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Der Kampf gegen die Inflation ist noch längst nicht gewonnen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat in dieser Woche zum zweiten Mal in diesem Jahr die Zinsen angehoben und schließt weitere Schritte nicht aus. Vor allem die stark gestiegenen Energiepreise nähren neue Inflationssorgen.

Auch in den Vereinigten Staaten steigt die Wahrscheinlichkeit höherer Zinsen rasch. Die Federal Reserve (Fed) entscheidet in der kommenden Woche erneut über den Leitzins. Nach enttäuschenden Inflationsdaten taxieren Anleger die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung inzwischen auf mehr als 85 Prozent.

Damit dürfte die Phase hoher Zinsen vorerst noch nicht beendet sein. Sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten fürchten Währungshüter, dass höhere Energiepreise und hartnäckige Inflation sie zu einer weiteren Straffung der Geldpolitik zwingen.

EZB hält Tür für weitere Zinserhöhung offen

Die EZB hob am Donnerstag ihren wichtigsten Zinssatz von 2,25 auf 2,50 Prozent an. Nach Einschätzung der Notenbank liegt der Zinssatz damit am oberen Rand der neutralen Bandbreite. Gemeint ist ein Niveau, auf dem die Zinsen die Wirtschaft theoretisch weder spürbar anschieben noch deutlich bremsen.

Dennoch könnte die EZB bald noch einen Schritt weitergehen. Reuters zufolge rechnen Entscheidungsträger mit weiteren Zinserhöhungen in den kommenden Monaten. Eine weitere Anhebung könnte sogar bereits im Oktober folgen.

Vor allem die steigenden Energiepreise sorgen für Unruhe. Krieg und geopolitische Spannungen haben Öl und Gas deutlich verteuert. Diese höheren Kosten können letztlich auch andere Preise nach oben treiben, etwa für Transport, Strom und die Herstellung von Waren.

Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank, schließt daher nicht aus, dass die EZB die Zinsen weiter anheben muss. Damit würde die Geldpolitik die Konjunktur tatsächlich etwas dämpfen.

Er könne nicht ausschließen, dass die Geldpolitik leicht restriktiv werden müsse, sagte Nagel dem Sender CNBC. Aus seiner Sicht hängt viel von der Entwicklung der Energiepreise und der Inflation im kommenden Monat ab.

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Auch der estnische Notenbankchef Ülo Kaasik mahnt zur Vorsicht. Er hält Erwartungen weiterer Zinserhöhungen für nachvollziehbar, weil Kraftstoff deutlich teurer geworden ist und Lebensmittelpreise folgen könnten.

An den Finanzmärkten werden inzwischen mindestens drei zusätzliche Zinserhöhungen der EZB im kommenden Jahr eingepreist.

Auch die Fed rückt einer Zinserhöhung näher

In den Vereinigten Staaten stellt sich die Lage ähnlich dar. Die Fed trifft in der kommenden Woche eine neue Zinsentscheidung, und die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung ist in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen.

Der US-Leitzins liegt seit Dezember 2025 bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Lange war offen, ob die Fed ihn in der kommenden Woche anheben würde. Die jüngsten Inflationsdaten haben das Bild jedoch verändert.

Die US-Kerninflation stieg im August um 0,3 Prozent gegenüber Juli. Volkswirte hatten mit 0,2 Prozent gerechnet. Bei der Kerninflation bleiben Lebensmittel und Energie unberücksichtigt, weil deren Preise stark schwanken können.

Die Gesamtinflation lag auf Jahressicht bei 3,4 Prozent und damit exakt im Rahmen der Erwartungen. Für die Fed ist jedoch vor allem die höher als erwartete Kerninflation entscheidend. Sie zeigt, dass der zugrunde liegende Preisdruck weiter hartnäckig bleibt.

Anleger reagierten umgehend. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed auf ihrer Sitzung am 15. und 16. September die Zinsen anhebt, wird inzwischen auf mehr als 85 Prozent geschätzt. Am Vortag lag sie noch bei rund 70 Prozent.

Auch mehrere Großbanken haben ihre Prognosen angepasst. Unter anderem TD Bank und JPMorgan Chase gehen nach den jüngsten Zahlen davon aus, dass die Fed in der kommenden Woche die Zinsen erhöht.

Hoher Ölpreis verschärft das Problem

Hinzu kommt ein weiteres Problem: der stark gestiegene Ölpreis. Wegen der anhaltenden Konflikte im Nahen Osten ist Brent-Öl in dieser Woche auf über 100 Dollar je Barrel gestiegen.

Ein höherer Ölpreis trifft am Ende weit mehr als nur Autofahrer. Transporte werden teurer, Unternehmen sehen sich mit höheren Kosten konfrontiert, und auch die Preise anderer Produkte können dadurch steigen. Für Zentralbanken wird es damit schwieriger, die Inflation zurückzuführen.

Fed-Chef Kevin Warsh hatte bereits zuvor gewarnt, dass im Kampf gegen die Inflation noch Arbeit nötig sei, um sie wieder auf das Zwei-Prozent-Ziel zurückzuführen.

Die Zinsentscheidung der Fed wird am Mittwoch um 20.00 Uhr deutscher Zeit bekannt gegeben. Eine halbe Stunde später tritt Warsh vor die Presse. Zudem veröffentlicht die Fed neue Konjunkturprognosen und den sogenannten Dot Plot. Darin zeigen die Mitglieder des Fed-Führungsgremiums, wo sie den Leitzins in den kommenden Jahren erwarten.

Damit dürfte die Entscheidung zu einem wichtigen Termin für die Finanzmärkte werden. Höhere Zinsen machen Sparen und Anleihen attraktiver, während Kredite teurer werden. Das kann unter anderem Folgen für Aktien und den Kurs von Bitcoin (BTC) haben.

Auch die EZB bleibt unterdessen stark von der Entwicklung der Energiepreise abhängig. Die Notenbank hob am Donnerstag ihre Erwartungen für Wirtschaftswachstum und Inflation leicht an, doch die jüngsten Anstiege bei Öl und Gas sind darin noch nicht vollständig berücksichtigt. Bleibt Energie in den kommenden Monaten teuer, könnte der Druck auf die EZB, die Zinsen weiter anzuheben, erneut zunehmen.

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