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Die Marketingmaschine rund um künstliche Intelligenz (KI) läuft auf Hochtouren. Das dürfte kein Zufall sein – schließlich stehen mögliche Börsengänge von Anthropic und OpenAI im Raum. In den vergangenen Tagen gab es drei auffällige Signale.

1. OpenAI behauptete, das Navier-Stokes-Problem gelöst zu haben, eines der berühmtesten ungelösten Probleme der Mathematik. Aus der Wissenschaft kommt deutliche Kritik. Für mich zählt hier aber vor allem das Signal: OpenAI versucht, die Begeisterung für seine Modelle weiter anzuheizen.

2. Anschließend erklärte Nvidia-Chef Jensen Huang, das neue Astra-Modell von OpenAI bedeute, dass AGI erreicht sei. Auch daran lassen sich erhebliche Zweifel anmelden. Doch erneut geht es um das Narrativ. Die Botschaft verschiebt sich von „KI wird immer besser“ zu „KI arbeitet inzwischen auf menschlichem Niveau“.

3. Hinzu kommt Jacob Coxon, der angibt, seinen Job bei Anthropic wegen des Tempos gekündigt zu haben, mit dem OpenAI und Anthropic seiner Ansicht nach an sich selbst verbessernder Superintelligenz arbeiten. Seine Warnung klingt fast nach Science-Fiction, verstärkt aber dieselbe Erzählung: KI wird so mächtig, dass selbst Insider nervös werden.

Der KI-Bullenmarkt ist noch nicht vorbei

Abgesehen von den starken Quartalszahlen sehe ich darin einen weiteren Hinweis darauf, dass der KI-Bullenmarkt vorerst noch nicht beendet ist. Gewissheit gibt es nie. Ich sehe aber kaum Anzeichen dafür, dass die Wall Street dieses Narrativ noch vor den Börsengängen von Anthropic und OpenAI fallen lässt.

Dafür sind die Anreize zu stark in dieselbe Richtung ausgerichtet. KI-Labore, Investmentbanken, Vermögensverwalter, Analysten, Nvidia und Cloud-Unternehmen haben allesamt ein Interesse an einer starken KI-Story. Zudem ist KI geopolitisch im Wettbewerb zwischen den Vereinigten Staaten und China von zentraler Bedeutung.

Fed erhält entscheidende Inflationsdaten

Gleichzeitig blicken die Märkte am Donnerstag und Freitag auf wichtige Inflationsdaten aus den Vereinigten Staaten. Diese Zahlen dürften für die Zinsentscheidung in der kommenden Woche ausschlaggebend sein. Derzeit preist der Markt eine Wahrscheinlichkeit von rund 60 Prozent für eine Zinserhöhung ein.

Besonders wichtig sind die Kernraten von PPI und CPI. Dabei werden Energiepreise herausgerechnet. So lässt sich besser erkennen, ob höhere Ölpreise inzwischen auf andere Bereiche der Wirtschaft durchschlagen.

Das Wachstum in den USA wirkt weiterhin solide, stützt sich aber immer stärker auf den Investitionszyklus rund um KI. Gleichzeitig scheint der Verbraucher schwächer zu werden. Das Lohnwachstum lässt nach, die Inflation steigt und die Sparquote sinkt. Vereinfacht gesagt haben Amerikaner weniger finanziellen Spielraum und greifen zunehmend auf Ersparnisse zurück.

Der US-Konsum schwächt sich ab.
Der US-Konsum schwächt sich ab. Quelle: EMH/X

Warum eine Zinserhöhung wenig löst

Eine Zinserhöhung dürfte den KI-Zyklus nicht unmittelbar bremsen. Sie trifft aber sehr wohl die Verbraucher, den Immobilienmarkt und kleinere Unternehmen. Damit würde die Fed vor allem signalisieren, dass sie Inflation ernst nimmt, ohne die eigentliche Ursache des Problems anzugehen.

Wenn die Inflationsdaten auch nur einen kleinen Spielraum für eine Pause lassen, rechne ich damit, dass die Fed ihn nutzt.

Auch Bessents Unterstützung für den japanischen Yen zeigt, dass die großen Volkswirtschaften alles daransetzen, die Zinsen unter Kontrolle zu halten. Am Ende scheint man sich erneut für Inflation und einen schwächeren Dollar zugunsten der Wirtschaft zu entscheiden. Für Aktien, Gold und Bitcoin bleibt das ein wichtiges Signal.

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