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Die US-Inflation bleibt hartnäckig hoch und sorgt an den Finanzmärkten unmittelbar für Bewegung. Vor allem der Anleihemarkt reagiert deutlich. Anleger beziffern die Wahrscheinlichkeit, dass die Federal Reserve in der kommenden Woche die Zinsen anhebt, inzwischen auf rund 90 Prozent. Bemerkenswert ist, dass auch Bitcoin (BTC) nach einer kurzen Schreckreaktion rasch zulegt.

Damit rückt eine Zinserhöhung immer näher. Dennoch zeigen sich risikoreiche Märkte auffallend robust. Aktien behaupten ihre Gewinne, während der Bitcoin-Kurs kräftig zurückkommt und in Richtung 78.000 Dollar steigt.

US-Inflation bleibt hoch

Der US-Verbraucherpreisindex (CPI) stieg im August gegenüber Juli um 0,4 Prozent. Auf Jahressicht verharrte die Inflation damit bei 3,4 Prozent. Beide Werte entsprachen exakt den Erwartungen der Ökonomen.

Die Überraschung lag vor allem bei der Kerninflation, bei der Lebensmittel und Energie ausgeklammert werden. Auf Jahressicht lag sie bei 2,4 Prozent und damit ebenfalls im Rahmen der Erwartungen. Im Monatsvergleich stiegen die Kernpreise jedoch um 0,3 Prozent, während Ökonomen mit 0,2 Prozent gerechnet hatten.

Der Bericht zeichnet damit ein gemischtes Bild. Die jährliche Inflation entsprach den Erwartungen, und die Kerninflation liegt auf Jahressicht auf dem niedrigsten Stand seit März 2021. Zugleich zeigt der stärkere monatliche Anstieg der Kernpreise, dass der zugrunde liegende Inflationsdruck noch nicht vollständig verschwunden ist.

Das ist wichtig für die ⁠Federal Reserve (Fed), die in der kommenden Woche erneut über die US-Zinsen entscheidet. Nach den Daten taxieren Händler die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung inzwischen auf rund 90 Prozent.

Die Notenbank peilt offiziell eine Inflation von zwei Prozent an, gemessen an einem anderen Inflationsmaß. Dennoch spielt der CPI-Bericht für die Ausrichtung der Zinspolitik eine wichtige Rolle. Besonders die monatliche Kerninflation dürfte dabei zusätzliche Aufmerksamkeit erhalten.

Zweijährige US-Rendite steigt nach Inflationsdaten deutlich

Die deutlichste Reaktion zeigt sich bislang am US-Anleihemarkt. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen stieg nach der Veröffentlichung auf rund 4,61 Prozent. Das ist der höchste Stand seit mindestens einem Jahr.

Kurz vor den Daten hatte sie noch bei rund 4,57 Prozent gelegen.

Diese Bewegung ist wichtig, weil gerade die zweijährige Rendite stark auf Erwartungen zur Fed-Politik reagiert. Eine höhere Rendite bedeutet in diesem Fall, dass Anleger stärker mit einer Zinserhöhung rechnen.

Vor der Veröffentlichung lag die eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte in der kommenden Woche bereits bei rund zwei Dritteln. Die Inflationsdaten geben der Fed wenig Anlass, diese Möglichkeit vom Tisch zu nehmen.

Das heißt nicht, dass alle Finanzmärkte negativ reagieren. US-Aktienfutures hielten ihre zuvor erzielten Gewinne weitgehend. Anleger verarbeiten die Inflationsdaten offenbar vor allem über höhere Zinserwartungen, ohne risikoreiche Anlagen unmittelbar in großem Stil zu verkaufen.

US-Futures behaupten ihre Gewinne

Auffällig ist, dass die höheren Inflationsdaten am US-Aktienmarkt keine Unruhe auslösten. Die Futures auf die wichtigsten Börsenindizes hielten ihre vorherigen Gewinne und bewegten sich nach der Veröffentlichung kaum.

Die Futures auf den S&P 500 lagen rund 0,6 Prozent im Plus, während die Kontrakte auf den Nasdaq 100 und den Dow Jones um etwa 0,7 Prozent zulegten. Diese Niveaus entsprachen nahezu den Ständen unmittelbar vor Bekanntgabe der Inflationsdaten.

Damit reagieren die einzelnen Märkte klar unterschiedlich auf die Nachricht. Die steigende zweijährige Rendite zeigt, dass Anleiheinvestoren mit einer strafferen Zinspolitik der Federal Reserve rechnen. Am Aktienmarkt scheint diese Sorge vorerst deutlich weniger ausgeprägt zu sein.

Bitcoin-Kurs steigt Richtung 78.000 Dollar

Am Kryptomarkt lösten die Inflationsdaten zunächst eine deutliche Schreckreaktion aus. Fast unmittelbar nach der Veröffentlichung gab der Bitcoin-Kurs nach. BTC fiel binnen weniger Minuten von rund 77.000 Dollar auf ein Tief bei etwa 76.040 Dollar.

Diese Verkaufswelle dauerte jedoch nur sehr kurz. Käufer griffen nahezu sofort zu und machten den gesamten Rückgang wett. Bitcoin kletterte zunächst zurück über 77.000 Dollar, anschließend gewann die Bewegung deutlich an Dynamik. Gegen 14.53 Uhr notierte der Bitcoin-Kurs bei rund 78.000 Dollar; die wichtige Marke wurde damit klar getestet.

Der Bitcoin-Kurs erholte sich nach den US-Inflationsdaten rasant und stieg binnen einer halben Stunde von rund 76.000 auf 78.000 Dollar.
Bitcoin steigt nach den Inflationsdaten in Richtung 78.000 Dollar. (Quelle: Tradingview)

Damit legte BTC vom Tief aus in weniger als einer halben Stunde um fast 2.000 Dollar zu. Der Kurs erreichte kurzzeitig sogar 78.100 Dollar. Auffällig ist vor allem das Tempo der Erholung. Hatten Anleger Bitcoin unmittelbar nach den Daten noch verkauft, drehte die Stimmung wenige Minuten später vollständig.

Das ist umso bemerkenswerter, weil der US-Anleihemarkt zugleich stärkere Zinssorgen signalisiert. Die zweijährige Rendite sprang nach den Inflationsdaten auf über 4,60 Prozent. Diese Rendite reagiert üblicherweise stark auf Erwartungen zur Politik der Federal Reserve. Die Bewegung deutet darauf hin, dass Anleiheinvestoren eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung einpreisen.

Normalerweise sind höhere Zinserwartungen kein günstiges Signal für risikoreiche Anlagen wie Bitcoin. Bisher lässt sich BTC davon kaum beeindrucken. Die scharfe Kehrtwende zeigt, dass Käufer bei rund 76.000 Dollar bereitstanden und der Fokus inzwischen ganz auf der Marke von 78.000 Dollar liegt.

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