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Krypto-Anleger haben heute allen Grund zur Freude – so viel Rückenwind gab es lange nicht mehr. Die Kurse sind kräftig angesprungen, gestützt von mehreren positiven Meldungen. Der eigentliche Grund für die Dynamik liegt jedoch im Hebelhandel.
Ein Hebel bedeutet letztlich Handel mit geliehenem Geld. Wer 1.000 Dollar einsetzt und einen Zehnerhebel wählt, bewegt eine Position von 10.000 Dollar und erzielt den Gewinn auf diesen gesamten Betrag.
Das wirkt in beide Richtungen. Steigt der Kurs um 1 Prozent, verdient der Händler 10 Prozent auf sein eingesetztes Kapital. Fällt der Kurs um 1 Prozent, ist ebenso schnell ein Verlust von 10 Prozent entstanden.
Dieser Einsatz heißt Margin und dient als Sicherheit für den Kredit. Je höher der Hebel, desto dünner ist dieser Puffer.
Auch wer auf fallende Kurse setzt, nutzt fast immer einen Hebel. Er geht short: Er verkauft etwas, das er nicht besitzt, in der Hoffnung, es später günstiger zurückzukaufen.
Genau diese Gruppe hat am vergangenen Tag hohe Verluste erlitten.
Der Großteil des Hebelhandels läuft über den Futures-Markt. Dort wurden gestern Rekorde gebrochen.
Ein Future ist eine Preisvereinbarung. Man besitzt den Bitcoin nicht, sondern legt fest, zu welchem Kurs man ihn kauft oder verkauft. Die Differenz wird in Geld ausgeglichen.
In der Kryptobranche dominieren Perpetuals, also Futures ohne Laufzeitende. Ein solcher Kontrakt kann jahrelang offenbleiben, solange ausreichend Sicherheiten hinterlegt sind.
Ein Hebel ist dabei keine Pflicht. Wird ein Kontrakt vollständig mit eigenem Kapital gedeckt, bewegt sich das Ergebnis schlicht eins zu eins mit dem Kurs; aus der Position gedrängt wird man dann praktisch nie.
Jede gehebelte Position hat eine Grenze. Zehrt der Verlust die Sicherheit auf, schließt die Börse die Position automatisch – unabhängig davon, ob der Händler das will.
Das nennt sich Liquidation. Bei einem Zehnerhebel reicht eine Kursbewegung von etwa 10 Prozent in die falsche Richtung, und der gesamte Einsatz ist weg.
Bei einer Short-Position bedeutet Schließen: zurückkaufen. Das System schickt also eine Kauforder in den Markt, zu nahezu jedem Preis, der in diesem Moment verfügbar ist.
Genau dort liegt die Brisanz. Wer gegen den Kursanstieg gewettet hat, wird unfreiwillig zum Käufer.
Daten von CoinGlass zeigen, dass in den vergangenen 24 Stunden Short-Positionen im Wert von 2,99 Milliarden Dollar liquidiert wurden. Davon entfielen 1,37 Milliarden Dollar auf Bitcoin-Positionen und 1,02 Milliarden Dollar auf Ethereum-Positionen.

Jeder erzwungene Rückkauf treibt den Kurs ein Stück weiter nach oben. Knapp darüber liegen die Liquidationsmarken der nächsten Shorts, die dadurch ebenfalls ausgelöst werden.
Auch diese Positionen werden geschlossen, auch daraus entstehen Kauforders, und der Kurs legt erneut zu. So stößt eine Liquidation die nächste an.
Händler nennen das einen Short Squeeze: Shortseller geraten gegenseitig unter Druck. Besonders heftig wird es, wenn nur wenige Verkaufsorders im Orderbuch liegen, weil dann kaum Angebot vorhanden ist, um die erzwungenen Käufe aufzunehmen.
Bitcoin (BTC) ist seit gestern bereits um mehr als 11 Prozent gestiegen. Erstmals seit dem 2. Juni ist die größte Kryptowährung wieder mehr als 71.000 Dollar wert. Und erstmals seit Beginn des Bärenmarkts im Oktober notiert der Kurs über dem 200-Tage-Durchschnitt.

Gestern am späten Nachmittag begann die Rally, als das US-Finanzministerium ankündigte, mehr langlaufende Staatsanleihen aufzukaufen. Damit will die Behörde die Funktionsfähigkeit des Marktes sichern. In der Folge sanken die Zinsen für langfristige Kredite deutlich. Der Dollar geriet unter Druck, während Aktien, Edelmetalle und damit auch Kryptowährungen profitierten.
Am Abend folgte zudem der Krypto-Gipfel im Weißen Haus, zu dem Donald Trump zahlreiche Schwergewichte der Branche eingeladen hatte.
Der Präsident sprach sich für den CLARITY Act aus, sagte, die USA prüften den Kauf „erheblicher“ Mengen an Bitcoin und anderen Kryptowährungen, und ließ auch den Hyperliquid-Token (HYPE) deutlich steigen , indem er erklärte, die Aufsichtsbehörden arbeiteten an einem rechtlichen Weg für die Plattform.
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