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Die Wall Street zeigt sich erneut freundlich, während die großen US-Indizes in der Nähe ihrer Allzeithochs notieren. Der Grund: Die bisherigen Quartalszahlen fallen stark genug aus, um die hohen Bewertungen am Aktienmarkt zu rechtfertigen.
Unter der Oberfläche zeichnet sich jedoch eine zunehmend angespannte Lage ab. Denn während Aktien steigen, ziehen die langfristigen Renditen deutlich an. Anleger verlangen also eine höhere Vergütung dafür, ihr Kapital über 10 bis 30 Jahre zu verleihen. Der Auslöser ist die Inflation.
Wenn Anleger davon ausgehen, dass die Inflation hartnäckiger bleibt, fordern sie höhere Zinsen. Genau diese Entwicklung ist derzeit am US-Anleihemarkt zu beobachten.
Vorerst überwiegen die Unternehmensgewinne noch die Zinsängste. Bislang haben 86 Prozent der börsennotierten US-Unternehmen Ergebnisse vorgelegt, die über den Erwartungen lagen. Das durchschnittliche Gewinnwachstum bewegt sich derzeit bei rund 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Das ist beachtlich. Vor allem im Technologiesektor suchen Anleger nach Belegen dafür, dass sich die enormen Investitionen in KI tatsächlich auszahlen. Der Markt akzeptiert nicht mehr blind, dass Unternehmen Hunderte Milliarden in Chips, Rechenzentren und Infrastruktur stecken.
Dem müssen Umsatz, Gewinn und Cashflow gegenüberstehen. Microsoft und Amazon lieferten in der vergangenen Woche bereits erste positive Signale. Gestern legte Palantir mit starken Zahlen nach. Die Aktie steigt im vorbörslichen Handel um mehr als 15 Prozent und notiert bei rund 145 Dollar.

Damit liegt Palantir wieder über dem exponentiellen 200-Tage-Durchschnitt bei etwa 140 Dollar.
Heute richten Anleger ihren Blick vor allem auf AMD und SpaceX. Für den KI-Zyklus dürfte AMD am wichtigsten sein. Das Unternehmen kann zeigen, ob die enorme Nachfrage nach KI-Chips weiterhin in höhere Gewinne umschlägt.
Bei SpaceX liegt der Fall anders. Elon Musks Unternehmen leistet beeindruckende Arbeit, das Potenzial ist enorm. Dennoch scheint die Aktie vorerst vor allem von Hoffnung, Visionen und Zukunftserwartungen getragen zu sein. Aus meiner Sicht zahlen Anleger dafür inzwischen einen hohen Preis.
Gleichzeitig bleibt der Krieg rund um Iran der zentrale Belastungsfaktor für den Markt. Der Ölpreis legt heute wieder leicht zu, auch die langfristigen US-Renditen steigen weiter. Solange die Straße von Hormus nicht normal geöffnet ist, bleibt das Ölangebot physisch eingeschränkt.
Das hält die Inflationssorgen am Markt präsent. Auch die Realzinsen steigen. Gemeint sind Zinsen, die um die Inflation bereinigt sind. Für Unternehmen ist das wichtig, weil die Finanzierung von KI-Investitionen und anderen Projekten dadurch teurer wird.

Der Spielraum für Fehler wird damit immer kleiner. Die Zahlen müssen stark bleiben, um den Markt zu stützen.
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