Kryptowährungen und Blockchain-Technologie werden seit Jahren als potenzielle Revolution für den Finanzsektor angesehen. Dennoch bleibt eine echte großflächige Anwendung in traditionellen Märkten weiterhin aus. Nach Ansicht einer Gruppe großer Finanzinfrastrukturunternehmen fehlt noch ein entscheidendes Element, bevor digitale Vermögenswerte wirklich durchbrechen können.
Große Finanzakteure verweisen auf fehlendes Bindeglied
Laut einem neuen Bericht dreier Unternehmen, The Depository Trust & Clearing Corporation (DTCC), Clearstream, Euroclear und Boston Consulting Group (BCG), liegt der Schlüssel in der Interoperabilität. Das bedeutet, dass verschiedene Systeme miteinander kommunizieren können müssen.
DTCC, Clearstream und Euroclear sind bedeutende Akteure in der Finanzinfrastruktur, die weltweit Transaktionen in Aktien und Anleihen verarbeiten und aufbewahren. BCG hingegen ist ein international tätiges Beratungsunternehmen.
Es geht nicht nur um die Vernetzung von Blockchains untereinander. Auch traditionelle Banksysteme und Handelsinfrastrukturen für Wertpapiere müssen nahtlos mit Blockchain-Netzwerken zusammenarbeiten können.
Im Bericht wird betont, dass dies für die weitreichende Einführung digitaler Wertpapiere, auch digital asset securities genannt, entscheidend ist. Diese digitalen Versionen von Aktien oder Anleihen könnten laut den Unternehmen zu schnelleren Transaktionen, geringeren Kosten und neuen finanziellen Anwendungen führen.
Ohne die Verbindung zwischen den Systemen bleibt dieses Potenzial jedoch begrenzt.
„Interoperabilität ist der Grundpfeiler für die Akzeptanz und Skalierbarkeit digitaler Assets“, sagt Nadine Chakar, Geschäftsführerin und Leiterin der Digital Assets bei der DTCC. „Die Branche muss sich auf Daten, Standards und ein effektives Risikomanagement konzentrieren, um traditionelle Finanzsysteme sicher mit Blockchain zu verbinden.“
Fragmentierter Markt bremst das Wachstum digitaler Vermögenswerte
Ein wesentliches Problem ist die starke Zersplitterung der aktuellen Blockchain-Welt. Es gibt mittlerweile Dutzende große Netzwerke und Tausende kleinere.
Hinzu kommen verschiedene Ebenen im Ökosystem. Es gibt sogenannte Layer-1-Blockchains wie Ethereum (ETH) und Solana (SOL). Darüber hinaus existieren Layer-2-Lösungen, die auf diesen Netzwerken aufbauen.
Des Weiteren gibt es sowohl öffentliche als auch private Blockchains. Letztere sind abgeschirmte Netzwerke, die von Banken oder Unternehmen genutzt werden.
Der Bericht weist darauf hin, dass das Problem größer wird, da die Diversität im Sektor schneller wächst als je zuvor. Neue Technologien machen es immer einfacher, eigene Blockchains zu erstellen.
Beispielsweise werden sogenannte „Rollup-as-a-Service“-Plattformen erwähnt. Diese Dienste ermöglichen es Institutionen, innerhalb weniger Wochen eine eigene Blockchain zu starten. Das fördert zwar Innovation, erhöht aber auch die Fragmentierung im Markt.
Zusätzlich gibt es eine weitere Herausforderung: Verschiedene Länder haben ihre eigenen Regeln für Krypto und digitale Assets. Das erschwert die globale Zusammenarbeit der Systeme.
Gibt es eine Lösung?
Laut dem Bericht sollte der Finanzsektor auf ein sogenanntes „Network-of-Networks“-Modell hinarbeiten. In einem solchen Modell werden verschiedene Blockchains, traditionelle Bankbuchhaltungssysteme und Systeme von zentralen Wertpapiersammelstellen miteinander verbunden.
Die Forscher definieren Interoperabilität als die Fähigkeit, Assets zwischen verschiedenen digitalen und traditionellen Systemen auszutauschen, ohne dass Eigentum, Sicherheit oder Regulierung gefährdet werden.
Anders ausgedrückt: Eine digitale Anleihe sollte problemlos von einer Blockchain zu einem traditionellen Finanzsystem wechseln können, während alle Rechte und Regeln intakt bleiben. Ohne diese Infrastruktur bleiben Anwendungen wie tokenisierte Aktien oder Immobilien schwer skalierbar in den bestehenden Kapitalmärkten.
Wall Street setzt auf Tokenisierung
Trotz der Herausforderungen sind viele traditionelle Finanzinstitute mittlerweile von ihrer anfänglichen Skepsis gegenüber Blockchain abgerückt. Laut dem weltgrößten Vermögensverwalter BlackRock könnte die Technologie eine bedeutende Rolle in der Zukunft der Finanzmärkte spielen.
BlackRock prognostiziert, dass Tokenisierung eine der größten Entwicklungen im Finanzsektor wird, vergleichbar mit der Bedeutung künstlicher Intelligenz (KI).
Auch die DTCC hat wichtige Schritte unternommen. Ende letzten Jahres erhielt das Unternehmen die Genehmigung der US-amerikanischen Aufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC), um tokenisierte Versionen bestehender Wertpapiere zu testen.
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