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Europa zieht plötzlich einen erheblichen Teil der weltweiten Aktienzuflüsse an. Nach Daten von LSEG Lipper flossen in der Woche bis zum 12. August 13,52 Milliarden Dollar in europäische Aktienfonds. Das entsprach 72,6 Prozent aller Nettozuflüsse in globale Aktienfonds.

Während die Wall Street mit hohen Zinsen, Schwankungen rund um KI-Werte und geopolitischer Unsicherheit ringt, entdecken Anleger Europa offenbar neu. Europäische Aktien profitieren von niedrigeren Bewertungen, höheren Verteidigungsausgaben, Bankgewinnen und der Einschätzung, dass die Region nach Jahren der Unterbewertung vergleichsweise attraktiv ist.

Ausgerechnet in diesem Moment zeichnet sich jedoch ein neues geopolitisches Risiko ab.

Iran nimmt offenbar Ziele in Europa ins Visier

Iranische Kreise haben Gerüchten zufolge mögliche Angriffe auf amerikanische Militärziele in Europa geprüft , sollte Donald Trump den Krieg weiter ausweiten.

Dabei sollen unter anderem Bulgarien und Zypern genannt worden sein. Bulgarien hatte im vergangenen Monat den Luftwaffenstützpunkt Besmer für amerikanische Tankflugzeuge freigegeben, während Zypern im östlichen Mittelmeer strategisch wichtig liegt.

Auch sollen iranische Streitkräfte erwogen haben, Untersee-Glasfaserkabel in der Straße von Hormus zu kappen, falls Washington weiter eskaliert.

Damit reicht das Risiko über Öl hinaus. Ein Konflikt, der sich zunächst um Iran, Hormus und Energiepreise drehte, könnte auf die europäische Sicherheit, Kommunikationsinfrastruktur und die amerikanische Militärpräsenz in der Region übergreifen.

Bedrohung ist real, aber begrenzt

Analysten warnen allerdings davor, die Gefahr zu überschätzen. Sidharth Kaushal vom Royal United Services Institute hält das Risiko für europäische Ziele für real, aber begrenzt. Iran verfügt über Raketen mit großer Reichweite, offen ist jedoch, welche Mittel das Land tatsächlich außerhalb der eigenen Region einsetzen kann.

Douglas Barrie vom International Institute for Strategic Studies verweist darauf, dass Iran bereits früher versucht habe, Ziele in großer Entfernung zu treffen. Auch er stellt jedoch infrage, wie groß diese Fähigkeit tatsächlich ist.

Iran kann Europa erreichen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass das Land breit angelegte und lang anhaltende Angriffe führen kann.

Europa wird zugleich sicherer Hafen und Zielscheibe

Genau darin liegt nun die Paradoxie. Anleger lenken massiv Geld in europäische Aktien, während Europa möglicherweise tiefer in geopolitische Risiken hineingezogen wird.

Die Region profitiert von der Umschichtung aus teuren amerikanischen Technologieaktien und von weniger extremen Bewertungen. Zugleich liegt Europa geografisch näher am Konflikt und beherbergt amerikanische Militärinfrastruktur.

Das macht die Zuflüsse anfällig für negative Schlagzeilen.

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