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Christine Lagarde wird in diesem Jahr nicht als Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) zurücktreten. Ob sie ihre Amtszeit vollständig bis zum Ende ausfüllt, ließ sie jedoch offen.
Damit bleibt die Unsicherheit über ihre Zukunft bestehen, zugleich gewinnt die Debatte über ihre mögliche Nachfolge weiter an Fahrt.
Ökonomen sehen den Spanier Pablo Hernández de Cos als wichtigsten Kandidaten. Auch der frühere DNB-Präsident Klaas Knot wird weiterhin prominent genannt.
Nach der Zinsentscheidung stellte Lagarde klar, dass sie zumindest in diesem Jahr an der Spitze der EZB bleibt. Für die Zeit danach wollte sie sich nicht festlegen. Einen Rückzug vor dem Ende ihrer Amtszeit im Oktober 2027 schloss sie ausdrücklich nicht aus.
Damit halten ihre Äußerungen die Spekulationen der vergangenen Wochen am Leben. Einer aktuellen Bloomberg-Umfrage zufolge rechnet rund ein Drittel der befragten Ökonomen damit, dass Lagarde ihre achtjährige Amtszeit nicht vollständig beenden wird.
Der Zeitpunkt ist politisch heikel. Sollte Lagarde vorzeitig gehen, könnte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron noch vor den französischen Wahlen im kommenden Frühjahr Einfluss auf die Besetzung ihrer Nachfolge nehmen. Genau deshalb wird jedes Signal zu ihrer Zukunft besonders aufmerksam verfolgt.
Anfang des Monats hatte Lagarde einen Wechsel in die französische Politik noch als Möglichkeit bezeichnet. Zugleich betonte sie, für kein Amt zu kandidieren und die EZB nicht verlassen zu wollen, solange die Lage ihre Präsenz erfordere. Zudem halten sich Gerüchte über eine mögliche Funktion beim World Economic Forum, der Organisation hinter dem jährlichen Treffen in Davos.
Auch wenn ein möglicher Wechsel frühestens in gut einem Jahr anstehen dürfte, wird hinter den Kulissen bereits intensiv über Lagardes Nachfolge gesprochen.
Ökonomen sehen derzeit Pablo Hernández de Cos als Favoriten. Der frühere Präsident der spanischen Zentralbank steht inzwischen an der Spitze der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel. Die spanische Zeitung Expansión berichtete in dieser Woche, Madrid wolle ihn offiziell ins Rennen schicken.
Wichtigster Herausforderer ist derselben Bloomberg-Umfrage zufolge Klaas Knot, der im vergangenen Jahr als Präsident der niederländischen Zentralbank zurücktrat. Knot galt innerhalb der EZB über Jahre als einer der profiliertesten Vertreter einer straffen Geldpolitik. Seine Ernennung wäre daher nicht nur symbolisch bedeutsam, sondern könnte auch Folgen für den künftigen Kurs der Zentralbank haben.
Daneben werden auch Bundesbank-Präsident Joachim Nagel und EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel als mögliche Kandidaten gehandelt.
Bundeskanzler Friedrich Merz sieht bislang keinen Grund, die Nachfolgefrage zu beschleunigen. Lagardes Amtszeit laufe noch mehr als ein Jahr, sagte er sinngemäß; es sei zu früh, darüber bereits jetzt Entscheidungen zu treffen.
Für Anleger geht es in der Debatte nicht nur um die Person, die Lagarde am Ende folgt. Entscheidend ist vor allem, welchen Kurs die EZB danach einschlägt.
Die Zentralbank befindet sich in einer Phase, in der die Inflation durch höhere Energiepreise erneut unter Druck steht und zugleich unklar bleibt, wie sich die Zinspolitik im kommenden Jahr entwickelt. Ein unerwarteter Wechsel an der Spitze könnte deshalb die Erwartungen an den Finanzmärkten beeinflussen.
Solange Lagarde keine Klarheit über ihre Zukunft schafft, dürfte auch die Spekulation über ihre Nachfolge anhalten. Wer die Führung der EZB übernimmt, erhält zudem erheblichen Einfluss auf die Frage, wie restriktiv die europäische Zinspolitik in den kommenden Jahren bleibt.
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