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Cyberkriminelle haben Hunderttausende Telefonnummern gesammelt, um Kryptoanleger gezielt anzugreifen. Im Zuge der Phishingkampagne mit dem Namen Operation Asterix wurden rund 885.000 Telefonnummern gefunden. Betroffen waren unter anderem Nutzer von Binance, Kraken und Ledger.
Die Angreifer verschickten nicht einfach massenhaft Phishingnachrichten. Zunächst versuchten sie herauszufinden, welche Personen tatsächlich ein Konto bei einer Kryptobörse oder einem Wallet-Dienst hatten. Anschließend konnten sie ihre Angriffe deutlich persönlicher und glaubwürdiger gestalten.
Das Cybersicherheitsunternehmen Rapid7 untersuchte Operation Asterix und rekonstruierte, wie gezielt die Kriminellen vorgingen.
Der größte gefundene Datensatz enthielt 316.002 deutsche Mobiltelefonnummern. Darüber hinaus wurden Daten unter anderem aus dem Vereinigten Königreich, den Vereinigten Staaten, Hongkong und Bulgarien entdeckt.
Die Angreifer versuchten anschließend, diese Telefonnummern Konten auf Kryptoplattformen zuzuordnen. Allein innerhalb des deutschen Datensatzes konnten 43.066 Nummern mit Nutzern von Kryptobörsen in Verbindung gebracht werden. Darunter waren 5.576 Konten, die Binance-Nutzern zugeordnet werden konnten.
Auch Kraken geriet in den Fokus. Rapid7 fand ein Tool, mit dem Kriminelle in großem Umfang prüfen konnten, ob Telefonnummern mit Konten bei der Kryptobörse verknüpft waren.
Das macht Phishing deutlich gefährlicher. Wer als Krimineller weiß, welche Börse eine Person tatsächlich nutzt, kann sich wesentlich überzeugender als Mitarbeiter dieser Plattform ausgeben.
Die Kampagne beschränkte sich nicht auf E-Mails. Die Forscher fanden auch nachgebaute Apps von Ledger, Trezor und Exodus.
Darin wurden Opfer aufgefordert, ihre Seed-Phrase einzugeben. Diese Wortfolge ermöglicht den Zugriff auf eine Kryptowallet. Wer die Seed-Phrase erhält, kann dadurch unter Umständen den gesamten Inhalt der Wallet stehlen.
Zudem riefen Kriminelle ihre Opfer an und verschickten betrügerische Supportnachrichten. Indem sie sich als bekanntes Kryptounternehmen ausgaben, konnten sie etwa vor einem frei erfundenen Sicherheitsproblem warnen und Betroffene unter Druck setzen, schnell zu handeln.
Rapid7 fand außerdem Hinweise darauf, dass innerhalb der Kampagne künstliche Intelligenz eingesetzt wurde.
Operation Asterix steht für ein größeres Problem der Kryptobranche. Bei solchen Angriffen versuchen Kriminelle meist nicht, eine Blockchain zu knacken. Sie greifen direkt die Besitzer der Kryptoassets an.
Nach Angaben des Blockchain-Sicherheitsunternehmens Hacken verursachten Phishing und andere Formen des Social Engineering im ersten Quartal Verluste von 306 Millionen Dollar. Der Gesamtschaden durch Sicherheitsvorfälle in der Kryptobranche lag in diesem Zeitraum bei 482 Millionen Dollar.
Die Stärke von Operation Asterix liegt vor allem in der Kombination aus geleakten personenbezogenen Daten und gezielten Angriffen. Die Kriminellen konnten zunächst ermitteln, wer wahrscheinlich Kryptoassets besaß, und anschließend mit gefälschten Apps, E-Mails und Telefonanrufen versuchen, Zugriff auf diese Bestände zu erhalten.
Für Kryptobesitzer bleibt vor allem eine Regel entscheidend: Eine Seed-Phrase darf niemals geteilt oder über einen Link, eine Supportnachricht oder eine unerwartet installierte App eingegeben werden.
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