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Fed-Vorsitzender Kevin Warsh hat nach dem Zinsentscheid vom Mittwoch ein Missverständnis unmissverständlich ausräumen wollen: die Annahme, die Fed werde nach fünf Jahren zu hoher Inflation stillschweigend ein höheres Inflationsziel akzeptieren. „Es gibt kein aufgeweichtes Inflationsziel“, sagte er. „Unser Ziel bleibt zwei Prozent.“
Die Notenbank werde dabei nicht nachgeben, sagte Warsh. Zugleich räumte er ein, dass gut fünf Jahre über dem Ziel „nicht in neun Wochen“ zu beheben seien – und ebenso wenig durch einen einzelnen Monat mit moderat sinkenden Preisen.
Die Pressekonferenz folgte auf den Beschluss, den Leitzins zum fünften Mal in Folge unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent zu belassen. Auffällig war die Abstimmung von 9 zu 3, bei der drei Mitglieder für eine sofortige Anhebung stimmten. Warsh bezeichnete die Wirtschaft als bemerkenswert widerstandsfähig: mit solidem Wachstum, einem Arbeitsmarkt, der mit der Erwerbsbevölkerung Schritt halte, und einer Inflation, die weiterhin über dem Ziel liege.
Ein auffälliger Teil der Pressekonferenz drehte sich um den kräftigen Anstieg der Anleiherenditen seit der vorigen Fed-Sitzung. Warsh zufolge sind sowohl die nominalen als auch die realen Renditen in den vergangenen 42 Tagen über nahezu die gesamte Zinskurve hinweg stark gestiegen. Einige Bewegungen zählten seiner Ansicht nach sogar zu den größten Ausschlägen zwischen zwei Zinssitzungen der vergangenen 20 Jahre.
Warsh sieht darin keinen Anlass zur Sorge, sondern ein Zeichen dafür, dass die Finanzmärkte wieder stärker auf wirtschaftliche Entwicklungen reagieren. Seit die Fed keinen klaren Ausblick auf ihren Zinskurs mehr gebe, preisten Anleger neue Konjunkturdaten wieder eigenständig an den Anleihemärkten ein.
Nach Warshs Einschätzung reagieren Anleger wieder stärker auf Wirtschaftsdaten und weniger auf Signale der Notenbank. Das hält er für eine gesunde Entwicklung. „Die Fed muss nicht immer im Zentrum des Marktgeschehens stehen“, sagte er.
Die höheren Anleiherenditen verteuern Kredite für Verbraucher und Unternehmen – auch ohne dass die Fed den offiziellen Leitzins anhebt. Warsh zufolge zeigt die jüngste Entwicklung, dass die Finanzmärkte zunehmend eigenständig auf Wirtschaftsdaten reagieren, statt fortlaufend auf Signale der Notenbank zu warten.
Ein zweites zentrales Thema der Pressekonferenz war die Investitionswelle rund um künstliche Intelligenz. Warsh zufolge zählt das starke Wachstum der Unternehmensinvestitionen derzeit zu den auffälligsten Merkmalen der US-Wirtschaft. Er verwies darauf, dass die Ausgaben für KI-bezogene Software und Ausrüstung im Jahresvergleich um fast 20 Prozent gestiegen sind.
Gleichzeitig warnte er, die Fed prüfe, ob diese Investitionswelle auch zu höherer Inflation beitragen könne. Für ein abschließendes Urteil sei es noch zu früh. „Wir müssen aufpassen, nicht nur auf das zu schauen, was gerade am stärksten ins Auge fällt“, sagte er.
Damit bezog er sich auf die Frage, ob die steigenden Preise für KI-Chips und Infrastruktur tatsächlich einen breiteren Inflationstrend widerspiegeln – oder vor allem deshalb so viel Aufmerksamkeit erhalten, weil der KI-Sektor derzeit stark im Fokus steht.
Für Anleger ist das ein wichtiges Signal. Die Fed erkennt an, dass die KI-Investitionen inzwischen groß genug sind, um die US-Wirtschaft zu beeinflussen. Zugleich beobachtet die Notenbank mögliche Folgen für die Inflation genau, weil diese letztlich auch die Zinspolitik beeinflussen könnten.
Zum Schluss machte Warsh deutlich, dass die Fed vorerst keine endgültigen Schlüsse zieht. Die kommenden Wirtschaftsdaten, darunter die Wachstumszahlen und die PCE-Inflation, die am Donnerstag veröffentlicht werden, werden ihm zufolge eine wichtige Rolle bei der nächsten Zinssitzung spielen.
Der Dollar legt deutlich zu, nachdem die Fed den Leitzins angehoben und eine weitere Erhöhung signalisiert hat. Die Inflation bleibt die größte Sorge.
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