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Die starken Quartalszahlen von Nvidia geben der KI-Hausse neuen Rückenwind. Der Konzern bestätigte, dass der Investitionszyklus rund um künstliche Intelligenz weiter auf Hochtouren läuft. Damit bleibt der Kapitalbedarf für Rechenzentren, Chips, Energieinfrastruktur und Software enorm.
Für die US-Wirtschaft ist das von großer Bedeutung. Denn trotz der seit März deutlich gestiegenen Realzinsen ist bislang kein echter Bruch im Wachstum zu erkennen. Im Gegenteil: Die Konjunktur zeigt sich weiterhin bemerkenswert robust.
Realzinsen sind um die Inflation bereinigte Zinsen. Von der nominalen Verzinsung wird die Inflationsrate abgezogen; übrig bleibt der tatsächliche Preis des Kapitals. Er zeigt, welche Rendite Anleger zusätzlich zur Inflation verlangen.
Dieser Preis ist gestiegen. Bislang jedoch nicht stark genug, um die KI-Investitionswelle zu bremsen.
Das zeigt sich auch an den Kreditspreads. Sie geben an, wie viel zusätzliche Zinsen Unternehmen mit schwacher Bonität im Vergleich zum US-Staat zahlen müssen. Gemeint ist etwa der Markt für High-Yield-Anleihen, die auch als Junk Bonds bezeichnet werden.

In der Grafik ist zu sehen, dass dieser Zinsaufschlag auf dem niedrigsten Stand seit 2007 liegt. Das ist ein starkes Signal.
Anleger verlangen kaum eine zusätzliche Prämie für das Risiko, dass schwächere Unternehmen ihre Schulden nicht zurückzahlen können. Der Markt signalisiert damit: Um die Verfassung der Wirtschaft machen sich Investoren vorerst wenig Sorgen.
Nahezu alles deutet auf ein überdurchschnittliches Wachstum in den Vereinigten Staaten hin. Ein wesentlicher Grund ist der KI-Boom, der sich inzwischen zu einem ernst zu nehmenden Konjunkturmotor entwickelt hat.

Damit rückt der heutige Tag in den Fokus. Am Nachmittag spricht Kevin Warsh, der Vorsitzende der US-Notenbank, auf dem Symposium in Jackson Hole.
Die Rede kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Nvidia hat bestätigt, dass der KI-Investitionszyklus noch nicht vorbei ist. Die Wirtschaft läuft stark. Die Aktienmärkte reagieren wieder positiv. Und die Kreditspreads deuten auf wenig Stress hin.
Die Kehrseite ist ein weiterhin erhöhtes Inflationsrisiko. In einem solchen Umfeld müsste Warsh eigentlich einen strafferen Ton anschlagen. Der Markt scheint bislang jedoch der Ansicht zu sein, dass er nicht hart genug aufgetreten ist.
Seit seinen ersten beiden Pressekonferenzen ist die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen deutlich gestiegen.

Trotz des steigenden Ölpreises infolge des Iran-Kriegs und der starken Konjunktur durch KI-Investitionen verzichtete die Fed im Juni und Juli auf Zinserhöhungen.
Danach übernahm gewissermaßen der Markt. Wenn die Fed das Inflationsrisiko nicht mit höheren Leitzinsen bekämpft, verlangen Anleger selbst eine höhere Entschädigung für langfristiges Kapital.
Entscheidend ist, dass die Zinsen noch nicht hoch genug sind, um der Wirtschaft und den Finanzmärkten wirklich wehzutun.
Das zeigt sich auf drei Ebenen.
Deshalb erhält die Rede von Warsh ein so großes Gewicht.
Aktuell rechnet der Markt noch mit rund zwei Zinssenkungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte, gefolgt von einer längeren Phase ohne größere Änderungen. Korrigiert Warsh dieses Bild nicht, könnte das Aktien stützen.
Denn dann bliebe die Geldpolitik nicht restriktiv genug, um die Wirtschaft und KI-Investitionen spürbar zu bremsen.
Das könnte zum wichtigsten Signal werden.
Steigt die Rendite 30-jähriger Anleihen während oder nach der Rede, signalisiert der Markt im Grunde, dass er kaum zusätzliche Straffung durch die Fed erwartet. In diesem Fall verlangen Anleger selbst eine höhere Entschädigung für Inflation, steigende Verschuldung und wirtschaftliche Stärke.
Für Aktien ist es positiv, wenn die Kreditspreads auf historisch niedrigen Niveaus bleiben. Dann bleibt das Signal bestehen, dass Anleger Vertrauen in die Wirtschaft und in die Fähigkeit der Unternehmen haben, ihre Schulden zurückzuzahlen.
Zuletzt gab es zahlreiche Stimmen, die eine Lockerung der Kapitalvorschriften für Banken forderten.
Seit der Krise von 2008 müssen US-Banken große Puffer in Form von Bargeld und sicheren Anleihen halten. Werden diese Regeln gelockert, können Banken mehr Kapital verleihen.
Das bringt mehr Kapital in den Umlauf und kann Abwärtsdruck auf die Zinsen ausüben. Der Ausbau der KI-Infrastruktur würde dadurch zusätzliche Unterstützung erhalten.
Geopolitisch ist das bedeutsam. Die USA wollen das KI-Wettrüsten mit China nicht verlieren. Dafür muss weiterhin reichlich Kapital durch das Finanzsystem fließen.
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