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Der südkoreanische Aktienmarkt zählt in diesem Jahr zu den stärksten weltweit. Die spektakulären Kursgewinne gehen jedoch mit erheblichen Schwankungen einher. Der Kospi-Index ist inzwischen sogar volatiler als der Bitcoin-Kurs.
Nach Einschätzung von Analysten wird diese außergewöhnliche Volatilität vor allem durch den KI-Hype um Samsung Electronics und SK Hynix ausgelöst, zusätzlich verstärkt durch das rasante Wachstum riskanter Hebelprodukte.

Der beeindruckende Anstieg des Kospi wird im Wesentlichen von nur zwei Unternehmen getragen: Samsung Electronics und SK Hynix. Beide Chipproduzenten profitieren stark von der weltweiten Nachfrage nach Speicherchips für KI-Anwendungen.
Die Aktien haben so stark zugelegt, dass Samsung und SK Hynix zusammen inzwischen mehr als die Hälfte der gesamten Marktkapitalisierung des Kospi ausmachen. Werden auch die börsennotierten Tochtergesellschaften einbezogen, liegt der Anteil noch höher.
Damit ist die südkoreanische Börse immer stärker vom Sentiment rund um KI abhängig geworden. Als der Kospi Ende Juni ein Rekordhoch erreichte, notierten mehr als 600 der 831 Indexwerte im Minus. Der Rekordstand wurde damit fast ausschließlich von einer Handvoll KI-naher Unternehmen getragen.
Gleichzeitig wachsen die Zweifel an der Tragfähigkeit der KI-Rally. Unternehmen investieren weltweit Hunderte Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur und Rechenzentren, während die Erträge aus KI-Anwendungen nach Einschätzung vieler Analysten weiterhin hinter den enormen Investitionen zurückbleiben. Stimmungsumschwünge am Markt können die Kurse von KI-Aktien daher besonders stark treffen.
Neben dem KI-Hype spielen auch Hebel-ETFs eine wichtige Rolle bei der extremen Volatilität an der südkoreanischen Börse. Diese Anlageprodukte nutzen Kredite und Derivate, um Kursbewegungen innerhalb eines Tages zu verstärken. Gewinne und Verluste können dadurch schneller anwachsen.
Während solche Produkte in vielen Ländern vor allem von professionellen Investoren genutzt werden, sind sie in Südkorea gerade bei Privatanlegern beliebt. In diesem Jahr wurden mehr als zehn neue Hebel-ETFs auf Samsung und SK Hynix zugelassen. Rund 90 Prozent dieser Fonds befinden sich in den Händen privater Anleger.
Zusammen entfielen auf die beiden Chipkonzerne und die zugehörigen ETFs zuletzt mehr als 70 Prozent des Tagesumsatzes an der südkoreanischen Börse. Dadurch wächst der Einfluss von Kursbewegungen in wenigen Einzelwerten auf den gesamten Markt.
Die Risiken blieben auch den Aufsichtsbehörden nicht verborgen. Am 16. Juli teilten die südkoreanischen Behörden mit, dass neue Börsennotierungen von Hebelprodukten auf einzelne Aktien vorerst ausgesetzt werden.
Nicht nur die Hebelprodukte, auch das Verhalten der Anleger verstärkt die Ausschläge. Südkoreaner investierten in diesem Jahr mehr als 100 Billionen Won, umgerechnet etwa 67 Milliarden Dollar, in Kospi-Aktien.
Ausländische institutionelle Investoren gingen dagegen in die entgegengesetzte Richtung. Sie verkauften in diesem Jahr südkoreanische Aktien im Wert von rund 108 Milliarden Dollar, darunter SK-Hynix-Aktien für mehr als 40 Milliarden Dollar.
Nach Einschätzung von Analysten reagieren Privatanleger schneller auf starke Kursbewegungen als professionelle Investoren. In Südkorea werden sie auch als „Ameisen“ bezeichnet, weil sie häufig in großer Zahl in dieselbe Richtung handeln. Steigen Aktien kräftig, steigen viele Anleger aus Sorge ein, Rendite zu verpassen. Fallen die Kurse, kann dieselbe Gruppe massenhaft verkaufen und die Schwankungen weiter verstärken.
Goldman Sachs bezeichnete Hebel-ETFs kürzlich als größtes Risiko für die südkoreanische Börse. Auch der Vermögensverwalter Allspring Global Investments warnte, die Rally bei Chipaktien sei zu einem erheblichen Teil durch Fremdkapital und Hebelprodukte befeuert worden. Nach Einschätzung des Vermögensverwalters bleibt Vorsicht geboten, solange diese Verwundbarkeit besteht.
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