Changpeng Zhao, besser bekannt als CZ und Gründer der Kryptobörse Binance, arbeitet mit mehreren Ländern an der Entwicklung nationaler Stablecoins. Dabei handelt es sich um digitale Coins auf der Blockchain, die an lokale Währungen wie den Euro, das britische Pfund oder Währungen aufstrebender Volkswirtschaften gekoppelt sind.
Für CZ ist es entscheidend, dass jede nationale Währung auch digital vertreten ist. In einem Beitrag auf X betonte er, jede Währung solle „on-chain repräsentiert“ sein. Damit zeichnet er ein Bild einer Zukunft, in der Regierungen eine aktivere Rolle im Stablecoin-Ökosystem übernehmen.
Stablecoin-Markt wächst Richtung 312 Milliarden Dollar
Die Aussagen von CZ kommen zu einer Zeit, in der der Markt für Stablecoins stark wächst. Ende 2025 lag die Gesamtmarktkapitalisierung bei über 312 Milliarden Dollar. Derzeit befindet sich die Marktkapitalisierung weiterhin deutlich über 305 Milliarden Dollar.
Der größte Teil dieses Marktes besteht aus an den US-Dollar gekoppelten Stablecoins. Insbesondere USDT von Tether und USDC von Circle dominieren die Nutzung für Handel, Zahlungen und als Brücke zwischen traditionellen Währungen und Krypto.
Laut CZ ist diese Dominanz langfristig nicht selbstverständlich. Er sieht Raum für nationale Alternativen, die besser zu lokalen Volkswirtschaften und Vorschriften passen.
Regierungen suchen Anschluss an Blockchain
CZ erklärt, dass der Kryptosektor in eine neue Phase eingetreten ist, in der Regierungen nicht länger am Rand stehen. Der Binance-Gründer gab zuvor an, mit Ländern wie Malaysia und Pakistan im Bereich Krypto-Adoption und Blockchain-Anwendungen zusammenzuarbeiten.
Ein konkretes Beispiel ist Kirgisistan. Das Land brachte im Oktober 2025 seinen eigenen nationalen Stablecoin, den KGST, heraus. Dieser digitale Coin ist eins zu eins an den kirgisischen Som gekoppelt und läuft auf der BNB Chain. Darüber hinaus hat das Land eine nationale Krypto-Reserve eingerichtet, die unter anderem BNB umfasst.
Beim Weltwirtschaftsforum in Davos, das im Januar 2026 stattfand, erklärte CZ, dass er mit etwa zehn Regierungen über die Tokenisierung nationaler Vermögenswerte mittels Blockchain-Technologie spricht.
Weniger Abhängigkeit vom US-Dollar
Analysten betonen, dass lokale Stablecoins internationale Zahlungen schneller und günstiger machen können, vor allem, wenn Banken, Fintechs und Kryptobörsen beteiligt sind. Zudem können Länder so ihre Abhängigkeit vom US-Dollar verringern.
Derzeit spielt der Dollar eine dominante Rolle im Bereich digitaler Vermögenswerte. Durch die Ausgabe einer eigenen digitalen Währung behalten Länder mehr Kontrolle über ihre Geldpolitik in einem zunehmend digitalisierten Finanzsystem.
Kritik an der Machbarkeit nationaler Stablecoins
Trotzdem gibt es Kritik. Im Dezember 2025 erklärte Wang Yongli, ehemaliger Vizepräsident der Bank of China, dass etwa 99 Prozent des weltweiten Stablecoin-Marktes von US-amerikanischen Parteien kontrolliert werden.
Seiner Ansicht nach könnte eine nationale Stablecoin, wie eine an den chinesischen Yuan gekoppelte digitale Währung, international schwer mit dollar-gebundenen Varianten konkurrieren. Dadurch drohen lokale Stablecoins dennoch vom bestehenden Dollar-Netzwerk abhängig zu werden.
Regulierung beschleunigt sich weltweit
Trotz dieser Kritik arbeiten immer mehr Länder an klaren Regeln für Stablecoins. In den USA trat im Juli 2025 der sogenannte GENIUS Act in Kraft, der Rahmenbedingungen für Ausgabe und Verwaltung festlegt. Auch weitere Gesetzgebungen werden entwickelt.
Hongkong führte im August 2025 eigene Stablecoin-Regeln ein. In Europa prüft die Europäische Zentralbank die Möglichkeiten eines digitalen Euro. Die Bank of England arbeitet derweil an Richtlinien für an das britische Pfund gekoppelte Stablecoins.
Was bedeutet das für 2026?
Es wird erwartet, dass im Jahr 2026 mehr Länder ihre eigenen digitalen Währungen oder nationalen Stablecoins herausgeben. Stablecoins mit vollständiger Reserveabdeckung werden dabei gegenüber algorithmischen Varianten bevorzugt, die versuchen, ihren Wert ohne direkte zugrunde liegende Vermögenswerte zu halten.
Mit seiner Zusammenarbeit mit Regierungen will CZ zu einer globalen Multi-Fiat-Stablecoin-Landschaft beitragen. Gleichzeitig könnten Binance und die BNB Chain von neuen Kooperationen profitieren. Ob nationale Stablecoins tatsächlich einen festen Platz im globalen Finanzsystem finden, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.
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