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Heute Abend um 22.00 Uhr legt Nvidia die Quartalszahlen für Q2 2026 vor. Der Zeitpunkt ist heikel. Der Markt gibt sich nicht mehr mit großen Investitionsversprechen zufrieden. Anleger wollen Belege dafür sehen, dass die enormen KI-Ausgaben tatsächlich zu Umsatzwachstum, höheren Margen und starken Cashflows führen.
Für Nvidia wird vor allem entscheidend sein, wie breit die Nachfrage inzwischen ist. Aus dem vorherigen Quartalsbericht ging hervor, dass mehr als 50 Prozent des Umsatzes auf drei Kunden entfielen. Bei den offenen Forderungen lag der Anteil derselben Kunden sogar bei 64 Prozent.
Damit werden die Zahlen heute Abend zu einem wichtigen Stresstest.
Bemerkenswert ist, dass der Umsatz mit anderen Rechenzentrumskunden im vergangenen Quartal um 31 Prozent zulegte, während die drei größten Kunden für ein zusätzliches Umsatzplus von 12 Prozent sorgten.
Beschleunigt sich die Nachfrage außerhalb der größten Cloud-Konzerne weiter, wäre das ein Hinweis auf eine breitere KI-Adoption. In diesem Szenario hängt Nvidias Wachstum nicht nur an einer Handvoll Hyperscaler, sondern KI dringt tiefer in die Wirtschaft vor.
Enttäuscht diese breitere Nachfrage, dürfte der Markt kritischer reagieren. Dann rückt erneut die Frage in den Vordergrund, ob der KI-Boom zu stark von einer kleinen Gruppe von Unternehmen mit enormen Investitionsbudgets abhängt.
In diesem Zusammenhang verwies Jurrien Timmer, eine bekannte Stimme an den Finanzmärkten, in dieser Woche auf Anzeichen dafür, dass die Beschleunigung des Gewinnwachstums bei KI-Aktien ihrem Höhepunkt näherkommt.
Das Wachstum der Gewinnerwartungen sei seiner Einschätzung nach von 35 auf 33 Prozent zurückgegangen. Auch die Prognosen für Q3 und Q4 deuten auf ein geringeres Wachstumstempo hin.
Die absoluten Gewinnerwartungen werden weiterhin angehoben, die Gewinnmargen liegen auf Rekordniveau. Vorerst gibt es damit vor allem Hinweise darauf, dass das Tempo des Gewinnwachstums nachlässt.
Eine klare Trendwende beim Momentum ist noch nicht zu erkennen. Ein Rückgang des Gewinnwachstums von 35 auf 20 Prozent bedeutet nicht automatisch, dass fundamental etwas schiefläuft. Für extrem hoch bewertete KI-Aktien kann jedoch schon eine geringere Beschleunigung ausreichen, um die Bewertungen unter Druck zu setzen.
In den vergangenen Monaten ist tatsächlich eine deutliche Rotation zu beobachten. Der Chipindex SOXX verlor in den vergangenen drei Monaten fast 10 Prozent. Die Magnificent Seven gaben 2,95 Prozent ab. Gleichzeitig stieg der gleichgewichtete S&P 500 um 6,81 Prozent.

Das Bild ist aufschlussreich. Anleger ziehen sich nicht massenhaft aus dem Markt zurück, sondern schichten Kapital um. Sie verkaufen KI-Aktien und suchen Rendite in anderen Bereichen des Aktienmarkts. Auch Gold und Bitcoin entwickeln sich wieder besser.
Ich persönlich glaube nicht, dass der KI-Bullenmarkt einfach vorbei ist. Dafür ist die Technologie zu interessant, zu wichtig und geopolitisch zu relevant. Zudem hat der Chipsektor vom Hoch aus bereits eine deutliche Korrektur hinter sich.
Aus technischer Sicht wird nun vor allem wichtig, ob der SOXX am exponentiellen 100-Tage-Durchschnitt Unterstützung findet. Gelingt das, könnte der Chipindex gegenüber Juli ein höheres Tief ausbilden. Der nächste Schritt wäre anschließend ein Anstieg über das lokale Hoch von August bei rund 565 Dollar.

Nvidia spielt dabei heute Abend die Hauptrolle. Starke Zahlen könnten die Dynamik neu entfachen. Schwache Zahlen würden dagegen bestätigen, dass Anleger bei KI-Aktien zu Recht Gewinne mitnehmen.
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