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Zehntausende Beschäftigte der deutschen Autoindustrie wollen am Montag aus Sorge um ihre Arbeitsplätze auf die Straße gehen. An mehr als 280 Standorten in Deutschland sind Aktionen geplant, unter anderem bei Volkswagen, Mercedes-Benz, BMW, Audi, Porsche und großen Zulieferern. Die Gewerkschaft IG Metall will Werksschließungen und weiteren Stellenabbau verhindern.

Der Zeitpunkt ist heikel. Volkswagen senkte am Freitag erneut seine Prognose für 2026. Europas größter Autobauer kämpft mit Problemen in China, hohen Kosten und milliardenschweren Abschreibungen. Zugleich steht nahezu die gesamte deutsche Autoindustrie unter Druck: durch günstige chinesische Wettbewerber, hohe Energiepreise und US-Handelsbarrieren.

Die Folgen zeigen sich inzwischen auf dem Arbeitsmarkt. Nach Angaben des Branchenverbands VDA sind seit 2019 bei deutschen Autobauern rund 100.000 Stellen weggefallen. Auch in den kommenden Jahren droht der Verlust Zehntausender weiterer Arbeitsplätze.

Volkswagen senkt Prognose erneut deutlich

Besonders bei Volkswagen häufen sich die Probleme. Der Konzern hat seine Erwartungen für 2026 erneut deutlich gesenkt. Volkswagen rechnet nun mit einer operativen Rendite von höchstens einem Prozent. Zuvor war der Autobauer noch von mindestens vier Prozent ausgegangen.

Eine zentrale Rolle spielen die enttäuschenden Geschäfte in China. Dort belastet Volkswagen ein schwächerer Markt und der immer härtere Wettbewerb mit chinesischen Automarken. Gleichzeitig steigen die Kosten für den Umbau des Konzerns.

Hinzu kommt eine Abschreibung von 6 Milliarden Euro im Zusammenhang mit Porsche. Die Luxusmarke steht wegen der schwierigen Lage in China und der US-Importzölle unter Druck.

Finanzvorstand Arno Antlitz warnte am Freitag, Volkswagen müsse rasch handeln. „Der Markt verändert sich tiefgreifend und dauerhaft“, sagte er. „Wir dürfen keine Zeit verlieren.“

Auch Anleger reagieren beunruhigt. Die Volkswagen-Aktie verlor am Freitag bereits mehr als sieben Prozent und gab am Montag zeitweise um weitere 2,6 Prozent nach. Seit Jahresbeginn hat der Kurs rund 27 Prozent verloren.

Volkswagen fällt nach 15 Jahren aus wichtigem Aktienindex

Auch an der Börse muss Volkswagen einen weiteren Rückschlag verkraften. Der deutsche Autokonzern ist erstmals seit 15 Jahren aus dem Euro Stoxx 50 ausgeschieden, schreibt die Financial Times.

In dem wichtigen Aktienindex sind 50 große börsennotierte Unternehmen aus der Eurozone vertreten. Der Abstieg von Volkswagen kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Aktie verlor am Freitag bereits mehr als sieben Prozent und fiel am Montag in der Spitze um weitere 2,6 Prozent. Seit Jahresbeginn ist der Kurs um rund 27 Prozent gesunken.

Gleichzeitig demonstrieren Zehntausende Beschäftigte der deutschen Autoindustrie für den Erhalt von Arbeitsplätzen und Werken. Auch Mitarbeiter von Volkswagen beteiligen sich an den bundesweiten Protesten.

Damit steht der Konzern von zwei Seiten unter Druck. Anleger sorgen sich um die verschlechterten Finanzaussichten, während Beschäftigte befürchten, dass weitere Einsparungen zulasten von Jobs und deutschen Standorten gehen.

Deutsche Autoindustrie verliert Tausende Jobs

Diese Sorgen kommen nicht von ungefähr. Nach Angaben des Branchenverbands VDA sind seit 2019 bei deutschen Autobauern rund 100.000 Stellen weggefallen. Auch in den kommenden Jahren stehen weitere Jobs auf dem Spiel.

BMW will dem Bericht zufolge rund 8.000 Stellen streichen. Mercedes-Benz senkt unterdessen die Produktion in Deutschland und baut Aktivitäten im kostengünstigeren Ungarn aus.

Auch die Zulieferer trifft es hart. Zwischen 2019 und 2025 fielen dort nach VDA-Angaben rund 74.000 Stellen weg. Das entspricht fast einem Viertel der Beschäftigung in diesen Unternehmen.

Bei Volkswagen selbst könnten die geplanten Veränderungen am Ende einen großen Teil der Belegschaft betreffen. Der Autobauer hat Pläne ausgearbeitet, die weltweit rund 100.000 Arbeitsplätze berühren könnten.

Die IG Metall will verhindern, dass die Restrukturierungen zu weiteren Werksschließungen und zusätzlichem Stellenabbau führen. Die Gewerkschaft fordert Investitionen in deutsche Werke und neue Modelle. Zudem verlangt sie von der Bundesregierung niedrigere Stromkosten und einen besseren Schutz heimischer Hersteller vor Billigimporten.

China setzt deutsche Autobauer massiv unter Druck

Hinter den Problemen steht ein grundlegender Wandel des globalen Automarkts. Deutsche Autobauer verdienten über Jahre viel Geld in China. Diese Gewinne halfen Unternehmen wie Volkswagen, ihr großes und vergleichsweise teures Produktionsnetz in Deutschland zu finanzieren.

Dieses Modell gerät immer stärker unter Druck. Der chinesische Automarkt schwächelt, während heimische Hersteller wie BYD deutlich stärker geworden sind. Sie bringen Elektro- und Hybridfahrzeuge zu aggressiven Preisen auf den Markt, wodurch Volkswagen und andere deutsche Marken Mühe haben, ihre frühere Position zu halten.

Gleichzeitig gewinnen chinesische Automarken in Europa an Boden. Im Juli stieg ihr gemeinsamer Marktanteil auf dem Kontinent dem Bericht zufolge auf elf Prozent.

Hinzu kommen die Probleme in den Vereinigten Staaten. Deutsche Marken, die dort vergleichsweise wenig produzieren, darunter Porsche und Audi, werden von US-Importzöllen stärker getroffen.

Für Volkswagen kommt damit alles zusammen: weniger Gewinn aus China, wachsender Wettbewerb in Europa, Handelsbarrieren in den Vereinigten Staaten und hohe Kosten in Deutschland. Der Konzern muss sparen und zugleich weiter Milliarden in Elektroautos, Software und neue Technologien investieren.

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