Durch das Konflikt mit Iran bleibt die Straße von Hormus weiterhin geschlossen. Nun droht auch eine zweite wichtige Schifffahrtsroute unter Druck zu geraten.
Die Huthi-Rebellen im Jemen verkündeten am Freitag, dass sie sich militärisch Iran anschließen und erklärten, dass ihre Operationen gegen die USA und Israel begonnen haben. Damit könnte auch die Schifffahrt in der Straße von Bab al-Mandab, dem strategischen Zugang zum Roten Meer und Suezkanal, gefährdet sein.
Wenn beide Seestraßen gleichzeitig blockiert werden, könnte schätzungsweise ein Viertel des weltweiten Ölangebots zum Erliegen kommen. Das hätte weitreichende Folgen für den Ölpreis, die Weltwirtschaft und möglicherweise auch den Kryptomarkt.
Warum die Straße von Bab al-Mandab jetzt wichtig ist
Die Bab al-Mandab ist die enge Passage zwischen Jemen und Dschibuti, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet. Es ist das viertgrößte Nadelöhr für den weltweiten Seeverkehr. Rund 12% aller seebasierten Öltransporte passieren diese Route, was etwa 6 Millionen Barrel pro Tag entspricht.
Die Meerenge gewann an Bedeutung, nachdem Saudi-Arabien begann, seine Ölexporte über den Rotmeerhafen Yanbu umzuleiten, um die blockierte Straße von Hormus zu umgehen. Der Export über diese Route stieg bereits von 1,7 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2025 auf 5,9 Millionen Barrel. Sollte diese Route nun ebenfalls von den Huthis blockiert werden, verliert Saudi-Arabien seinen letzten funktionierenden Exportkorridor.

Huthis schließen sich Iran an
Vergangenen Freitag gaben hochrangige Huthi-Vertreter bekannt, dass die Bewegung sich militärisch mit Iran verbündet hat und koordinierte Angriffe plant. Laut Al Jazeera wird das Schließen der Bab al-Mandab als „primäre Option“ betrachtet.
Es ist eine bemerkenswerte Wendung. In den ersten zwei Wochen des Konflikts hielten sich die Huthis überraschend zurück, obwohl sie zu Irans stärksten Verbündeten zählen. Innerhalb der Bewegung gab es unterschiedliche Meinungen: Eine Fraktion wollte Iran direkt unterstützen, während die andere verheerende US-Vergeltungsangriffe auf Jemen fürchtete. Letztere scheint nun unterlegen zu sein.
Gemäß Arab News hat Iran über seinen Gesandten bei den Huthis, Mohammad Ramazani, direkte Anweisungen für Operationen in der Bab al-Mandab und im Roten Meer gegeben. Der Huthi-Führer Abdulmalik al-Huthi bestätigte am Samstag, dass seine Truppen „voll einsatzbereit“ seien.
Huthis haben ihre Schlagkraft bewiesen
Die Bedrohung ist nicht theoretisch. Während des Gaza-Kriegs 2023-2024 legten die Huthis den Schiffsverkehr im Roten Meer weitgehend lahm. Sie griffen über 178 Schiffe an, versenkten vier und verursachten einen Rückgang von 90% im Containertransport durch das Rote Meer.
Große Reedereien wie Maersk, Hapag-Lloyd und CMA CGM mussten ihre Schiffe um Afrika herumleiten, was zehn bis fünfzehn zusätzliche Tage Seefahrt und Millionen an zusätzlichen Treibstoffkosten verursachte.
Diese Angriffe endeten erst im November 2025 nach einem Waffenstillstand. Nun droht nach dreieinhalb Monaten relativer Ruhe ein erneuter Ausbruch.
Doppelte Blockade: 25 Millionen Barrel pro Tag in Gefahr
Die Zahlen sind alarmierend. Durch die Straße von Hormus flossen gewöhnlich etwa 20 Millionen Barrel Öl pro Tag. Durch die Bab al-Mandab kamen weitere 6 Millionen Barrel. Sollten beide Routen gleichzeitig blockiert werden, fallen insgesamt fast 25 Millionen Barrel pro Tag weg, was etwa 25% des weltweiten Angebots entspricht.
Der Ölpreis, der bereits über 100 US-Dollar pro Barrel liegt, könnte in diesem Szenario auf 120 bis 150 US-Dollar oder höher steigen. Reedereien haben bereits Vorkehrungen getroffen: Maersk, Hapag-Lloyd und CMA CGM haben alle Trans-Suez-Routen durch die Bab al-Mandab ausgesetzt.
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