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Eine Prüfung von Smart Contracts reicht institutionellen Anlegern nicht mehr aus, um ein Blockchainprojekt als sicher einzustufen. Professionelle Investoren achten zunehmend auf die laufende Sicherheit eines Projekts. Genau dort liegen offenbar die größten Risiken.
Das geht aus dem Security & Compliance Report des Sicherheitsunternehmens Hacken für das zweite Quartal 2026 hervor. Investoren schauen nicht mehr nur auf den Code eines Projekts, sondern auch auf Themen wie Zugriffsmanagement, Sicherheitsprozesse und den Umgang einer Organisation mit Cyberangriffen.
Für die Untersuchung analysierte Hacken 1.427 Blockchainprojekte mit einer Marktkapitalisierung von mindestens 1 Million Dollar. Demnach nutzen nur neun Prozent eine kontinuierliche Sicherheitsüberwachung durch einen unabhängigen Anbieter. Lediglich vier Prozent kombinieren diese mit einem Sicherheitsaudit und einem aktiven Bug-Bounty-Programm, bei dem ethische Hacker für Hinweise auf Schwachstellen belohnt werden.
Im zweiten Quartal wurden bei Sicherheitsvorfällen rund 764 Millionen Dollar erbeutet. Auffällig ist, dass 88,3 Prozent der Schäden nicht auf Fehler in Smart Contracts zurückgingen. Die meisten Angriffe entstanden durch gestohlene Zugangsschlüssel oder durch Schwachstellen in der zugrunde liegenden Infrastruktur.
Nach Einschätzung von Hacken zeigt das, dass ein positives Audit keinen verlässlichen Schutz eines Blockchainprojekts garantiert.
Projekte, die ihre laufende Sicherheit nicht überzeugend nachweisen können, riskieren daher, institutionelle Investoren abzuschrecken. Das kann zu geringeren Investitionen, höheren Versicherungsprämien und größeren Hürden bei der Zusammenarbeit mit professionellen Marktteilnehmern führen.
Federico Bagiotti, Head of Risk Management bei Abraxas Capital und Mitautor des Berichts, zufolge ist unzureichende Sicherheit regelmäßig ein zentraler Grund, eine Investition abzulehnen – selbst wenn ein Projekt in anderen Bereichen attraktiv wirkt.
Auch Rajeev Bamra, Head of Digital Economy Strategy bei Moody’s Ratings, beobachtet diese Entwicklung. Operative Widerstandsfähigkeit sei inzwischen zu einem der wichtigsten Faktoren bei der Bewertung von Sicherheit und Risikomanagement geworden.
Während ein Audit von Smart Contracts früher oft ausreichte, prüfen institutionelle Anleger heute deutlich mehr. Sie wollen etwa wissen, wer Transaktionen freigeben kann, wie abhängig ein Projekt von externen Dienstleistern ist, wie schnell Sicherheitsvorfälle behoben werden und welche Maßnahmen Missbrauch von Zugriffsrechten verhindern sollen.
Abraxas Capital prüft außerdem, ob Projekte Zeitsperren für wichtige Änderungen, Whitelists für Auszahlungsadressen und Freigaben durch mehrere Parteien nutzen – und ob kritische Prozesse von einem einzigen Schlüssel oder Validator abhängen.
Nicht nur Anleger stellen strengere Anforderungen. Auch Aufsichtsbehörden legen zunehmend Wert auf operative Sicherheit. Nach Angaben von Jody Mettler, Chief Operating Officer von BitGo, fragen institutionelle Kunden immer häufiger nach Zugriffsmanagement, Reaktion auf Sicherheitsvorfälle und der Kontinuität von Verwahrdienstleistungen. Diese Entwicklung steht auch im Zusammenhang mit dem europäischen Digital Operational Resilience Act (DORA), der höhere Anforderungen an die digitale Widerstandsfähigkeit von Finanzinstituten stellt.
Eine auffällige Erkenntnis des Berichts: Vierzehn Blockchainprojekte, die im zweiten Quartal angegriffen wurden, hatten zuvor bereits ein Sicherheitsaudit bestanden. Die Angriffe erfolgten also nicht über die Smart Contracts selbst, sondern über Geräte von Signern, Bridge-Validatoren, Backend-Systeme, Administratorschlüssel und veraltete Verträge, die weiterhin aktiv waren.
Für die Untersuchung betrachtete Hacken ausschließlich Assets, die auf den fünfzig größten zentralisierten Handelsplattformen nach dem CoinGecko Trust Score gelistet sind. Wrapped Assets, Stablecoins und tokenisierte Realwerte wurden nicht berücksichtigt. Die Forscher weisen darauf hin, dass nur öffentlich verfügbare Sicherheitsmaßnahmen einbezogen wurden. Interne oder private Sicherheitsvereinbarungen sind daher möglicherweise nicht in die Analyse eingeflossen.
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