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Japan scheint der wirtschaftlichen Flaute zu entkommen, die das Land fast drei Jahrzehnte lang geprägt hat. Laut David Lebovitz, Stratege bei JPMorgan Asset Management, zeigt die japanische Wirtschaft erstmals seit Jahrzehnten wieder ein klares nominales Wachstum.
Für Japan ist das zunächst eine gute Nachricht. Die Erholung könnte jedoch auch Folgen für den Kryptomarkt haben. Höhere Zinsen in Japan beenden eine wichtige Quelle billigen Geldes, von der Anleger in Bitcoin (BTC) und andere riskante Anlagen jahrelang profitiert haben.
Nach dem Platzen der japanischen Immobilien- und Aktienblase um 1990 litt das Land jahrzehntelang unter schwachem Wachstum und niedriger Inflation. Die Bank of Japan hielt die Zinsen deshalb jahrelang nahe null und führte später sogar Negativzinsen ein.
Dadurch wurde der Yen für sogenannte Carry Trades attraktiv. Anleger nehmen dabei günstige Kredite in japanischen Yen auf und investieren das Geld anschließend in Anlagen mit höherer Rendite, etwa US-Staatsanleihen, Technologieaktien oder Krypto.
Nun zieht die japanische Wirtschaft an, und die Inflation steigt. Damit verändert sich die Lage. Der Leitzins liegt inzwischen bei 1 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit mehr als drei Jahrzehnten. Der starke Preisdruck im Juli erhöht zudem die Wahrscheinlichkeit, dass die Bank of Japan den Zins im September auf 1,25 Prozent anhebt.
Jede Zinserhöhung verteuert Kredite in Yen. Damit verliert der Carry Trade an Attraktivität.

Auch der schwache Yen spielt eine wichtige Rolle. Der Wechselkurs stieg zuletzt auf fast 164 Yen je Dollar. Das ist der höchste Stand seit rund vierzig Jahren. Je höher dieser Wechselkurs liegt, desto schwächer ist die japanische Währung.
Japan und die Vereinigten Staaten intervenierten daraufhin gemeinsam, um den Yen zu stützen. Der Wechselkurs erholte sich zunächst in Richtung 155 je Dollar, schwächte sich danach aber wieder auf über 159 ab.
Höhere Zinsen können langfristig helfen, die Währung zu stärken. Zugleich entstehen dadurch neue Risiken. Japanische Banken und Versicherer halten enorme Bestände an Staatsanleihen. Steigen die Zinsen, verlieren bestehende Anleihen an Wert, und die Buchverluste nehmen weiter zu.
Für Krypto liegt das größte Risiko in einer plötzlichen Auflösung von Carry Trades. Wenn Kredite in Yen teurer werden und die Währung zugleich weiter an Wert verliert, könnten Anleger Auslandsanlagen verkaufen, um ihre Yen-Schulden zurückzuzahlen.
Das war bereits 2024 in großem Umfang zu beobachten. Eine unerwartete Zinserhöhung der Bank of Japan ging damals mit starkem Verkaufsdruck bei Aktien und Bitcoin einher.

Noch ist es nicht so weit. Der Zinsabstand zwischen Japan und den Vereinigten Staaten bleibt groß, weshalb Carry Trades weiter attraktiv sind. Eine weitere Zinserhöhung könnte diesen Abstand jedoch verringern und die Finanzmärkte erneut unter Druck setzen.
Für Japan markiert die Rückkehr des Wirtschaftswachstums eine historische Wende. Für Anleger ist sie vor allem ein Signal, dass die Ära extrem billigen japanischen Geldes langsam zu Ende geht.
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