Während die Finanzmärkte auf eine Lockerung der US-Zinspolitik hoffen, meldet sich eine der weltweit größten Banken mit einer überraschenden Einschätzung zu Wort. JPMorgan erwartet, dass die Federal Reserve (Fed) in diesem Jahr keine Zinssenkungen vornehmen wird. Warum?
JPMorgan sieht erst 2027 Platz für Zinserhöhung
Laut einer Analyse von JPMorgan, die der Nachrichtenagentur Reuters vorlag, bleibt der US-Leitzins in diesem Jahr innerhalb der aktuellen Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent stabil. Die nächste Maßnahme der Fed könnte sogar eine Zinserhöhung sein, allerdings erst im dritten Quartal 2027.
Das bedeutet, dass im gesamten Jahr 2026 keine Änderung der Zinspolitik erwartet wird. Schlechte Nachrichten für Aktien und Krypto, da niedrigere Zinsen das Leihen günstiger machen und zu mehr Liquidität führen, die in der Regel in risikoreiche Anlagen fließt.
JPMorgan stützt seine Einschätzung auf die Erwartung, dass der US-Arbeitsmarkt weiter anzieht, während die Inflation nur allmählich sinkt. „Wir erwarten, dass der Arbeitsmarkt im zweiten Quartal 2026 wieder an Stärke gewinnt und der Desinflationsprozess sehr allmählich verläuft“, so die Analysten der Bank.
Eine Zinssenkung wird laut der Bank erst in Erwägung gezogen, wenn sich die Beschäftigungslage plötzlich verschlechtert oder die Inflation deutlich sinkt.
Märkte bleiben optimistisch über Zinssenkung
Der vorsichtige Ton von JPMorgan folgt auf die Veröffentlichung starker US-Beschäftigungsdaten. Trotz einer leichten Abkühlung im Dezember sank die Arbeitslosigkeit auf 4,4 Prozent, während die Löhne deutlich anstiegen. Das deutet auf einen robusten Arbeitsmarkt hin, der laut vielen Ökonomen Raum bietet, das aktuelle Politik länger fortzuführen.
Dennoch weicht diese Analyse vom Gefühl vieler Experten ab. Investoren wie Cathie Wood erwarten, dass die Fed gerade weiter lockern wird, auch aufgrund sich ändernder politischer Verhältnisse.
Im Mai tritt ein neuer Vorsitzender der Fed an und Präsident Donald Trump will jemanden in dieser Position, der seine Wünsche nach niedrigeren Zinsen unterstützt.
Inzwischen eskalieren die Spannungen zwischen Präsident Trump und dem aktuellen Fed-Vorsitzenden Jerome Powell. Trump erhöht den Druck nach wiederholter Kritik an der Zinspolitik der Zentralbank. Mittlerweile hat das US-Justizministerium sogar ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen Powell eingeleitet.
Übrigens begann die Fed im Dezember mit einer ersten Form der quantitativen Lockerung. Die Zentralbank kauft seitdem monatlich für 40 Milliarden Dollar kurzfristige Staatsanleihen.
Das sorgt für zusätzliche Liquidität im Finanzsystem, was Investitionen in risikoreiche Vermögenswerte wie Bitcoin (BTC) attraktiver macht. Doch in der Vergangenheit, etwa während der Corona-Pandemie, pumpte die Zentralbank wesentlich größere Summen ins System.
Anleger halten Hoffnung auf Senkung
Laut dem CME FedWatch-Tool schätzen Händler die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Januar auf nur 5 Prozent. Doch über das gesamte Jahr 2026 hinweg sieht das Bild anders aus: Der Terminmarkt preist derzeit zwei Zinssenkungen von jeweils 25 Basispunkten (0,25 Prozentpunkte) ein.
Glaubt man den Anlegern, so würde der Zinssatz Ende 2026 in einer Spanne von 3 bis 3,25 Prozent liegen.
Außerdem steht heute noch eine entscheidende Veröffentlichung bevor. Die US-amerikanischen CPI-Daten, das heißt die Inflationsrate, die zeigt, wie stark die Preise von Alltagsprodukten steigen, werden bekannt gegeben und könnten die Zinserwartungen erneut verändern. Um 14:30 Uhr wissen wir mehr.
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