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Die russischen Ölexporte über See sind auf den niedrigsten Stand seit Ende Mai gefallen. Vor allem aus wichtigen Häfen am Schwarzen Meer und an der Ostsee werden deutlich weniger Barrel verschifft.
Auffällig ist, dass ukrainische Angriffe dabei eine unerwartete Rolle spielen. Werden Raffinerien getroffen, kann Russland weniger Öl verarbeiten – und es bleibt gerade mehr Rohöl für den Export übrig.
Ein vorübergehender Rückgang dieser Angriffe trug in den vergangenen Wochen daher zu den niedrigeren Ausfuhren bei. Da die Ukraine nun erneut mehrere Raffinerien angegriffen hat, dürfte sich dieses Bild wieder verändern.
Die russischen Ölexporte über See sind auf den niedrigsten Stand seit Ende Mai gefallen. In den vergangenen vier Wochen verschiffte Russland im Schnitt 3,71 Millionen Barrel Rohöl pro Tag, wie Schiffsdaten von Bloomberg zeigen.
In der vergangenen Woche wurde der Rückgang noch deutlicher. Zwischen dem 3. und 9. August liefen 32 Tanker aus russischen Häfen aus, an Bord insgesamt 22,78 Millionen Barrel Öl. Umgerechnet entspricht das durchschnittlich 3,25 Millionen Barrel pro Tag.
Eine Woche zuvor hatten 35 Tanker zusammen 24,49 Millionen Barrel transportiert. Das entsprach im Schnitt 3,5 Millionen Barrel pro Tag.
Vor allem aus Noworossijsk wird deutlich weniger Öl verschifft. Der wichtige russische Exporthafen am Schwarzen Meer arbeitet seit Wochen nur noch mit etwa der Hälfte früherer Spitzenwerte.
Angriffe auf Öltanker in der Nähe des Hafens haben den Schiffsverkehr gestört. Die Lage spitzte sich so weit zu, dass die Türkei den Verkehr durch die türkischen Meerengen in Richtung russischer und ukrainischer Häfen vorübergehend einschränkte.
Auch in Ust-Luga, einem wichtigen Ölhafen an der Ostsee, ging die Aktivität deutlich zurück. Dort wurde in der vergangenen Woche etwa halb so viel Öl verladen wie zwei Wochen zuvor. Was den Einbruch in diesem Hafen verursacht hat, ist unklar.
Der Rückgang der Ölexporte hängt teilweise mit den ukrainischen Angriffen auf die russische Ölindustrie zusammen. Auffällig ist: Angriffe auf Raffinerien können dazu führen, dass Russland sogar mehr Rohöl ins Ausland verschifft.
So war es Ende Juni und Anfang Juli. Durch ukrainische Angriffe konnten russische Raffinerien weniger Rohöl zu Kraftstoffen wie Benzin und Diesel verarbeiten. Das dadurch überschüssige Öl musste exportiert werden. Vorübergehend führte das zu höheren Ausfuhren.
In der zweiten Julihälfte nahm die Zahl der Angriffe auf Raffinerien ab. Die Ukraine konzentrierte sich damals stärker auf Öltanker im Schwarzen Meer und auf Lagerstandorte im Westen Russlands. Dadurch erhielten Raffinerien Spielraum für Reparaturen und konnten wieder mehr Öl verarbeiten.
Die Folge: Für den Export blieb weniger Rohöl übrig. Das trug in den vergangenen Wochen zum Rückgang der russischen Ölausfuhren bei.
Inzwischen scheint sich die Lage erneut zu verändern. Die Ukraine hat ihre Angriffe auf Raffinerien im August wieder ausgeweitet. Allein in der ersten Woche dieses Monats wurden fünf russische Raffinerien angegriffen. In dieser Woche kamen zwei weitere hinzu.
Sollten diese Angriffe die russische Raffinerieproduktion erneut beeinträchtigen, könnte das eine bemerkenswerte Folge haben: Russland hätte mehr Rohöl übrig, das an ausländische Abnehmer verschifft werden kann.
Russland verschifft weniger Öl, spürt das in seinen Einnahmen bislang aber deutlich weniger stark. Der Grund ist einfach: Der Preis, den das Land für sein Öl erzielt, ist in den vergangenen Wochen kräftig gestiegen.
In den vergangenen vier Wochen brachten die russischen Ölexporte im Schnitt rund 1,7 Milliarden Dollar pro Woche ein. Das ist trotz geringerer Exportmengen nahezu so viel wie im vorherigen Zeitraum.
Vor allem der Preis für russisches Ural-Öl zog deutlich an. Öl, das aus Häfen an der Ostsee verschifft wird, verteuerte sich um rund 4,30 Dollar und kostete im Schnitt 63,80 Dollar je Barrel. Aus dem Schwarzen Meer stieg der Preis auf durchschnittlich 62,70 Dollar.
Auch Indien bleibt ein wichtiger Abnehmer. Russisches Öl, das dort angeliefert wurde, verteuerte sich um 6,10 Dollar auf durchschnittlich 83,33 Dollar je Barrel. Im Juli importierte Indien noch fast 2,4 Millionen Barrel russisches Öl pro Tag und lag damit nahe am Rekordniveau vom Juni.
Betrachtet man nur die jüngste Woche, ist der Effekt der geringeren Exporte allerdings sichtbar. Der Gesamtwert der russischen Ölausfuhren sank um rund 170 Millionen Dollar auf 1,49 Milliarden Dollar.
Der höhere Ölpreis federt die finanziellen Folgen der geringeren Exporte damit vorerst ab. Gleichzeitig erschweren Angriffe auf Raffinerien, Tanker und andere Infrastruktur Russland zunehmend, sein Öl zu verarbeiten und an ausländische Abnehmer zu liefern.
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