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Ein Handelsprodukt, das bislang vor allem aus dem Kryptomarkt bekannt ist, könnte bald am US-Aktienmarkt Fuß fassen. Die Prognoseplattform Kalshi will Händler über sogenannte Perpetual Futures auf Aktien großer Unternehmen spekulieren lassen, berichtet The Wall Street Journal.

Unter anderem Tesla, Apple und Nvidia stehen auf der Liste. Anleger könnten mit diesen Kontrakten rund um die Uhr handeln und dabei Hebel einsetzen. Genau diese Kombination weckt Sorgen vor hohen Verlusten bei Privatanlegern.

Kalshi plant Dutzende neue Perpetual Futures

Kalshi will nach Angaben von mit den Plänen vertrauten Personen bei den US-Aufsichtsbehörden eine Genehmigung beantragen. Das Unternehmen möchte rund 60 Perpetual Futures anbieten, die an beliebte börsennotierte Fonds und Einzelaktien gekoppelt sind.

Dabei konzentriert sich Kalshi auf Unternehmen mit einem Börsenwert von mindestens 100 Milliarden Dollar. Tesla, Apple und Nvidia gehören zu den Aktien, für die solche Kontrakte geplant sind.

Perpetual Futures, oft kurz Perps genannt, ähneln klassischen Terminkontrakten, haben aber kein Laufzeitende. Händler müssen ihre Position daher nicht zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt schließen.

Hinzu kommt, dass Händler Hebel einsetzen können. Damit lässt sich mit vergleichsweise wenig Eigenkapital eine deutlich größere Position eröffnen. Läuft der Kurs in die gewünschte Richtung, kann das die Gewinne erhöhen. Bewegt sich der Markt dagegen in die andere Richtung, wachsen auch die Verluste deutlich schneller.

Im Kryptomarkt haben diese Produkte stark an Bedeutung gewonnen. Auf der Kryptoplattform Hyperliquid stieg das gesamte Handelsvolumen mit Perpetual Futures auf Einzelaktien nach Daten von Blockworks Research von 4 Milliarden Dollar zu Jahresbeginn auf 212 Milliarden Dollar.

Krypto ebnete in den USA den Weg

Der Schritt von Kalshi kommt nicht völlig überraschend. Ende Mai erhielten Kalshi und die Kryptobörse Coinbase die Erlaubnis, die ersten echten Perpetual Futures in den Vereinigten Staaten anzubieten. Diese Kontrakte waren an Kryptowährungen gekoppelt.

Die Handelsvolumen zogen anschließend rasch an. Kalshi erweiterte das Angebot am Donnerstag zudem um Perpetual Futures auf Gold und Silber. Auch dabei handelt es sich der Quelle zufolge um die ersten regulierten Produkte dieser Art in den Vereinigten Staaten.

Nun rücken Aktien in den Fokus. Auch Coinbase hat Unterlagen eingereicht, die den Weg für Perpetual Futures auf Einzelaktien ebnen könnten.

Für den US-Markt ist das rechtlich komplizierter. Futures auf Einzelaktien gelten nämlich als sogenannte Security Futures. Unternehmen, die solche Produkte anbieten wollen, benötigen deshalb die Zustimmung sowohl der Securities and Exchange Commission (SEC) als auch der Commodity Futures Trading Commission (CFTC).

Kalshi kann seine Pläne damit nicht ohne Weiteres umsetzen. Beide Aufsichtsbehörden müssen grünes Licht geben, bevor der Handel starten kann.

Sorge vor hohen Verlusten bei Anlegern

Nicht alle begrüßen die neuen Handelsprodukte. Kritiker verweisen vor allem auf die Kombination aus Hebelhandel, durchgehendem Handel und fehlendem Laufzeitende.

Zudem arbeiten Perpetual Futures mit sogenannten Funding Rates. Das sind periodische Zahlungen zwischen Händlern, die dafür sorgen sollen, dass der Preis des Kontrakts nahe am Kurs der zugrunde liegenden Aktie bleibt.

Nach Ansicht von Kritikern können die Kontrakte bei heftigen Marktbewegungen Verluste verstärken. Benjamin Schiffrin, Leiter des Bereichs Wertpapierregulierung bei Better Markets, vergleicht die Produkte mit börsengehandelten Fonds, die mit Hebel auf eine einzelne Aktie setzen. Solche Produkte haben Privatanlegern bereits hohe Verluste beschert.

„Aus meiner Sicht besteht schlicht die Gefahr enormer Verluste, vor allem für Privatanleger“, sagte Schiffrin. „Es geht um Handel rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Solche Wetten lassen sich damit jederzeit neu eingehen.“

Kalshi weist zurück, dass die Produkte unverhältnismäßig riskant seien. Risikochef Udesh Jha argumentiert vielmehr, dass Funding Rates das Risiko von Abwärtsspiralen verringern könnten. Das fehlende Laufzeitende bedeute seiner Ansicht nach außerdem nicht automatisch, dass Anleger mehr Hebel einsetzen.

Jha zufolge bieten die Perpetual Futures von Kalshi denselben Hebel wie klassische US-Derivatebörsen.

Unterdessen läuft bereits ein Rechtsstreit über die amerikanischen Perpetual Futures. Der Börsenbetreiber CME Group verklagte die CFTC im Juni wegen der Genehmigung der Kalshi-Produkte. CME argumentiert, die Aufsichtsbehörde habe die Kontrakte zu Unrecht als Futures und nicht als Swaps eingestuft.

Kalshi, Coinbase und die CFTC sehen in der Klage dagegen einen Angriff auf den Wettbewerb im Markt. Die CFTC hat inzwischen beantragt, die Klage abzuweisen.

Crypto.com-Chef Kris Marszalek hält es für richtig, dass US-Aufseher den Produkten Raum geben. Seiner Ansicht nach nutzen Amerikaner Perpetual Futures auf Aktien bereits heute über ausländische, unregulierte Handelsplattformen.

„Es ist sinnvoll, dass beide Aufsichtsbehörden zusammenarbeiten und ermöglichen, dass dieser Handel in den Vereinigten Staaten stattfindet – in einem besser kontrollierten Umfeld, das Verbraucher schützt“, sagte Marszalek.

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