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Nvidia hatte der KI-Investitionswelle bereits in der vergangenen Woche neuen Rückenwind gegeben. Gestern legte Dell nach. Die Quartalszahlen fielen stark aus, die Aktie stieg um rund 8 Prozent – ausgerechnet an einem Tag, an dem der breitere KI-Sektor unter Druck stand.

Die Zahlen von Nvidia und Dell zeigen, dass die Investitionswelle in KI-Infrastruktur noch nicht abebbt. Unternehmen geben weiter Geld für Server, Chips, Rechenzentren und Rechenleistung aus.

Bewiesen ist damit aber noch nicht, dass die Nachfrage nach KI-Rechenleistung am Ende groß genug ist, um all diese Investitionen wirtschaftlich zu rechtfertigen. Das wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.

Öl gibt den Takt vor

Trotz der starken KI-Zahlen bestimmt ein anderes Thema den Markt: Öl. Der Krieg mit Iran ist wieder voll im Fokus, Brent-Öl notiert bei rund 95 Dollar je Barrel.

Donald Trump zufolge ist die Lage unter Kontrolle. Solange aber kaum Schiffe die Straße von Hormus passieren, lässt sich das schwer aufrechterhalten.

Brent-Ölpreis verharrt bei rund 95 Dollar.
Brent-Ölpreis verharrt bei rund 95 Dollar. Quelle: TradingView

Für die Zentralbanken ist das ein Problem. Bleiben die Energiepreise lange genug hoch, schlagen sie irgendwann auf die Inflationsdaten durch. Dadurch steigen die Inflationserwartungen, und Anleger verlangen höhere Renditen für Anleihen.

Für Unternehmen bedeutet das höhere Finanzierungskosten. Genau dort liegt das Risiko für KI-Aktien.

Makroproblem, kein KI-Problem

In der Theorie kann diese Kombination eine kräftige Korrektur bei KI-Aktien auslösen. Höheres Öl, höhere Inflation und höhere langfristige Zinsen sind Gift für Wachstumswerte. Erst recht, wenn die Bewertungen bereits hoch sind und viel künftiges Gewinnwachstum eingepreist ist.

Eine solche Abwärtsbewegung würde ich dennoch vor allem als makroökonomisches Problem sehen. Nicht als Beleg dafür, dass Anleger das Vertrauen in KI verlieren. Die KI-Story ist weiter intakt. Die starken Zahlen von Nvidia und Dell bestätigen, dass die Nachfrage nach Infrastruktur vorerst robust bleibt.

Das ändert sich erst, wenn im KI-Narrativ selbst Risse sichtbar werden. Etwa wenn die Nachfrage nach Rechenleistung enttäuscht, Kunden weniger zahlen wollen oder die Investitionen keine ausreichenden Renditen bringen. Dafür sehe ich derzeit noch keine klaren Hinweise.

Fokus auf Öl und Zinsen

Das heißt nicht, dass die Risiken gering sind. Der weltweite Anstieg der langfristigen Zinsen ist eine ernsthafte Belastung. Setzt sich diese Bewegung fort, kann das aktuelle Makroumfeld dennoch in einen tiefen Bärenmarkt münden.

Vorerst hängt alles an zwei Faktoren.

  1. Der Ölpreis muss sich stabilisieren und idealerweise wieder unter 90 Dollar fallen. Zudem muss die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen einen Höhepunkt erreichen.
  2. Bis dahin bleibt das Umfeld schwierig für Aktien, aber auch für Gold und Bitcoin.

Bitcoin (BTC) stieg im August um fast 25 Prozent. Unter diesen Bedingungen erscheint ein unmittelbarer Ausbruch jedoch weniger wahrscheinlich.

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