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Eine schwere Störung des Handels über die Straße von Hormus könnte vor allem kleinere Unternehmen weltweit hart treffen. Davor warnt die UN-Organisation für Handel und Entwicklung UNCTAD. Die Folgen könnten zudem länger anhalten als die Störung selbst. Unternehmen, die einmal aus internationalen Handelsketten herausfallen, finden nach Einschätzung der Organisation nicht ohne Weiteres wieder Anschluss.
Das Risiko ist erheblich. Kleinstunternehmen sowie kleine und mittlere Unternehmen stellen zusammen rund 90 Prozent aller Unternehmen weltweit. Zudem entfallen auf sie 70 Prozent der Beschäftigung und etwa die Hälfte des globalen Bruttoinlandsprodukts.
Die Straße von Hormus ist eine zentrale Passage für den internationalen Energiehandel. Probleme in der Region können daher höhere Kosten für Energie und Transport nach sich ziehen. Nach Einschätzung von UNCTAD bekommen kleinere Unternehmen das vergleichsweise schnell zu spüren.
Ein Grund ist, dass sie ihre Risiken seltener auf mehrere Lieferanten, Absatzmärkte und Kreditgeber verteilen können. Zugleich liegen ihre Kosten in mehreren Bereichen ohnehin höher als bei großen Unternehmen.
Beim Import zahlen kleine und mittlere Unternehmen in Entwicklungsländern im Schnitt 19,4 Prozent des Warenwerts für Zollkosten, Zahlungen an Zwischenhändler und weitere Abgaben. Bei großen Unternehmen liegt dieser Anteil bei 14,7 Prozent.
Auch Energie belastet die Budgets überdurchschnittlich stark. Ein Viertel der kleinen Unternehmen in Entwicklungsländern gibt mehr als 4,2 Prozent des Umsatzes für Strom aus. Bei großen Unternehmen sind es 3,7 Prozent.
Die Finanzierung ist ein drittes Problem. Fast die Hälfte der kleinen Unternehmen in Entwicklungsländern sieht den Zugang zu Kapital als Hindernis. Unter großen Unternehmen beträgt dieser Anteil 38 Prozent.
Zudem zahlen kleinere Unternehmen deutlich höhere Zinsen. Die durchschnittlichen Finanzierungskosten liegen den Daten zufolge bei rund 15,8 Prozent, gegenüber 10,3 Prozent bei größeren Unternehmen.
„Wenn Energie, Transport und Finanzierung teurer werden, geraten Margen unter Druck und Lieferketten aus dem Takt. Unternehmen können gezwungen sein, ihre Produktion zu drosseln, Investitionen aufzuschieben oder ganz aufzugeben. Der Ausschluss aus Handelsketten wird dann zu einem dauerhaften Risiko“, schreibt UNCTAD.
Nach Angaben der UN-Organisation hat die Corona-Pandemie bereits gezeigt, wie ungleich die Folgen eines weltweiten wirtschaftlichen Schocks verteilt sein können.
Während der Pandemie verzeichneten 88 Prozent der kleinen Unternehmen in Entwicklungsländern einen Umsatzrückgang. Bei großen Unternehmen waren es 81 Prozent.
Auch das Ausmaß des Schadens unterschied sich deutlich. Kleine Unternehmen meldeten im Schnitt einen Umsatzrückgang von 57 Prozent. Bei größeren Unternehmen lag der durchschnittliche Rückgang bei 47 Prozent.
UNCTAD befürchtet daher einen sogenannten Ausschlusseffekt. Selbst wenn der Welthandel nach einer Krise wieder anzieht, heißt das nicht automatisch, dass verschwundene Unternehmen in internationale Handelsketten zurückkehren.
Ein Unternehmen, das Kunden, Lieferanten oder Finanzierung verliert, kann etwa dauerhaft durch einen größeren Wettbewerber ersetzt werden. Das gesamte Handelsvolumen kann sich dann erholen, während kleinere Unternehmen dauerhaft Marktanteile verlieren.
UNCTAD ruft Regierungen deshalb dazu auf, nicht nur auf gesamte Handelsvolumina und Umsatzzahlen zu schauen. Politische Entscheidungsträger sollten nach Ansicht der Organisation auch verfolgen, ob kleine und mittlere Unternehmen während einer Krise Zugang zu ihren Märkten behalten.
Wichtig seien dabei der Zugang zu Handelsfinanzierung, Liquidität und Betriebskapital. Solche Maßnahmen könnten verhindern, dass Unternehmen infolge eines vorübergehenden Kostenschocks dauerhaft aus internationalen Handelsketten gedrängt werden.
UN-Generalsekretär António Guterres verweist in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung für den Arbeitsmarkt. „Als Motoren der Beschäftigung sind Kleinstunternehmen sowie kleine und mittlere Unternehmen für die Zukunft jedes Landes entscheidend“, sagte Guterres.
Wenn viele kleinere Unternehmen wegfallen, reichen die Folgen laut UNCTAD über den internationalen Handel hinaus. Die Arbeitslosigkeit kann steigen, Haushalte können Einkommen verlieren und vulnerable Gruppen können zusätzlich unter Druck geraten.
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