Große amerikanische Banken und Vermögensverwalter setzen verstärkt auf Blockchain-Technologie. Dennoch reagiert ein Teil des Kryptomarktes bemerkenswert zurückhaltend. Laut Matt Hougan, Chief Investment Officer des Vermögensverwalters Bitwise, entsteht dadurch eine klare Kluft, die Chancen für Anleger bietet.
Krypto könnte strukturell falsch bewertet sein
Laut Hougan betrachten viele Anleger Krypto immer noch mit veralteten Perspektiven. In seinem jüngsten Memo an Kunden schreibt er: „Es gibt eine große Diskrepanz zwischen dem, was Anleger glauben, was in der Krypto-Welt passiert, und dem, was tatsächlich geschieht.“
Hougan verweist auf einen Verhaltensfehler, den er als „Verankerungsbias“ bezeichnet. Das bedeutet, dass Menschen an ihrem ersten Eindruck festhalten. Viele Investoren lernten Krypto beispielsweise während des Untergangs der Börse Mt. Gox oder nach dem Crash von FTX und dem Skandal um Gründer Sam Bankman-Fried kennen.
Doch Hougan zufolge ist das negative Bild mittlerweile überholt. Er schreibt: „Die größten Alpha-Chancen entstehen, wenn das vorherrschende Marktbild veraltet ist und sich die Realität bereits gewandelt hat, während Anleger noch an der alten Geschichte festhalten.“
Wall Street treibt den Wechsel zur Blockchain voran
Während viele Anleger noch zögern, macht Wall Street große Schritte in Richtung Blockchain und Tokenisierung. Dabei handelt es sich um das digitale Verpacken realer Vermögenswerte, wie Anleihen, Aktien oder Fonds, auf einem Blockchain-Netzwerk.
Tokenisierung bietet erhebliche Vorteile. Sie ist oft günstiger und schneller als traditionelle Systeme. Zudem sind getokenisierte Versionen von Aktien beispielsweise rund um die Uhr handelbar, während Börsen nur eingeschränkte Öffnungszeiten haben.
BlackRock erklärte Anfang des Jahres, dass die Tokenisierung laut dem Unternehmen zu einem Durchbruch wird, der bis 2026 ebenso bedeutend wie Künstliche Intelligenz (KI) sein kann. Jay Jacobs, Leiter des thematischen Investierens bei BlackRock, spricht von „einem strukturellen Wandel“ in der Funktionsweise der Märkte.
In der Zwischenzeit beobachten wir, dass Wall Street Milliarden von traditionellen Anlagen auf Ethereum (ETH) verlagert. Der Markt für getokenisierte reale Vermögenswerte auf Ethereum wuchs in einem Jahr von 4,1 Milliarden auf 17 Milliarden Dollar an. Das ist ein beeindruckender Anstieg von 315 Prozent.
Ethereum hat mit etwa 34 Prozent den größten Marktanteil in diesem Sektor. Große Finanzakteure wie BlackRock und JPMorgan setzen aktiv Fonds auf Ethereum auf. Auch Rohstoffe, insbesondere Gold über Tether Gold und PAX Gold, werden zunehmend tokenisiert.
Enormes Wachstumspotenzial für Tokenisierung
Die derzeitigen Geldströme in Richtung Tokenisierung sind noch relativ gering. Der traditionelle Finanzmarkt ist nämlich um ein Vielfaches größer und umfasst Billionen von Dollar an Aktien, Anleihen und Fonds.
Hougan gibt an, dass weltweit etwa 30 Billionen Dollar in Exchange-Traded Funds (ETFs) liegen, 110 Billionen Dollar in Aktien und 145 Billionen Dollar in Anleihen. Demgegenüber steht, dass der gesamte Markt für getokenisierte Vermögenswerte derzeit rund 20 Milliarden Dollar beträgt.
Selbst wenn nur ein kleiner Teil dieses riesigen Marktes auf die Blockchain übergeht, ist das Wachstumspotenzial enorm. Hougan weist darauf hin, dass viele Anleger dies noch nicht eingepreist haben.
Dennoch ist unklar, wo der Wert letztendlich landen wird. Werden öffentliche Netzwerke wie Ethereum und Solana (SOL) davon profitieren? Oder setzen sich private Netzwerke von Banken durch? Hougan ist diesbezüglich offen. „Die ehrliche Antwort auf die meisten dieser Fragen ist, dass es noch niemand weiß“, schreibt er.
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