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Ethereum (ETH) steht heute am Kryptomarkt im Mittelpunkt. Der Ethereum-Kurs legte binnen kurzer Zeit um mehr als acht Prozent zu und erreichte den höchsten Stand seit rund sieben Monaten. Damit steigt ETH deutlich stärker als Bitcoin und nahezu alle anderen großen Kryptowährungen.
Der unmittelbare Auslöser waren neue Inflationsdaten aus den USA, die für kräftige Bewegung sorgten. Die erste Marktreaktion fiel noch unruhig aus, anschließend drehte die Stimmung jedoch klar ins Positive. Vor allem Ethereum profitierte und durchbrach in hohem Tempo die Marke von 2.600 Dollar.
Unmittelbar vor der großen Kursbewegung wurde Ethereum noch bei rund 2.450 Dollar gehandelt. Danach ging es plötzlich sehr schnell. Zunächst überschritt der Ethereum-Kurs die Marke von 2.500 Dollar, kurz darauf wurde auch 2.600 Dollar ohne größere Mühe überwunden.

Auf Binance erreichte ETH laut TradingView schließlich ein Hoch von rund 2.666 Dollar. Gemessen an den Niveaus kurz vor der Beschleunigung entspricht das einem Plus von mehr als acht Prozent.
Damit notiert Ethereum auf dem höchsten Stand seit rund sieben Monaten. Bemerkenswert ist vor allem die Geschwindigkeit der Bewegung. Ein großer Teil der Gewinne entstand innerhalb von rund einer Stunde.
Nach dem Hoch gab ETH einen Teil der Zugewinne wieder ab. Gegen 16.15 Uhr stand der Ethereum-Kurs bei rund 2.610 Dollar. Damit bleibt ETH weiterhin klar über dem Niveau von vor dem abrupten Kurssprung.
Auslöser der Rally sind die jüngsten US-Inflationsdaten. Die Verbraucherpreise stiegen im August um 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat und um 3,4 Prozent im Jahresvergleich. Beide Werte entsprachen den Erwartungen.
Bei der Kerninflation fiel das Bild weniger günstig aus. Im Jahresvergleich lag sie bei 2,4 Prozent, dem niedrigsten Stand seit März 2021. Gegenüber dem Vormonat zogen die Kernpreise jedoch um 0,3 Prozent an, während Volkswirte mit 0,2 Prozent gerechnet hatten.
Diese Zahl hätte risikoreiche Anlagen normalerweise belasten können. Hartnäckige Inflation verschafft der Federal Reserve schließlich mehr Spielraum, die Zinsen hoch zu halten oder weiter anzuheben.
Dennoch geschah das Gegenteil. Bitcoin erholte sich nach einem kurzen Rücksetzer deutlich, Ethereum legte noch wesentlich stärker zu. Das deutet darauf hin, dass Händler im Vorfeld schwächere Daten eingepreist hatten. Als ein größerer Rückschlag ausblieb, drehte der Markt rasch nach oben.
Hinzu kam mechanischer Kaufdruck. In den vergangenen Stunden wurden Short-Positionen im Wert von Dutzenden Millionen Dollar am Kryptomarkt liquidiert. Mit solchen Positionen setzen Händler auf fallende Kurse. Steigt der Preis stattdessen stark, können diese Positionen zwangsweise geschlossen werden. Die dabei ausgelösten Käufe können einen bestehenden Kursanstieg zusätzlich beschleunigen.
Das erklärt, warum die Reaktion so heftig ausfiel. Die Inflationsdaten lieferten den Auslöser, Liquidationen und die Positionierung der Händler verstärkten anschließend die Bewegung.
Die plötzliche Rally trifft zudem auf Entwicklungen, die das Ethereum-Angebot bereits seit Längerem verknappen.
In dieser Woche flossen ETH im Wert von netto rund 2,48 Milliarden Dollar von Kryptobörsen ab. Das bedeutet, dass große Mengen Ethereum etwa in eigene Wallets oder ins Staking verschoben werden. Diese Coins stehen damit nicht unmittelbar für einen Verkauf auf einer Handelsplattform bereit.
Auch Staking spielt dabei eine wichtige Rolle. Inzwischen ist mehr als ein Drittel der umlaufenden ETH-Menge gebunden. Besitzer stellen ihre Coins dabei zur Verfügung, um zur Absicherung des Ethereum-Netzwerks beizutragen, und erhalten dafür eine Vergütung.
Gleichzeitig gibt es institutionelle Nachfrage nach Ethereum. Spot-ETFs haben in den vergangenen Wochen Kapital angezogen, auch Unternehmen bauen ETH-Positionen auf. Ein Beispiel ist BitMine, das Unternehmen, das unter der Führung von Tom Lee seinen Ethereum-Bestand weiter ausgebaut hat.
Diese Kombination kann den Markt anfälliger für plötzlichen Kaufdruck machen. Wenn weniger ETH direkt auf Handelsplattformen verfügbar ist, kann ein kräftiger Nachfrageanstieg eine größere Kursbewegung auslösen.
Genau das scheint heute mit einem klaren makroökonomischen Impuls zusammenzufallen. Die Inflationsdaten brachten den Markt in Bewegung, anschließend verstärkten Zwangsliquidationen den Kursanstieg in einem Markt, in dem das verfügbare ETH-Angebot ohnehin unter Druck steht.
Auch andere große Kryptowährungen profitieren. Solana (SOL) legte um rund 4,7 Prozent zu, XRP gewann rund 4,6 Prozent. Bitcoin (BTC) stieg um mehr als zwei Prozent in Richtung 79.000 Dollar. Ethereum zählt damit mit Abstand zu den stärksten Werten unter den größten Kryptowährungen.
Die nächste wichtige Bewährungsprobe steht bereits kurz bevor. Die Federal Reserve entscheidet in der kommenden Woche erneut über die Zinsen. Gerade weil die monatliche Kerninflation höher ausfiel als erwartet, bleibt eine restriktivere Geldpolitik ein Risiko für den Kryptomarkt.
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