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Die Investmentbank Morgan Stanley rät Anlegern, gegen belgische Staatsanleihen zu setzen. Nach Einschätzung der Bank bekommt Belgien sein Haushaltsloch nicht geschlossen. Auch Frankreich steht auf der Liste.

Es handelt sich nicht um vereinzelte Problemfälle. In Europa und weit darüber hinaus verschulden sich Staaten immer stärker, und Anleger schauen zunehmend kritischer hin.

Morgan Stanley setzt auf fallende belgische Staatsanleihen

Im Mittelpunkt der Empfehlung stehen belgische Staatsanleihen. Dabei leihen Anleger dem belgischen Staat Geld und erhalten dafür eine feste jährliche Verzinsung.

Morgan Stanley, eine der größten Investmentbanken, hält an einer Short-Position auf diese Anleihen fest. Wer short geht, verdient an fallenden Kursen. Die Wette lautet also, dass belgische Anleihen an Wert verlieren.

Anleihen verlieren an Wert, wenn die Zinsen steigen. Eine ältere Anleihe mit niedrigem festen Zins wird dann weniger attraktiv, weil neue Papiere höhere Renditen bieten. Anleger sind deshalb nur noch bereit, weniger dafür zu zahlen.

Morgan Stanley rechnet nicht mit einer Staatspleite Belgiens. Die Bank geht lediglich davon aus, dass belgische Anleihen schwächer abschneiden als Papiere von Ländern mit solideren Staatsfinanzen.

Der Grund für die Empfehlung liegt in den Zahlen. Das belgische Haushaltsdefizit, also der Betrag, den der Staat jährlich mehr ausgibt als er einnimmt, liegt bei rund 5,2 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das ist der höchste Wert in der Eurozone.

Auch die Staatsverschuldung dürfte in diesem Jahr auf mehr als 110 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen. Belgien hat damit mehr Schulden, als das Land in einem Jahr an Waren und Dienstleistungen produziert.

Anleger nehmen schwache Länder ins Visier

Koen De Leus, Chefökonom von BNP Paribas Fortis, nimmt die Empfehlung sehr ernst. „Morgan Stanley ist kein kleiner Marktteilnehmer“, sagte er dem europäischen Nachrichtenportal Brussels Signal. Genau genommen gehört die Bank zu den sechs größten Geldhäusern der Vereinigten Staaten.

Folgen Anleger der Empfehlung, könnte das eine regelrechte Verkaufswelle auslösen. Dann entstünde seiner Einschätzung nach „erheblicher Aufwärtsdruck“ auf die langfristigen Zinsen. „Das ist durchaus gefährlich“, so De Leus.

Belgien wolle nach Einschätzung des Ökonomen nicht in den Fokus von Finanzmärkten geraten, die ohnehin bereits angespannt seien.

Fast überall auf der Welt sorgen sich Anleger um die Defizite: in Europa, in den Vereinigten Staaten und in Japan. Diese Fehlbeträge müssen finanziert werden, deshalb bringen Staaten immer mehr neue Anleihen an den Markt.

All diese Papiere müssen Käufer finden. Deshalb verlangen Anleger eine höhere Risikoprämie: einen zusätzlichen Ausgleich dafür, ihr Geld langfristig zu verleihen. Auch die Unsicherheit über die Inflation spielt eine Rolle, die wiederum mit den extrem hohen

Die Zinsen werden auch durch höhere Inflationserwartungen nach oben getrieben. Diese hängen wiederum mit den stark gestiegenen Energiepreisen infolge des Iran-Kriegs zusammen.

Nach Einschätzung von De Leus ist das ein wesentlicher Unterschied zur Eurokrise von 2012. Damals konzentrierten sich die Sorgen vor allem auf einzelne Länder.

Heute steigen die langfristigen Zinsen im gesamten Markt, und schwache Länder müssen zusätzlich einen eigenen Aufschlag zahlen.

Frankreich bekommt das am stärksten zu spüren. Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen liegt bei rund 4,45 Prozent. So hoch war sie seit 2008 nicht mehr.

Auch der Aufschlag, den Frankreich gegenüber deutschen Zinsen zahlen muss, nimmt zu. Er sei laut De Leus dreimal so stark gestiegen wie der belgische Aufschlag. Den Unterschied erklärt er vor allem mit der politischen Lage.

Höhere Zinsen fressen sich in den Haushalt

Für ein hoch verschuldetes Land sind höhere Zinsen ein schleichendes Problem. Läuft eine alte Anleihe aus, muss der Staat eine neue zum dann geltenden Zinssatz aufnehmen.

Belgien verfügt allerdings über einen Puffer. Die belgische Staatsschuld hat eine durchschnittliche Laufzeit von 10 bis 12 Jahren. Grob gesagt wird also jedes Jahr etwa ein Zehntel refinanziert, wodurch die höheren Zinsen Schritt für Schritt durchschlagen.

Dennoch steigen die Zinslasten jedes Jahr weiter. Das erschwert es zusätzlich, das Defizit zu schließen.

Der belgische Premierminister Bart De Wever verhandelt über den Haushalt 2027 und sucht nach Einsparungen oder Mehreinnahmen von rund 10 Milliarden Euro.

Nach Einschätzung von De Leus ist das nur ein Teil der Rechnung. Rechnet man weitere Maßnahmen hinzu, könnte der gesamte Konsolidierungsbedarf auf fast 17 Milliarden Euro steigen. Das wären rund 7 Milliarden Euro mehr, als die Regierung derzeit anpeilt.

Einfach wird das nicht. Frühere Pläne für Einsparungen bei Renten und sozialer Sicherung haben bereits zu erheblichen Streiks und Protesten geführt.

Der Ökonom versteht die Lage vor allem als Warnsignal, noch nicht als akute Krise. Er verweist auf den Schriftsteller Ernest Hemingway, der eine Pleite einmal als „erst allmählich, dann plötzlich“ beschrieben hatte.

Belgien befindet sich seiner Einschätzung nach noch in der allmählichen Phase. Die plötzliche Phase könnte jedoch näher rücken.

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