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Zehn Jahre lang kannte Jane Street praktisch nur eine Richtung: nach oben. Monat für Monat verdiente das US-Handelshaus Milliarden mit den ultraschnellen Transaktionen, die es täglich durch die Märkte schleust. Im Juli endete diese Serie abrupt. Das Unternehmen verlor rund 15 Milliarden Dollar, umgerechnet etwa 12,9 Milliarden Euro, wie Bloomberg unter Berufung auf eine mit der Sache vertraute Person berichtet.

Der Rückschlag hatte zwei Ursachen: fehlgeschlagene Positionen an asiatischen Aktienmärkten und Probleme bei Situational Awareness, einem KI-Hedgefonds, in den Jane Street investiert hat. Besonders heikel: Der Verlust fiel genau in die Wochen, in denen das Handelshaus selbst Anleihen im Milliardenvolumen platzierte.

Der KI-Fonds, der Jane Street ins Wanken brachte

Der wichtigste Belastungsfaktor war Situational Awareness, ein Hedgefonds, der stark auf Anlagen rund um künstliche Intelligenz setzt. Als mehrere KI-Positionen im Juli deutlich einbrachen, wurde der Fonds mit Margin Calls konfrontiert: Er musste also zusätzliches Kapital oder Sicherheiten nachschießen, weil Positionen rasch an Wert verloren.

Um diese Anforderungen zu erfüllen, griff der Fonds zu einer Notlösung. Er verkaufte einen großen Teil seines börsennotierten Aktienportfolios an Citadel, das Handelsimperium des Milliardärs Ken Griffin. Damit wurde der Schaden begrenzt, das verwaltete Vermögen schrumpfte jedoch erheblich.

Jane Street bekam den Rückschlag unmittelbar zu spüren. Nach Angaben des Handelshauses liegt der Wert seiner Beteiligung an dem Fonds nach dem Kursrutsch wieder ungefähr auf dem Niveau vom Jahresanfang; gemessen an der ursprünglichen Investition steht sie weiterhin im Plus. Zusammen mit den Verlusten aus den Asien-Positionen reichte das jedoch für den ersten Verlustmonat seit rund einem Jahrzehnt.

„Der Juli war ein schwacher Monat“, schrieb Jane-Street-Partner Turner Batty in einer internen Mitteilung. Für ein Unternehmen, das zehn Jahre lang praktisch keine Verluste kannte, wirkt diese Untertreibung fast wie ein Stilmittel.

Weniger Risiko, schlechtes Timing

Der Rückschlag kam zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Jane Street arbeitete gerade an einer Anleiheemission über 14,6 Milliarden Dollar, um seine Schuldenstruktur neu zu ordnen; den Verlust musste das Unternehmen also ausgerechnet jenen Investoren erklären, bei denen es frisches Kapital einsammelte. Die Emission lief dennoch wie geplant weiter, unter den Käufern waren große Namen wie Pimco, Capital Group und Fidelity.

Intern zog Jane Street Konsequenzen. Das Unternehmen hat einen Großteil der Positionen in jenen Märkten geschlossen, in denen es im Juli Verluste erlitt, und agiert auch in anderen Strategien vorsichtiger. Besonders bitter: Ausgerechnet die asiatischen Märkte, in denen Jane Street falsch positioniert war, erholten sich in dieser Woche spektakulär; der Kospi liegt wieder im Bullenmarkt.

Trotzdem wird es ein Rekordjahr

So heftig der Rückschlag war, so fast unwirklich bleibt die Perspektive. Jane Street hat in diesem Jahr bereits mehr als 40 Milliarden Dollar an Netto-Handelserträgen erzielt. Damit verdiente das Unternehmen in gut einem halben Jahr mehr als im gesamten Jahr 2025, als es mit dem Rekordwert von 39,6 Milliarden Dollar sogar Wall-Street-Schwergewichte wie Goldman Sachs und JPMorgan hinter sich ließ.

Jane Street verdient sein Geld vor allem als Market Maker: Das Unternehmen verarbeitet enorme Mengen an Transaktionen und profitiert von minimalen Preisunterschieden, tausende Male pro Sekunde. Daneben investiert es direkt in Unternehmen, darunter KI-Firmen wie Anthropic und CoreWeave.

Damit liefert Jane Street vielleicht den besten Beleg für die Lektion, die die Märkte in diesem Sommer immer wieder lernen: Mit KI lässt sich enorm viel verdienen – und enorm viel verlieren. Manchmal beides im selben Unternehmen, im selben Monat.

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