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Kevin Warsh bleibt seinem wortkargen Stil treu, obwohl ihm der Anleihemarkt zuletzt deutlich widersprochen hat. Der neue Vorsitzende der US-Notenbank ließ vergangene Woche offen, was er mit den Zinsen vorhat. Anleger quittierten das umgehend.

Davon rückt er nicht ab.

Anleihemarkt quittiert das Schweigen

Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen stieg vergangene Woche auf den höchsten Stand seit 2007. Nach der Zinssitzung, bei der der Leitzins zum fünften Mal in Folge unverändert blieb, fehlte Anlegern Orientierung, wie Warsh die Inflation eindämmen will.

Angefacht wurde sie durch Präsident Donald Trumps Krieg mit Iran, der wegen der blockierten Straße von Hormus die Energiepreise steigen ließ. Das bevorzugte Inflationsmaß der Notenbank lag im Juni bei 3,7 Prozent.

Das Ziel liegt bei 2 Prozent. Es wird seit mehr als fünf Jahren verfehlt.

Eine Anleihe zahlt einen festen Kupon, mitunter über dreißig Jahre. Wer daran zweifelt, dass diese Vergütung künftig noch ausreicht, verkauft. Fällt der Preis, steigt automatisch die Rendite.

Anleger verlangen nun eine höhere Rendite, weil sie nicht wissen, welchen Kurs Warsh einschlagen will. Das ist etwas anderes als die Angst vor einer entgleisenden Inflation.

Investoren sichern sich über sogenannte Inflationsswaps gegen Teuerung ab; deren Preise zeigen, womit sie rechnen. Für die Jahre ab 2031 erwarten sie im Schnitt 2,4 Prozent. Das liegt nahe am Ziel der Notenbank. Der Markt glaubt also an das Ziel. Nicht aber an den Weg dorthin.

Die höheren Renditen wirken in die übrige Wirtschaft hinein. Hypotheken in den USA werden teurer, Unternehmen zahlen mehr für Kredite. Damit übernimmt der Markt einen Teil der Straffung, für die Warsh sonst selbst eine Zinserhöhung bräuchte.

Auch Gold und Bitcoin (BTC) spüren das. Beide werfen keine Zinsen ab. Wer sie hält, verzichtet auf die Rendite einer sicheren Staatsanleihe. Je höher diese Rendite, desto teurer wird dieser Verzicht.

Auch Wachstumsaktien geraten dadurch unter Druck. Ihre Gewinne liegen vor allem in der ferneren Zukunft und fallen bei höheren Zinsen in der heutigen Bewertung weniger stark ins Gewicht.

Was will Kevin Warsh erreichen?

Warsh will den Markt weniger eng führen. Er streicht die Forward Guidance, also die Praxis der Notenbank, vorab Hinweise auf künftige Zinsschritte zu geben. Damit erhalten Währungshüter mehr Spielraum, ihren Kurs zu ändern.

Aus seiner Sicht verfingen sich seine Vorgänger in den eigenen Aussagen und stellten mehr in Aussicht, als sie einlösen konnten. Jerome Powell, Janet Yellen und Ben Bernanke erläuterten ihre wirtschaftlichen Erwartungen dagegen ausführlich.

Warsh verließ die Fed 2011 nach fünf Jahren im Führungsgremium und kritisiert diesen Ansatz seither. Er hofft, dass Anleger nun stärker auf die Wirtschaftsdaten achten und weniger auf die Formulierungen der Notenbanker.

Jackson Hole soll Zweifel ausräumen

Personen aus seinem Umfeld sagen, Warsh sei bereit, die Zinsen im September anzuheben, sollten die Inflationsdaten der kommenden Wochen enttäuschen. Der Futuresmarkt beziffert die Wahrscheinlichkeit dafür auf etwa 55 Prozent, wie Daten der CME Group zeigen.

Vor der Sitzung der vergangenen Woche lag diese Wahrscheinlichkeit noch bei 33 Prozent. Den gleichen informierten Kreisen zufolge räumt Warsh ein, in seinen ersten zehn Wochen Fehler gemacht zu haben.

Er habe seine Botschaft zur Preisstabilität zu selten wiederholt und mit seinen Plänen zur Reform der Notenbank für Verwirrung gesorgt.

Torsten Sløk, Chefökonom des Vermögensverwalters Apollo Global Management, nimmt ihn in Schutz.

„Warsh wurde vergangene Woche unfair beurteilt. Schon zuvor hatte sich zunehmend die Auffassung durchgesetzt, dass Forward Guidance kein überzeugendes Instrument ist, weil sie Zentralbanken zu wenig Spielraum lässt.“

Sløk findet allerdings, Warsh müsse besser erklären, wie er die Inflation senken will. Gelegenheit dazu bekommt er später in diesem Monat in Jackson Hole, wo er seine erste große Rede als Fed-Vorsitzender hält.

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