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Die Renditen europäischer Staatsanleihen sind heute weiter gestiegen, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen erhöht und vor anhaltender Inflation gewarnt hatte. Hohe Energiepreise infolge des Kriegs im Nahen Osten treiben Anleger aus Staatsanleihen, während der Markt ohnehin seit Längerem unter steigenden Defiziten und wachsenden Schuldenbergen leidet.

EZB treibt Anleiherenditen nach oben

Die EZB erhöhte heute den Einlagenzins, also den Zinssatz, den Banken für ihre Guthaben bei der Zentralbank erhalten, auf 2,5 Prozent. Die Rendite zweijähriger Bundesanleihen in Deutschland, der größten Volkswirtschaft Europas, sprang daraufhin auf 3,19 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit fast drei Jahren.

Händler rechnen bis Mitte kommenden Jahres mit drei weiteren Zinserhöhungen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte, die Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine hätten den Aufwärtsdruck auf die Energiepreise weiter verstärkt.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt bei rund 3,45 Prozent, dem höchsten Stand seit 2011. Bis Anfang 2022 hatte sie noch unter null gelegen.

Der übrige europäische Markt zieht mit. Die niederländische Zehnjahresrendite liegt bei rund 3,5 Prozent, ebenfalls dem höchsten Niveau seit 2011, Spanien zahlt knapp 3,9 Prozent.

Frankreich und Italien müssen inzwischen mehr als 4,25 Prozent zahlen. Für Frankreich ist das der höchste Stand seit 2008.

Außerhalb der Eurozone gerieten heute britische Staatsanleihen am stärksten unter Druck. Die britische Zweijahresrendite stieg um 14 Basispunkte auf 4,84 Prozent, die Dreißigjahresrendite erreichte mit 5,92 Prozent den höchsten Stand seit 1998.

Selbst als die EZB 2024 und 2025 die Zinsen senkte, stiegen die langfristigen Renditen weiter. Der Grund ist die Risikoprämie: der zusätzliche Ausgleich, den Anleger verlangen, wenn sie ihr Geld über längere Zeit binden.

Das Prinzip ähnelt einer Hypothek. Eine Zinsbindung über zwanzig Jahre kostet mehr als eine über ein Jahr, weil in der Zwischenzeit mehr schiefgehen kann.

Das größte Risiko bleibt die Inflation. Steigen die Preise stärker als erwartet, verliert eine Anleihe mit festem Zins an Wert. Teure Energie macht dieses Risiko wieder greifbar.

Zudem wächst das Angebot, weil Staaten mehr Geld für Verteidigung und Infrastruktur aufnehmen, während die EZB keine Anleihen kauft. Zusätzlich treiben Techkonzerne die Kapitalkosten, weil sie Milliarden für ihre KI-Rechenzentren aufnehmen.

Ed Hutchings, Zinschef bei Aviva Investors, hält die Marktreaktion für überzogen. Nach zwei bereits erfolgten Zinsschritten und mehr als zwei weiteren eingepreisten Erhöhungen könne der Markt durchaus zu weit gelaufen sein, sagte er.

Schwache Schuldner zahlen die Rechnung

Länder mit hoher Staatsverschuldung spüren das am stärksten. Nach Angaben von Eurostat liegt die Schuldenquote Griechenlands bei 143,5 Prozent der Wirtschaftsleistung, die Italiens bei 138,9 Prozent.

Frankreich folgt mit 117,6 Prozent, Belgien mit 109,1 Prozent. Die Niederlande stehen mit 43,8 Prozent deutlich solider da.

Der Mechanismus ist einfach: Auslaufende Anleihen werden durch neue Papiere zu den aktuellen Zinsen ersetzt. Wächst die Wirtschaft langsamer als der Zinssatz, steigt die Schuldenquote von selbst.

Frankreich steht besonders im Fokus. Der Renditeabstand zu Deutschland weitete sich auf 91 Basispunkte aus, also Hundertstel eines Prozentpunkts, und erreichte damit den höchsten Stand seit 2012. Anleger misstrauen dem französischen Defizit und der politischen Unruhe.

Lagarde bezeichnete die steigenden Anleiherenditen als „kein spezifisches Problem des Euroraums“. Damit liegt sie richtig: Die Rendite dreißigjähriger US-Staatsanleihen liegt mit 5,34 Prozent auf dem höchsten Niveau seit 2007, und in Japan erreichte die Zehnjahresrendite Anfang September den höchsten Stand seit 1996. Das asiatische Land trägt eine Staatsverschuldung von mehr als dem Doppelten seiner Wirtschaftsleistung.

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