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Amerikanische Vermögensverwalter wollen eine völlig neue Kategorie börsengehandelter Fonds auflegen. Inzwischen wurden mehr als hundert ETFs beantragt, die die Entwicklung von Teams aus der National Hockey League (NHL) abbilden sollen.
Damit gerät die Grenze zwischen klassischer Geldanlage und Sportwetten zunehmend unter Druck.

Auf den ersten Blick wirken die Produkte wie eine einfache Möglichkeit, finanziell auf das eigene Lieblings-Eishockeyteam zu setzen. Tatsächlich ist die Konstruktion deutlich komplexer. Anleger kaufen nicht direkt die Entwicklung etwa der Carolina Hurricanes. Sie handeln über Futures und spekulieren damit vor allem darauf, ob ein Team besser oder schlechter abschneidet, als der Markt erwartet.
Die Anträge folgen derzeit in hohem Tempo. Volatility Shares reichte als erster Anbieter Unterlagen für ETFs ein, die künftige NHL-Indexfutures der CME abbilden sollen. Danach legten Roundhill und LeagueShares ähnliche Pläne vor.
LeagueShares geht noch einen Schritt weiter. Das Unternehmen hat neben klassischen Fonds auch Varianten mit zweifachem Hebel auf Tagesbasis beantragt.
Viele Details sind bislang offen. So wurden die Kosten der Fonds noch nicht veröffentlicht. Die Konstruktion selbst ist der Analyse zufolge nicht außergewöhnlich. ETFs, die Futures einsetzen, gibt es seit Jahren, etwa auf Öl und andere Rohstoffe.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Marktgröße. Als der bekannte US-Ölfonds USO im Jahr 2006 auf den Markt kam, traf er auf einen Terminmarkt mit ausstehenden Kontrakten im Volumen von rund 70 Milliarden Dollar.
Bei den NHL-Produkten muss dieser Markt praktisch erst aufgebaut werden. Die CME-Futures, auf die sich die ETFs beziehen, existieren laut Quelle noch nicht und sollen erst Ende September eingeführt werden. Die ersten beantragten ETFs könnten anschließend gegen Ende Oktober starten.
Die Futures basieren auf den FutureSports NHL Team Indexes. Jedes NHL-Team beginnt eine Saison mit 7.500 Punkten. Während der Spiele können Punkte hinzukommen oder abgezogen werden.
Ein Tor im Powerplay während der regulären Saison bringt beispielsweise 10 Punkte. Ein Gegentor in Unterzahl in den Play-offs kostet 22,5 Punkte. Ein Spiel ohne Gegentor bringt 50 Punkte, eine Hinausstellung kostet 10 Punkte.
Zusätzlich werden jeden Monat Punkte vergeben oder abgezogen, unter anderem auf Basis von Toren, geblockten Schüssen und Puckeroberungen. Dreißig Tage nach Saisonende wird jedes Team wieder auf 7.500 Punkte gesetzt.
Das ermöglicht Vergleiche zwischen Teams, deckt sich aber nicht mit der offiziellen Tabelle. Laut Quelle beendeten in der vergangenen Saison drei der 16 Play-off-Teams die Saison unter dem Basiswert von 7.500 Punkten. Washington verpasste dagegen die Play-offs, obwohl das Team oberhalb dieser Marke lag.
Eine gute Position im Index bedeutet daher nicht automatisch, dass ein Team große Chancen auf den Stanley Cup hat.
Für ETF-Anleger wird es noch komplizierter. Sie können den Index nicht direkt kaufen, sondern erhalten ein Engagement in Futures. Deren Preis spiegelt bereits wider, welche künftige Leistung Händler einem Team zutrauen.
Erwartet der Markt etwa starke Leistungen der Hurricanes und notiert ein künftiger Kontrakt deshalb zehn Prozent über dem aktuellen Indexstand, verdient ein Anleger nicht automatisch Geld, wenn das Team gut spielt. Die Leistungen müssen noch besser ausfallen, als es im Preis bereits eingerechnet ist.
Damit dreht sich der Handel vor allem um Erwartungen. Ein Anleger setzt faktisch nicht darauf, dass die Hurricanes gewinnen, sondern darauf, dass andere Marktteilnehmer die Hurricanes unterschätzen.
Genau daraus ergeben sich der Analyse zufolge mehrere Probleme. Die wichtigste Frage lautet, wer bereit ist, die Gegenseite dieser Geschäfte einzunehmen.
Volatility Shares räumt dieses Risiko in seinem Antrag selbst ein. Das Unternehmen erwartet kaum oder gar keine natürlichen kommerziellen Marktteilnehmer, die die Futures zur Absicherung nutzen. Der Handel könnte dadurch von privaten Spekulanten, algorithmischen Händlern und einer kleinen Zahl professioneller Marktteilnehmer geprägt werden.
Dem Antrag zufolge kann das zu größeren Spannen zwischen Kauf- und Verkaufspreisen sowie stärkeren Kursschwankungen führen. In einem dünnen Markt kann sogar der Handel des ETFs selbst den Preis beeinflussen.
Das unterscheidet sich deutlich von klassischen Futuresmärkten. Ein Landwirt kann Terminkontrakte nutzen, um sich frühzeitig einen Verkaufspreis für seine Ernte zu sichern. Ein Bäcker kann auf ähnliche Weise künftige Getreidepreise festschreiben. Bei NHL-Leistungen gibt es ein solches natürliches wirtschaftliches Absicherungsbedürfnis kaum.
Hinzu kommt das Risiko von Handel mit Insiderinformationen. LeagueShares warnt in den eigenen Unterlagen, dass Regeln zum Umgang mit nicht öffentlichen Informationen bei Sportfutures bislang kaum ausgearbeitet sind.
Spieler, Trainer, Betreuer, medizinisches Personal, Schiedsrichter, Funktionäre und Datenanbieter können über Informationen verfügen, die anderen Anlegern nicht bekannt sind. Besonders heikel ist das, weil Ereignisse während eines Spiels unmittelbaren Einfluss auf den Index haben können.
Auch die ETFs mit zweifachem Hebel auf Tagesbasis bringen zusätzliche Risiken mit sich. Solche Fonds werden täglich neu angepasst. Schwankt der Basiswert stark, kann das auf längere Sicht Rendite kosten, selbst wenn das Team am Ende ungefähr auf demselben Niveau landet.
Schließlich gibt es Fragen zur Aufsicht über den Index selbst. Die Ausschüsse, die über die Methodik entscheiden, werden laut Quelle von FutureSports eingesetzt. Der Vorsitzende verfügt dabei über ausschlaggebende Stimmen.
Die Produkte befinden sich noch in einer frühen Phase. Kosten und verschiedene weitere Bedingungen wurden bislang nicht veröffentlicht. Für Privatanleger wird vor allem entscheidend sein zu verstehen, dass ein NHL-ETF nicht dasselbe ist wie ein einfacher finanzieller Einsatz auf einen Sieg der eigenen Lieblingsmannschaft.
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