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Der S&P 500 und der Nasdaq 100 erholen sich heute, nachdem der Halbleitersektor erneut unter Druck geraten war. Gleichzeitig ist Bitcoin (BTC) über 80.000 Dollar gestiegen. Einige Analysten werten das als Hinweis, dass Anleger wieder mehr Risiko eingehen.
Ich halte das persönlich noch für verfrüht. Für den Anstieg von Bitcoin gibt es fundamentale Gründe. Vor allem der Eingriff des US-Finanzministeriums spielt eine wichtige Rolle. Er hat die Debatte an der Wall Street wieder auf die US-Staatsverschuldung gelenkt, die inzwischen bei mehr als 40 Billionen Dollar liegt.
Dennoch scheint die Bewegung vor allem von der Positionierung getrieben zu sein. Der Markt war extrem negativ positioniert. Der Kursanstieg zwang Shortseller aus ihren Positionen; sie mussten Bitcoin zurückkaufen.
Technisch wird es nun interessant. In der Vergangenheit markierte die Rückeroberung des 50-Wochen-Durchschnitts häufig den Beginn eines neuen Bullenmarkts bei Bitcoin. Dieser Durchschnitt liegt derzeit bei rund 81.000 Dollar.
Wenn Bitcoin klar darüber bleibt und zugleich gegenüber Mai 2026 bei rund 82.000 Dollar ein höheres Hoch ausbildet, hellt sich das Bild deutlich auf.
Sobald das passiert, kann ich wieder ernsthafter an den Beginn eines neuen Bullenmarkts glauben.
Vorläufig geht mir der Anstieg etwas zu schnell. Deshalb habe ich heute Morgen erneut einen kleinen Teil meiner Bitcoin-Position oberhalb von 80.500 Dollar verkauft. Nicht, weil ich nun pessimistisch wäre, sondern vor allem, um die Gewichtung in meinem Portfolio gesünder zu gestalten. Einen Teil davon nutze ich, um Gold nachzukaufen.
Auch der Halbleitersektor steht an einem wichtigen Punkt. Der SOXX scheint um den exponentiellen 100-Tage-Durchschnitt Unterstützung zu finden. Hält der Index diese Marke, entsteht im Vergleich zur Korrektur im Juli ein höheres Tief.
Der nächste Schritt wäre dann ein Anstieg über das lokale Hoch vom 17. August bei rund 565 Dollar. Die Quartalszahlen von Nvidia am Mittwochabend werden dafür entscheidend. Nvidia muss zeigen, dass die enormen KI-Investitionen weiterhin zu höheren Margen, starkem Gewinnwachstum und echten Cashflows führen.
Gelingt das, kann sich der Halbleitersektor erholen. Enttäuscht Nvidia, wird ein Rückgang in Richtung des 200-Tage-Durchschnitts bei rund 444 Dollar realistischer.
Dennoch glaube ich nicht, dass wir bereits auf das Ende des KI-Bullenmarkts blicken. Die Gewinnzahlen stützen die Aktienkurse weiterhin, und das Potenzial künstlicher Intelligenz bleibt enorm. Solange Anleger von einer technologischen Revolution träumen können, bleibt die Investitionsbereitschaft hoch.
Das größte Risiko bleiben die langfristigen US-Renditen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt bei rund 4,7 Prozent, die 30-jährige Rendite bei über 5,2 Prozent. Der Eingriff von Scott Bessent und dem Finanzministerium verschaffte vorübergehend Entlastung, löst das grundlegende Schuldenproblem aber nicht.
Der Markt verlangt weiterhin eine hohe Risikoprämie für drei Risiken: hohes nominales Wachstum durch KI-Investitionen und Haushaltsdefizite, Sorgen über die US-Staatsverschuldung sowie Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg und den Ölpreisen.
Vorerst kann der Markt die höheren Renditen verkraften, solange die Gewinnzahlen stark bleiben. Deshalb sind die Zahlen von Nvidia so wichtig. Sie müssen bestätigen, dass KI nicht nur eine Vision ist, sondern tatsächlich Rendite bringt.
Ich bleibe für den KI-Bullenmarkt positiv gestimmt, auch wegen der geopolitischen Bedeutung der Technologie. Die USA wollen den KI-Rüstungswettlauf mit China nicht verlieren. Dafür muss Kapital weiter reichlich durch das Finanzsystem fließen. Höhere Inflation, höhere Aktienbewertungen oder eine größere Blase an der Wall Street scheinen Risiken zu sein, die Washington vorerst in Kauf nimmt.
Das größte Risiko ist nämlich nicht etwas mehr Inflation. Das größte Risiko besteht darin, dass die USA das KI-Rennen verlieren.
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