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Europa könnte gegen Jahresende in einen erheblichen Dieselengpass geraten. Nach Einschätzung der Investmentbank Morgan Stanley treffen derzeit mehrere Störungen am Weltmarkt zusammen. Die europäischen Dieselbestände könnten dadurch auf den niedrigsten Stand seit Jahren fallen.
Gleichzeitig sind die Margen der Raffinerien auf Rekordniveau gestiegen. Das könnte die Dieselpreise weiter nach oben treiben – mit Folgen für Transport, Industrie und am Ende auch für die Inflation.
Analysten von Morgan Stanley bezeichnen den europäischen Dieselmarkt als äußerst angespannt. Die Bank erwartet, dass die Bestände ab August stetig zurückgehen. Im November könnten sie bei rund 299 Millionen Barrel liegen. Das wäre für diese Jahreszeit der niedrigste Stand seit mindestens 2015.
Nach Einschätzung der Investmentbank kommen mehrere Entwicklungen zusammen. Die Spannungen rund um die Straße von Hormus haben die Versorgung mit Ölprodukten beeinträchtigt. Zudem haben ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien und das russische Exportverbot für Diesel das Angebot weiter verknappt. Vor allem die Dieselproduktion steht dadurch unter Druck.
Das größte Problem liegt Morgan Stanley zufolge derzeit nicht bei der Verfügbarkeit von Rohöl, sondern bei den Raffineriekapazitäten.
Neben Europa spielt auch China eine Rolle. Chinesische Raffinerien verarbeiten derzeit weniger Rohöl, wodurch weltweit weniger Diesel verfügbar ist.
Obwohl China kaum Diesel direkt nach Europa exportiert, hat die niedrigere chinesische Produktion laut Morgan Stanley spürbare Folgen. Eine geringere Produktion in Asien bedeutet, dass weltweit weniger Diesel bereitsteht, um Engpässe in anderen Regionen auszugleichen.
Das zeigt sich auch bei den Raffineriemargen. Die sogenannten Diesel-Crack-Spreads in Nordwesteuropa sind der Bank zufolge auf ein Rekordniveau gestiegen. Das verdeutlicht, wie hoch die Nachfrage nach Diesel im Verhältnis zum verfügbaren Angebot derzeit ist.
Dennoch sieht Morgan Stanley nur begrenzten Spielraum für eine weitere Preisrally. Nach Ansicht der Analysten ist die aktuelle Knappheit inzwischen weitgehend in den Dieselpreisen berücksichtigt.
Die Bank rät Anlegern daher davon ab, der Bewegung hinterherzulaufen. Zwar bleiben die fundamentalen Marktbedingungen außergewöhnlich angespannt, die Bewertung gilt Morgan Stanley zufolge inzwischen aber als vollständig eingepreist. Weitere Preissteigerungen sind damit weniger selbstverständlich, sofern sich die Angebotsprobleme nicht weiter verschärfen.
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