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Die Aktie des Chipherstellers Micron Technology (MU) legt am Dienstag an der Wall Street kräftig zu. Anleger zeigen sich bislang wenig beeindruckt von einem Arbeitskonflikt in Taiwan, wo Beschäftigte mit einem Streik drohen. Ausgerechnet dort produziert Micron wichtige Speicherchips für den stark wachsenden KI-Sektor.
Gegen 17.00 Uhr Ortszeit lag die Micron-Aktie rund 3,7 Prozent im Plus bei 1.082 Dollar. Im Handelsverlauf war der Kurs zeitweise sogar auf knapp 1.083 Dollar gestiegen. Damit zeigt sich die Aktie trotz der Unsicherheit rund um einen wichtigen Produktionsstandort robust.
Die Unruhe betrifft Microns Werk in Taoyuan im Nordwesten Taiwans. Die lokale Gewerkschaft fordert eine neue Regelung, nach der die Beschäftigten dauerhaft am Gewinn des US-Chipkonzerns beteiligt werden.
Die Arbeitnehmer verlangen, dass 15 Prozent des weltweiten operativen Gewinns von Micron an die Belegschaft ausgeschüttet werden. Die Gewerkschaft verweist dabei auf die Konkurrenten Samsung Electronics und SK Hynix, die ebenfalls Gewinnbeteiligungsmodelle haben.
Nach zwei Vermittlungsrunden ist lokalen Berichten zufolge noch keine Einigung erzielt worden. Die Gewerkschaft in Taoyuan bereitet deshalb eine Abstimmung über einen möglichen Streik vor. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Arbeit unmittelbar niedergelegt wird. Bislang gibt es keinen Streik, und die Produktion ist nicht beeinträchtigt.
Für Anleger ist genau das entscheidend. Taiwan ist ein zentraler Produktionsstandort für Micron. Das Unternehmen fertigt dort unter anderem DRAM und High Bandwidth Memory, besser bekannt als HBM. Diese Speichertechnologie spielt eine wichtige Rolle in leistungsstarken Servern für künstliche Intelligenz. Eine längere Arbeitsunterbrechung könnte daher einen Markt zusätzlich belasten, in dem das Angebot bereits knapp ist.
Zugleich gewinnt Taiwan für Micron weiter an Bedeutung. Das US-Unternehmen hatte Anfang des Jahres mitgeteilt, eine Absichtserklärung zum Kauf einer weiteren taiwanischen Chipfabrik unterzeichnet zu haben. Das Volumen der Übernahme liegt bei rund 1,8 Milliarden Dollar.
An der Börse überwiegt am Dienstag zunächst der Optimismus. Die Micron-Aktie eröffnete bei rund 1.033 Dollar und sprang anschließend binnen kurzer Zeit über die Marke von 1.070 Dollar. Damit entfernt sich der Kurs weiter vom vorherigen Schlussstand von 1.043,96 Dollar.
Der Anstieg ist bemerkenswert, weil ein möglicher Streik ein Risiko für die Produktion darstellen würde. Die beiden Gewerkschaften, mit denen Micron in Taiwan verhandelt, vertreten zusammen mehr als 80 Prozent der rund 15.000 Beschäftigten des Unternehmens in dem Land.
Micron hatte Reuters zuvor mitgeteilt, man höre den Anliegen der Beschäftigten weiter zu und bleibe dem Vermittlungsprozess verpflichtet. Auf die Streikdrohung ging das Unternehmen dabei nicht direkt ein.
Der Streit über die Gewinnbeteiligung kommt kurz nachdem Micron ein umfangreiches Vergütungspaket für seine Belegschaft angekündigt hatte. Produktionsmitarbeiter in Taiwan können für das Geschäftsjahr 2026 je nach Funktion und Vergütung ein Gesamtpaket erhalten, das etwa 35 bis 68 Monatsgrundgehältern entspricht. Beschäftigte, die vor dem 29. August 2025 eingestellt wurden, erhalten zusätzlich eine Einmalzahlung von 1 Million Taiwan-Dollar, umgerechnet rund 31.500 Dollar.
Den Unmut der Gewerkschaft beseitigt das jedoch nicht. Die Beschäftigten wollen nicht nur eine außergewöhnlich hohe Einmalzahlung, sondern eine feste und überprüfbare Regelung, durch die sie auch in künftigen profitablen Jahren automatisch an den Ergebnissen von Micron beteiligt werden.
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