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Der neue Vorsitzende der US-Notenbank will mit einer Tradition brechen, die den Märkten über Jahre Orientierung gab. Kevin Warsh scheint künftig weniger über den weiteren Zinskurs sagen zu wollen. Keine klaren Hinweise, kein detaillierter Fahrplan und weniger geldpolitische Orientierung.

Das wirkt auf den ersten Blick vernünftig. Zentralbanken sind in den vergangenen Jahren mitunter zu Gefangenen ihrer eigenen Kommunikation geworden. Anleger achteten oft stärker auf jedes Wort der Fed als auf die Wirtschaft selbst.

Doch der Zeitpunkt für diesen Kurswechsel ist riskant.

Weniger Worte, mehr Unsicherheit

Seit der Finanzkrise von 2008 versuchte die US-Notenbank, die Märkte möglichst gut auf künftige Zinsschritte vorzubereiten.

Ben Bernanke, Janet Yellen und später Jerome Powell nutzten Kommunikation als geldpolitisches Instrument. Wenn die Zinsen bereits niedrig waren, konnte die Fed über ihre Wortwahl dennoch Erwartungen, Kreditkosten und Risikobereitschaft beeinflussen.

Warsh will damit Schluss machen. Seine Idee: Die Märkte sollen ihre eigene Signalfunktion behalten. Wenn Anleger nur noch auf das reagieren, was die Fed zuvor gesagt hat, blickt die Fed am Ende in einen Spiegel. Der Markt schaut auf die Fed. Die Fed schaut auf den Markt. Und niemand schaut wirklich auf die Wirtschaft.

Das ist ein starkes Argument. Das Problem ist jedoch: Ohne Orientierung durch die Fed können Märkte schnell nervös werden.

Der Anleihemarkt ist anfällig

Die zentrale Frage ist vor allem, was das für den US-Anleihemarkt bedeutet.

Die Rendite von US-Staatsanleihen ist die wichtigste Größe im globalen Finanzsystem. Hypotheken, Unternehmenskredite, Aktienbewertungen, Private Equity, KI-Investitionen und Schwellenländer bewegen sich allesamt mit dieser Rendite.

Gerade jetzt ist dieser Markt anfällig. Staaten sind deutlich höher verschuldet als früher. Auch Unternehmen haben sich jahrelang billig finanziert. Hinzu kommt, dass Hedgefonds im Handel mit US-Staatsanleihen eine immer größere Rolle spielen.

Viele dieser Fonds arbeiten mit Fremdkapital und geringen Zinsdifferenzen. Das funktioniert gut, solange die Märkte ruhig bleiben. Löst eine unerwartete Botschaft der Fed jedoch starke Bewegungen am Anleihemarkt aus, können Nachschussforderungen und erzwungene Verkäufe schnell zusätzlichen Stress verursachen.

Genau darin liegt das Risiko einer zurückhaltenderen Kommunikation. Sie verhindert womöglich, dass Anleger zu sorglos werden, erhöht aber zugleich die Gefahr abrupter Schocks.

Doch Schweigen kann auch Störgeräusche erzeugen

Die Kehrseite: Weniger Kommunikation führt nicht automatisch zu mehr Klarheit. Wenn Warsh selbst wenig sagt, richten Anleger ihren Blick stärker auf regionale Fed-Präsidenten und andere Währungshüter. Die Botschaft kann dadurch erst recht uneinheitlich werden.

Ein Notenbanker sagt, Zinserhöhungen könnten nötig sein. Ein anderer verweist auf nachlassenden Inflationsdruck. Wieder ein anderer betont die Finanzstabilität. Ohne eine klare Stimme des Vorsitzenden kann der Markt beginnen, selbst nach dem Schwerpunkt innerhalb der Fed zu suchen.

Das kann für zusätzliche Volatilität sorgen, vor allem bei der zweijährigen Rendite. Sie reagiert stark auf Erwartungen an die Fed-Politik und ist damit entscheidend für Aktien, Bitcoin (BTC) und Wachstumswerte.

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