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Tausende Kryptobörsen mussten Europa zuletzt verlassen, weil die MiCA-Frist abgelaufen ist. Die neuen Kryptoregeln sollen Anleger schützen, haben aber eine Kehrseite: Viele Nutzer suchen in der Übergangsphase nach einer neuen lizenzierten Börse – genau das nutzen Betrüger in großem Stil aus.
MiCA, ausgeschrieben Markets in Crypto-Assets-Verordnung, ist das erste europäische Gesetz, das die gesamte Kryptobranche unter ein einheitliches Regelwerk stellt. Die Vorschriften gelten seit Ende Dezember 2024 in allen 27 Mitgliedstaaten.
Wer für Kunden Kryptowährungen kauft, verkauft oder verwahrt, benötigt seither eine Zulassung einer nationalen Aufsichtsbehörde. Daran sind Anforderungen geknüpft, vom Eigenkapital bis zur getrennten Verwahrung von Kundengeldern.
Bestehende Anbieter erhielten Zeit zur Anpassung, doch diese Übergangsfrist endete am 1. Juli. Mehr als 1.700 Plattformen ohne Zulassung, darunter Branchenriesen wie Binance und MEXC, mussten ihre europäischen Kunden umgehend ausschließen.
Nur 323 Unternehmen verfügten zu diesem Zeitpunkt über eine gültige MiCA-Lizenz. Millionen Nutzer mussten sich deshalb nach einer neuen Plattform umsehen.
Genau darin sehen Betrüger ihre Chance. Sie kopieren die Texte echter Migrationshinweise und leiten Opfer auf nachgebaute Plattformen.
Gleichzeitig verschicken seriöse Börsen zahlreiche E-Mails zu Auszahlungen und gesperrten Konten. Eine gefälschte Nachricht fällt dadurch kaum auf.
Bei der französischen Finanzaufsicht Autorité des Marchés Financiers (AMF) geben sich Kriminelle als Mitarbeiter aus. Sie versprechen, gestohlenes Geld zurückzuholen, verlangen dafür aber zunächst eine Verwaltungsgebühr.
Die europäische Marktaufsicht ESMA bestätigt, dass ihr Name und ihr Logo missbraucht werden, teils sogar mit gefälschten Dokumenten. Opfern wird dabei eingeredet, ihr Geld sei in Gefahr.
In den Niederlanden nennt die Autoriteit Financiële Markten (AFM) die Migration selbst als Schwachstelle.
„Betrüger könnten die Situation tatsächlich nutzen, um Privatanleger zu täuschen, die nach einem alternativen lizenzierten Anbieter suchen“, teilte die Aufsicht mit.
Wie groß das Problem werden kann, zeigt das Vereinigte Königreich. Bei der Financial Conduct Authority (FCA) gingen in der ersten Hälfte des Jahres 2025 bereits 4.465 Meldungen über gefälschte Versionen der Aufsichtsbehörde ein.
Am Ende überwiesen 480 Menschen tatsächlich Geld. Immer häufiger nutzen die Täter Software zur Bildschirmfreigabe, um selbst ein Kryptokonto im Namen des Opfers zu eröffnen.
Entscheidend ist nicht die Nachricht, sondern das Ziel. Prüfe den Anbieter im öffentlichen Register der europäischen Marktaufsicht ESMA, bevor du Vermögenswerte überträgst.
AFM und AMF betonen zudem, dass sie niemals zu einer Überweisung auffordern und keine privaten Nachrichten verschicken. Unaufgeforderter Kontakt wegen eines Plattformwechsels ist daher bereits ein Warnsignal.
Die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) nennt noch einen Ausweg: Lege deine Coins in eine eigene Wallet, deren Schlüssel nur du kontrollierst. Dann gibt es von vornherein nichts, was abgegriffen werden kann.
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