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Vietnam macht einen großen Schritt hin zu einer strengeren Regulierung des Kryptosektors. Wer über eine Kryptoplattform ohne Zulassung handelt, muss künftig mit einem Bußgeld rechnen. Gleiches gilt für Unternehmen, die ohne Genehmigung entsprechende Dienste anbieten.

Damit bereitet das Land einen offiziell regulierten Markt für digitale Vermögenswerte vor. Das ist bemerkenswerter, als es zunächst klingt: Vietnam zählt zu den größten Kryptomärkten der Welt und entscheidet sich nun ausdrücklich für ein Modell, in dem dieser Markt nur noch innerhalb staatlich gesetzter Grenzen bestehen darf.

Bußgelder für Anleger und Anbieter

Die Regeln sind in einem in der vergangenen Woche veröffentlichten Dekret festgelegt und treten am 1. September in Kraft.

Anleger, die über eine Plattform ohne Zulassung handeln, riskieren ein Bußgeld von bis zu 50 Millionen vietnamesischen Dong, umgerechnet rund 1.900 Dollar. Für Unternehmen, die ohne Genehmigung Dienste rund um digitale Vermögenswerte anbieten, können die Sanktionen auf 200 Millionen Dong steigen, etwa 7.700 Dollar. Verstöße gegen Geldwäschevorschriften fallen in die schwerste Kategorie.

In Dollar wirken diese Beträge überschaubar. Gemessen am durchschnittlichen Jahreseinkommen in Vietnam von wenigen Tausend Dollar sind sie für Privatpersonen jedoch keineswegs nur symbolisch.

Wichtiger als die Höhe der Bußgelder ist das Instrumentarium dahinter. Die Behörden dürfen Aktivitäten einstellen lassen, Lizenzen entziehen und Vermögenswerte beschlagnahmen. Die Aufsicht verfügt damit erstmals über ein umfassendes Arsenal gegen illegale Anbieter. Genau darin liegt das eigentliche Signal an den Markt.

Zugelassene Plattformen möglicherweise noch in diesem Quartal

Die Sanktionen sind Teil einer umfassenderen Reform. Im Januar eröffnete die Regierung das Antragsverfahren für Lizenzen inländischer Handelsplattformen. Vizeminister für Finanzen Nguyen Duc Chi erklärte im Mai, die ersten zugelassenen Anbieter könnten möglicherweise bereits im dritten Quartal dieses Jahres starten.

Die Reihenfolge ist klar: erst die Lizenzen, dann die Bußgelder für alle, die außerhalb des Rahmens bleiben. Ab dem 1. September sind nur noch Anbieter innerhalb des gesetzlichen Rahmens erwünscht.

Viertgrößter Kryptomarkt setzt auf klare Grenzen

Der Kontext macht die Entscheidung bedeutsam. Laut dem Global Crypto Adoption Index 2025 von Chainalysis liegt Vietnam bei der Kryptonutzung weltweit auf Platz vier. Vietnamesische Händler setzten zwischen Juli 2024 und Juni 2025 zudem digitale Vermögenswerte im Wert von mehr als 220 Milliarden Dollar um.

Die Regierung verbietet diesen Markt also nicht, sondern zieht einen regulatorischen Rahmen ein: Wer teilnehmen will, benötigt künftig eine Zulassung und unterliegt Aufsicht sowie Geldwäschevorgaben.

Vietnam reiht sich damit in eine weltweite Entwicklung ein, die Europa mit MiCA angestoßen hat, setzt jedoch einen eigenen Akzent. Während der europäische Ansatz vor allem Anbieter reguliert, nimmt Vietnam ausdrücklich auch einzelne Anleger mit Bußgeldern in die Pflicht.

Für die Millionen Vietnamesen, die derzeit über ausländische Plattformen handeln, wird der 1. September damit zu einer echten Frist. Für internationale Börsen ohne vietnamesische Zulassung ist es der Tag, an dem einer ihrer größten Wachstumsmärkte formal geschlossen wird.

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