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Donald Trump hat gestern einmal mehr deutlich gemacht, dass die Zinsen aus seiner Sicht sinken müssen. Während er den früheren Fed-Chef Jerome Powell noch mit scharfen Attacken überzog, äußert er sich über dessen Nachfolger Kevin Warsh inzwischen respektvoll.

Trump sagt, er vertraue dem Mann, den er selbst ausgewählt hat. Die Märkte rechnen jedoch damit, dass Warsh die Zinsen noch in diesem Monat erhöhen wird. Der Freitag könnte für diese Entscheidung eine zentrale Rolle spielen.

„Er wird das Notwendige tun“

„Ich habe großen Respekt vor ihm. Er wird tun, was nötig ist“, sagte der US-Präsident gestern im Weißen Haus.

Trump hat die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) bereits häufig kritisiert. „Ich halte unsere Zinsen für zu hoch“, sagte er gestern erneut. „Wir sollten die niedrigsten Zinsen der Welt haben.“

Nach Trumps Darstellung entsteht Inflation aus „anderen Gründen“ als Erfolg und Wachstum. Das widerspricht der klassischen ökonomischen Logik: Eine Zentralbank erhöht die Zinsen, um eine überhitzte Wirtschaft abzukühlen und so die Inflation zu bremsen.

Diesmal wird die Inflation allerdings nicht durch eine übermäßige Nachfrage angetrieben, sondern durch ein knapperes Angebot. Die Ölversorgung stockt wegen des Iran-Kriegs, insbesondere durch die blockierte Straße von Hormus.

Finanzminister Scott Bessent sagte gestern, Zinserhöhungen seien bei einem solchen Angebotsschock ungewöhnlich. Höhere Zinsen sorgen schließlich nicht dafür, dass mehr Öltanker durch die wichtige Meerenge fahren.

Seine Argumentation: Der Preisdruck ist vorübergehend, und die Kerninflation, also die Inflation ohne Energiepreise, ging bereits vor dem Krieg zurück. Als Zentralbank kann man über solche Effekte hinwegsehen.

Warsh sieht das völlig anders. Der Fed-Chef verwies am vergangenen Freitag in Jackson Hole auf eine breit verankerte Inflation in der Wirtschaft und bezeichnete den Zins als sein wichtigstes Instrument.

Märkte preisen eine Zinserhöhung ein

Die Daten liefern Warsh Argumente. Die PCE-Inflation, das bevorzugte Inflationsmaß der Fed, liegt auf Jahressicht bei 3,7 Prozent. Zudem sind die Preissteigerungen breit verteilt: 54 Prozent aller Produkte verteuerten sich im vergangenen Jahr um mehr als 3 Prozent, verglichen mit durchschnittlich 32 Prozent vor der Pandemie.

Bei seiner Rede am Freitag ließ Warsh kaum Zweifel. Seine Botschaft: Der Arbeitsmarkt läuft nahezu auf voller Auslastung, während die Inflation zu hoch bleibt und keine Besserung zeigt.

Die Märkte haben die Botschaft verstanden. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bei der Fed-Sitzung im September stieg nach der Rede sprunghaft von rund 30 auf 57 Prozent.

Dennoch kann Warsh nicht allein auf die Inflation schauen. Die Fed hat vom US-Kongress ein doppeltes Mandat: stabile Preise und maximale Beschäftigung. Eine Zinserhöhung dient dem ersten Ziel, kann aber Arbeitsplätze kosten.

Genau dort zeigen sich Risse. Im Juli gingen unerwartet 23.000 Stellen verloren, während Ökonomen mit rund 80.000 neuen Jobs gerechnet hatten. Die Arbeitslosenquote sank zwar auf 4,1 Prozent, allerdings vor allem, weil Menschen den Arbeitsmarkt verließen. Auch das Lohnwachstum fiel auf den niedrigsten Stand seit mehr als fünf Jahren.

Am Freitag erscheint der Arbeitsmarktbericht für August, die letzte wichtige Kennzahl vor der Sitzung. Hält sich der Arbeitsmarkt robust, dürfte einer Zinserhöhung kaum noch etwas im Weg stehen. Enttäuschen die Daten, dürfte die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinspause wieder deutlich steigen.

Warum die langen Renditen zur Belastung werden

Im Hintergrund läuft ein zweiter Konflikt: der um die Renditen langfristiger US-Staatsanleihen. Die Rendite zehnjähriger Papiere stieg gestern auf den höchsten Stand seit 19 Monaten. Die Rendite dreißigjähriger Anleihen hatte zuvor bereits 5,32 Prozent erreicht, den höchsten Wert seit der Zeit vor der Finanzkrise 2008.

Diese langen Renditen sind die Referenzgröße für nahezu alle Finanzierungskosten. Hypotheken, Unternehmenskredite und auch die Staatsschuld selbst werden dadurch teurer. Washington gibt für Zinszahlungen inzwischen mehr aus als für Verteidigung.

Auch Anleger spüren den Druck. Je höher die Renditen sicherer Staatsanleihen, desto weniger attraktiv werden riskantere Anlagen. Die Bewertungen von Aktien, Bitcoin (BTC) und Edelmetallen geraten dadurch unter Druck.

Warsh kann diesen Markt indirekt als Instrument nutzen. Teurere Kredite bremsen die Nachfrage und drücken die Inflation, ohne dass die Fed den Leitzins selbst anheben muss. Dass Warsh den weiteren Zinspfad offenlässt, hat die langen Renditen in den vergangenen Wochen bereits nach oben getrieben.

Beobachter ziehen deshalb Parallelen zum früheren Fed-Chef Paul Volcker. Er ließ die Zinsen Anfang der 1980er-Jahre auf über 20 Prozent steigen, verwies aber geschickt darauf, dass nicht die Fed, sondern der Markt den Preis bestimmte. Auch Warsh kann so die Inflation bekämpfen, ohne eine Zinserhöhung anzukündigen, die Trump angreifen könnte.

Für Finanzminister Scott Bessent sind genau diese langen Renditen dagegen ein Problem. Sein Ministerium verdoppelt ab dem 9. September die Rückkäufe langfristiger Staatsanleihen, um die Renditen zu drücken. Offiziell geht es darum, einen reibungslosen Handel zu gewährleisten. Analysten sehen darin jedoch eine verdeckte Zinssteuerung.

Hier liegt der Konflikt: Warsh muss die Inflation senken, Bessent muss die Staatsschuld bezahlbar halten. Bessent erklärte gestern, beide seien am Anleihemarkt „auf einer Linie“. Der Dollar, der unter den Eingriffen leidet, spricht eine andere Sprache.

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