Gold bleibt für viele Anhänger intakt, doch der Markt bewertet diese Rolle vorerst nicht entsprechend.
Solange institutionelle Anleger zurückhaltend bleiben und die Unsicherheit über die Regulierung anhält, dürfte der Bitcoin-Kurs anfällig für Entwicklungen an den breiteren Finanzmärkten bleiben.
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