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Der Coldcard-Hack hat sich zum größten Angriff auf Hardware-Wallets seit Jahren entwickelt, doch die eigentliche Geschichte spielte sich abseits der Öffentlichkeit ab. Während Angreifer seit Ende Juli eine Wallet nach der anderen leerräumten, brachte der übrige Markt ein Vielfaches der erbeuteten Bitcoin in Sicherheit.
Und das sagt nach Ansicht mancher mehr über Bitcoin aus als der Diebstahl selbst.
Die Angreifer hatten es auf ein Gerät des kanadischen Herstellers Coinkite abgesehen, das Bitcoin-Schlüssel offline speichert. Wegen eines Softwarefehlers ließen sich diese Schlüssel seit dem 30. Juli erraten.
Während sie Adresse für Adresse leerräumten, geriet der Rest des Marktes in Bewegung. In den Tagen rund um den Angriff verließen 233.000 Bitcoin die Wallets von Langzeithaltern. Solche Coins lagen bereits mindestens 155 Tage unberührt und gelten am Markt als besonders geduldiges Kapital.
Beim aktuellen Kurs entspricht das rund 15 Milliarden Dollar, wie Daten des Analysehauses Checkonchain zeigen. Es folgten mehrere Angriffswellen; die Beute der Angreifer blieb bei etwa 2.100 BTC.
Es wurde also mehr als 110-mal so viel Bitcoin verlagert, wie die Angreifer erbeuteten. Laut dem Analyseunternehmen Glassnode führte die Bewegung zum stärksten Rückgang des Angebots der Langzeithalter seit Dezember 2024. Diese besonders überzeugten Anleger halten zusammen inzwischen rund 14,7 Millionen BTC.
Die meisten Coins landeten in einer neuen Wallet desselben Besitzers. In den Daten wirkt das wie ein Abfluss, tatsächlich wechselte meist nur die Verwahradresse.
„Ich glaube, vielen ist das Ausmaß der Coin-Bewegungen infolge des Coldcard-Hacks nicht bewusst“, schrieb Analyst James van Straten. Er verglich die Umschichtungen mit den Bewegungen nach dem dramatischen Zusammenbruch der Kryptobörse FTX im Jahr 2022.
Nick Neuman, Chef des Verwahrdienstleisters Casa, sieht darin einen Beleg dafür, dass Selbstverwahrung funktioniert.
„Die On-Chain-Daten zum Coldcard-Vorfall zeigen, wie wichtig Selbstverwahrung für die Widerstandsfähigkeit von Bitcoin als Anlageklasse ist“, schrieb er auf X.
Der Unterschied zu einer gehackten Kryptobörse ist erheblich. Dort liegen die Bestände aller Kunden an einem Ort; bei einem Angriff kann alles auf einen Schlag verschwinden. In diesem Fall musste der Angreifer jede Adresse einzeln kompromittieren. Das gab dem übrigen Markt Zeit zu reagieren.
„Hätten all diese BTC bei einem Verwahrer gelegen und wäre dieser Verwahrer gehackt worden, dann wären die Zahlen genau umgekehrt ausgefallen“, schrieb Neuman.
Das Problem schwelte bereits seit März 2021. Ein Fehler in der Firmware sorgte dafür, dass Coldcard die Schlüssel über einen Softwaregenerator erzeugte – statt über den dafür vorgesehenen Spezialchip im Gerät.
Dadurch war der Zufall deutlich weniger zufällig. Die Sicherheit fiel von 128 Bit auf etwa 40 Bit. Mit ausreichend Rechenleistung ließen sich die geheimen Schlüssel damit praktisch erraten.
Ein Update behebt das nicht, denn ein schwach erzeugter Schlüssel bleibt schwach. Coinkite fordert daher alle Nutzer, die mit Firmware 4.0.1 bis 4.1.9 einen Seed erzeugt haben, auf, die entsprechende Wallet als verloren zu betrachten. Der Seed ist die Wortfolge, mit der sich eine Wallet wiederherstellen lässt.
Die meisten Coins wanderten deshalb in eine frische Wallet desselben Besitzers. Ein Teil wurde in Multisig-Strukturen verschoben, bei denen mehrere Schlüssel eine Transaktion freigeben müssen. Ein einzelnes anfälliges Gerät reicht dann nicht aus.
Und es blieb nicht bei Coldcard-Nutzern. Nach Angaben von Casa wurden auch Besitzer von Ledger- oder Trezor-Geräten aktiv, zwei bekannte Marken, die gar nicht betroffen waren. Sie gingen auf Nummer sicher, nachdem eine Gruppe von Sicherheitsforschern zudem tausende weitere Schwachstellen in Open-Source-Bitcoin-Projekten entdeckt hatte.
Doch nicht jeder sieht darin einen Grund zur Beruhigung. Lorenzo Valente, Forschungsdirektor für digitale Vermögenswerte bei ARK Invest, hatte die Hardware-Wallet-Branche zuvor als ein Durcheinander bezeichnet. Wer seine Schlüssel selbst verwahrt, tauscht aus seiner Sicht lediglich ein Risiko gegen ein anderes ein.
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