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Jerome Powell musste sich als Chef der US-Notenbank regelmäßig Beschimpfungen von Präsident Donald Trump anhören, weil er die Zinsen nicht senkte. Sein Nachfolger Kevin Warsh wird ganz anders behandelt.
In der Nacht wurde bekannt, dass der Präsident ihn regelmäßig anruft. Um die Zinsen soll es dabei nie gehen. Der Kontakt wirft dennoch erneut die Frage auf, wie unabhängig die Notenbank noch ist.
Trump hat seit dem Amtsantritt von Warsh wiederholt mit ihm gesprochen, berichtet die Wirtschaftszeitung The Wall Street Journal. Ein solcher Austausch zwischen einem Präsidenten und dem Vorsitzenden der Federal Reserve (Fed) ist seit Jahrzehnten unüblich.
Die Anrufe kommen demnach in Schüben: mehrmals innerhalb weniger Tage, danach folgt eine längere Pause. Laut der Zeitung bat Trump Warsh um Einschätzungen zum Krieg im Iran und zum Vormarsch der künstlichen Intelligenz.
Ob auch die Zinspolitik zur Sprache kam, ist unklar. Eine mit der Sache vertraute Person sagte, Trump habe das Thema nicht mehr angesprochen, seit der Senat Warshs Ernennung bestätigt habe. Der Präsident ernennt den Vorsitzenden, über die Zinspolitik entscheidet jedoch die Notenbank selbst.
Eine Zentralbank, die ihre Glaubwürdigkeit verliert, zahlt dafür am Anleihemarkt. Anleger verlangen dann eine höhere Prämie für das Risiko, dass die Inflation außer Kontrolle gerät. Das trifft auch Washington selbst, angesichts des gewaltigen Schuldenbergs.
Diese Trennung steht seit Jahren unter Druck. Trump drohte Powell mit der Entlassung und machte bei der Suche nach einem Nachfolger deutlich, dass er vor allem niedrigere Zinsen wollte.
Ende Januar fiel seine Wahl auf Warsh. An dieser Entscheidung ließ er sofort keinen Zweifel.
„Ich kenne Kevin seit sehr langer Zeit und bin überzeugt, dass er als einer der großen Fed-Chefs in die Geschichte eingehen wird – vielleicht sogar als der beste“, schrieb er damals auf seiner Plattform Truth Social.
Dem Sender NBC News sagte Trump, Warsh wolle die Zinsen ohnehin senken. Wer für eine Anhebung plädiert hätte, hätte den Posten nicht bekommen.
Warsh betont, dass er sich nicht lenken lasse. „Man hat einen unabhängigen Mann für eine unabhängige Aufgabe ausgewählt, und genau so werde ich dieses Amt ausüben“, sagte er im Juli vor dem Bankenausschuss des Senats.
Powell schied im Mai aus dem Amt aus, Warsh folgte ihm am 22. Mai nach einer knappen Abstimmung im Senat mit 51 zu 45 Stimmen. Seitdem läuft es für Trump nicht wie erhofft.
Der Leitzins blieb am 29. Juli zum fünften Mal in Folge unverändert, in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Drei Mitglieder des Führungsgremiums stimmten dagegen, weil sie eine Anhebung wollten – erstmals seit September 2016.
Die Inflation, vor allem getrieben durch die höheren Ölpreise infolge des Iran-Kriegs, steht einer Senkung im Weg. Der PCE-Index, das von der Notenbank bevorzugte Preismaß, liegt fast doppelt so hoch wie das Ziel von 2 Prozent.
Warsh begrüßte die gestiegenen Renditen am Anleihemarkt sogar, weil Anleger der Notenbank damit einen Teil der Arbeit abnehmen. „Die Marktteilnehmer lernen, sich auf den Ball zu konzentrieren – und nicht auf den Schiedsrichter“, sagte er auf seiner Pressekonferenz.
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