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Der Druck auf die US-Notenbank, die Zinsen in der kommenden Woche anzuheben, nimmt rasch zu. Neue Inflationsdaten zeigen, dass der zugrunde liegende Preisdruck hartnäckiger bleibt als erhofft. An den Finanzmärkten wird inzwischen mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 85 Prozent eine Zinserhöhung eingepreist.

Fed-Chef Kevin Warsh gerät damit in eine schwierige Lage. Er hatte selbst davor gewarnt, dass die Inflation nicht ausreichend nachlässt. Donald Trump drängt dagegen weiter auf niedrigere Zinsen.

Eine Zinserhöhung könnte damit nicht nur Folgen für die Finanzmärkte haben, sondern auch die Spannungen zwischen Trump und der Federal Reserve weiter verschärfen.

Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung steigt auf über 85 Prozent

Die Kerninflation in den USA stieg im August um 0,3 Prozent gegenüber Juli. Ökonomen hatten mit 0,2 Prozent gerechnet. Bei der Kerninflation werden Lebensmittel und Energie nicht berücksichtigt, weil deren Preise stark schwanken können.

Die höhere Inflation sorgt dafür, dass Anleger immer stärker mit einer Zinserhöhung durch die Federal Reserve rechnen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed auf ihrer Sitzung am 15. und 16. September die Zinsen anhebt, wird inzwischen auf mehr als 85 Prozent geschätzt. Einen Tag zuvor hatte sie noch bei rund 70 Prozent gelegen.

Anleger erwarten zudem, dass bis zum Jahresende möglicherweise eine weitere Zinserhöhung folgt. Auch Ökonomen unter anderem von TD Bank und JPMorgan Chase gehen nach den neuen Daten davon aus, dass die Fed in der kommenden Woche die Zinsen anhebt.

Nach Einschätzung von Diane Swonk, Chefökonomin bei KPMG, hat sich die Lage damit spürbar verändert. „Es geht inzwischen nicht mehr darum, ob die Fed die Zinsen anhebt, sondern wie stark sie vorgehen muss, um diese Inflation in den Griff zu bekommen.“

Warsh hat die Messlatte selbst hoch gelegt

Der Druck auf Warsh nimmt auch wegen seiner früheren Äußerungen zu. In einer Rede in Jackson Hole am 28. August warnte der Fed-Chef, dass die zugrunde liegende Inflation weiterhin nicht ausreichend nachlässt.

Warsh zufolge müsste die Fed eingreifen, wenn neue Daten nicht klar zeigen, dass sich die Inflation in Richtung des Zwei-Prozent-Ziels bewegt. Die jüngsten Inflationszahlen machen es damit schwieriger, erneut untätig zu bleiben.

Innerhalb der Fed wächst die Unterstützung für eine Zinserhöhung schon länger. Die Notenbank ließ die Zinsen in diesem Jahr fünf Sitzungen in Folge unverändert. Im Juli wollten jedoch bereits drei Entscheidungsträger die Zinsen um 0,25 Prozentpunkte anheben. Zwei weitere Mitglieder ohne Stimmrecht signalisierten, dass sie einen solchen Schritt ebenfalls unterstützt hätten.

Andere Fed-Vertreter wollten dagegen länger abwarten, weil sie davon ausgingen, dass die Inflation von selbst weiter zurückgeht. Die jüngsten Daten setzen diese Erwartung zusätzlich unter Druck.

Ökonomen von Evercore ISI halten eine Zinserhöhung in der kommenden Woche deshalb für sehr wahrscheinlich. Mit einem tatsächlichen Zinsschritt könnte Warsh zudem zeigen, dass seine früheren Warnungen vor der Inflation mehr waren als bloße Worte.

Trump fordert niedrigere Zinsen

Eine Zinserhöhung könnte zugleich neue Spannungen mit Donald Trump auslösen. Der US-Präsident ernannte Warsh zum Fed-Chef, drängt aber seit längerer Zeit auf niedrigere Zinsen.

In der vergangenen Woche erhöhte Trump den Druck weiter. Er drohte sogar damit, den Handel mit bestimmten Ländern auszusetzen, sollte die Fed die Zinsen nicht senken.

Auch im Weißen Haus wird bereits mit einer Reaktion Trumps gerechnet. Kevin Hassett, Direktor des National Economic Council, wurde am Freitag gefragt, was passiert, falls die Fed in der kommenden Woche die Zinsen anhebt.

„Ich gehe davon aus, dass der Präsident dazu etwas sagen wird, falls die Fed einen großen Schritt macht“, sagte Hassett.

Warsh steckt damit in einer schwierigen Lage. Die jüngsten Wirtschaftsdaten liefern der Fed immer mehr Gründe für eine Zinserhöhung, während Trump genau das Gegenteil fordert.

Hoher Ölpreis verschärft das Problem

Hinzu kommt der starke Anstieg des Ölpreises. Wegen des anhaltenden Konflikts um Iran stieg Brent-Öl am Donnerstag auf fast 109 Dollar je Barrel. Höhere Energiepreise könnten die Inflation in den kommenden Monaten weiter antreiben.

Auch die US-Verbraucher werden pessimistischer. Aus der jüngsten Umfrage der Universität Michigan geht hervor, dass sie in einem Jahr eine Inflation von rund 4,6 Prozent erwarten. Einen Monat zuvor waren es noch vier Prozent.

Erstmals seit 2023 erwartet zudem eine Mehrheit der befragten Verbraucher, dass die Zinsen in den kommenden zwölf Monaten steigen werden.

Der US-Arbeitsmarkt liefert der Fed unterdessen kaum Gründe, rasch auf niedrigere Zinsen umzuschwenken. Die Arbeitslosigkeit bleibt niedrig und gilt als stabil. Zugleich läuft die Wirtschaft nach Einschätzung mehrerer Ökonomen weiterhin robust.

Einige Analysten gehen deshalb davon aus, dass eine einzelne Zinserhöhung womöglich nicht ausreicht. Die Fed hatte die Zinsen Ende 2025 wegen Sorgen über eine mögliche Abschwächung des Arbeitsmarkts insgesamt um 0,75 Prozentpunkte gesenkt. Da die Wirtschaft stark bleibt und die Inflation hartnäckig ist, wächst der Druck, einen Teil dieser Senkungen zurückzunehmen.

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